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30.10.2011

09:35 Uhr

Hauptsitz der Bank of America in Charlotte, North Carolina. dapd

Hauptsitz der Bank of America in Charlotte, North Carolina.

Mit seinem roten Haarschopf und den zerknautschten Gesichtszügen sieht Brian Moynihan aus wie direkt einer Werbung für irisches Guinness entsprungen. Doch statt gemütlich ein Bier zu stemmen, hat Moynihan in den vergangenen Monaten mehr öffentliche Auftritte über sich ergehen lassen, als Präsident Obama Wahlkampfreden hielt. Fast immer wirkt Moynihan dabei angespannt, oft spricht er ohne Pausen, die Worte stolpern aus seinem Mund, er verschluckt die Enden. Den „Murmler“ nennen ihn selbst seine Kollegen hinter seinem Rücken. Für andere ist Brian Moynihan der gefährlichste Banker der Welt.

Der 52-Jährige ist Vorstandschef der Bank of America. Das Institut ist außerhalb der USA kaum bekannt, doch sein Kollaps könnte die aktuelle Krise in ein Desaster verwandeln. Die B of A, wie die Finanzwelt sie nennt, ist über ein Netz aus Kontrakten, Krediten und Sicherheiten mit Banken rund um den Globus verbunden. „Die Bank of America ist geradezu die Definition einer systemisch relevanten Finanzinstitution“, sagt William Black. „Ein Kollaps würde Lehman Brothers wie ein Schlagloch aussehen lassen. Wenn die B of A fällt, gehen wir alle über die Klippe.“ Der Forscher weiß, wovon er redet. Als Regulierer räumte er den großen US-Sparkassenskandal der neunziger Jahre mit auf.

Die Bank ist mit ihrer Bilanzsumme von 2,2 Billionen Dollar ein Riese - die Summe entspricht dem Bruttoinlandsprodukt von Griechenland, Portugal und Spanien zusammen. Gut 57 Millionen Amerikaner sind Kunden, und so gut wie alle US-Großunternehmen sind es auch. Moynihans Institut hat mehr Filialen in Nordamerika als Kentucky Fried Chicken. Geht es der Bank schlecht, geht es dem Land schlecht - und die Alarmzeichen, dass es der Bank schlecht geht, haben sich in den vergangenen Wochen gemehrt.

Drei Jahre sind seit dem Untergang von Lehman Brothers vergangen, und die miesen Hypothekenkredite, die einst deren Absturz verursachten, verschwanden aus den Schlagzeilen. Doch dann erhob Anfang September die FHA, die Aufsicht der öffentlich-rechtlichen Hypothekenaufkäufer Fannie Mae und Freddie Mac, Klage gegen 17 Banken. Der Vorwurf: Die Banker seien mit der Vergabe von Krediten an überforderte Schuldner nicht bloß nachlässig gewesen, sondern hätten Fannie und Freddie bewusst Schrott angedreht. Und zuallererst hat die FHA die Bank of America im Visier, die alle Vorwürfe zurückweist. Die Behörde behauptet, genügend Beweise zu haben.

Kommentare (32)

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Relativo

30.10.2011, 09:43 Uhr

na ja, worin besteht jetzt das besondere Risiko bei dieser Bank im Vergleich zu allen anderen Großbanken dieser Welt?

Pequod

30.10.2011, 10:09 Uhr

So dürfte das Schreckgespenst und durch die Ereignisse un-
bewußt zur Rechenschaft gezogenen Lehmanbrüder noch eine
wahre Idylle gegen die kriminellen Machenschaften der
Bank of America gewesen sein.
So wird auch die EU mit ihrem Schneeballsystem Schulden
mit Schulden zu bekämpfen diesen Machenschaften, auch wenn
nur im kleineren Rahmen, in nichts nachstehen.
Das Ergebnis mit dem unvermeidlichen Konkurs dürfte aller-
dings das Gleiche sein, auch wenn die Bank of America ver-
sucht sich von den toxischen europ. Papieren, auf Kosten
der amerikanischen Steuerzahler zu befreien.



Account gelöscht!

30.10.2011, 10:10 Uhr

Es dürfte sich bei einer Summe dieser Größenordnung und der Historie der Bank um (teils synthetische) CDOs handeln. Dabei ist der letzte Satz des Artikels der unaufgeregteste, der die sonst vielleicht typische Sonntagsmeldung etwas relativiert: Entscheidend wäre, wie es nach dem Netting aussieht. Außerdem hat die FED die Transaktion schon genehmigt und in jüngster Vergangenheit allgemein angekündigt, weitere MBOs in Milliardenhöhe zu kaufen. Jetzt kennen wir Verkäufer und Käufer, somit ist die BofA wohl raus aus dem Schneider bzgl. ihrer Hypothekenpapiere und der entsprechenden Derivate. Die legale Trickserei mit der Abwertung eigener Verbindlichkeiten macht bei einer Nichtanwendung des Bilanzierungswahlrechts allerdings klar, wo das echte Problem der Bank liegt: Sie verdient netto kein Geld mehr.

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