Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.11.2013

16:19 Uhr

Bank of England fordert

Banker sollen Boni verlieren, wenn sie Kollegen decken

Die britische Notebank hat eine neue Idee im Kampf gegen Zocker: Wenn ein Banker Fehlverhalten bei Kollegen beobachtet und das nicht meldet, soll er einen Teil seiner eigenen Boni verlieren.

Die britische Notenbank fordert die Banken auf, Bestimmungen zu einer möglichen Rückforderung von Vergütungsbestandteilen in die Arbeitsverträge von Mitarbeitern aufzunehmen. dpa

Die britische Notenbank fordert die Banken auf, Bestimmungen zu einer möglichen Rückforderung von Vergütungsbestandteilen in die Arbeitsverträge von Mitarbeitern aufzunehmen.

LondonBanker, die Fehlverhalten von Kollegen nicht berichten, sollten zur Rückzahlung eines Teils ihrer Bonuszahlungen gezwungen werden, fordert die britische Notenbank. Sie versucht, gegen Verhaltensweisen vorzugehen, die den Ruf von Banken beschädigt haben.

Finanzkonzerne sollten laut der Bank of England (BoE) Kollegen bestrafen, die keine „angemessenen Schritte unternehmen“, um das schlechte Verhalten von Kollegen schnell „zu identifizieren, zu bewerten, zu berichten, zu eskalieren oder anzugehen“ – und zwar, indem einige ihrer verzögerten Boni gestrichen werden, heißt es in einem Papier der Prudential Regulation Authority (PRA) innerhalb der Notenbank.

„Fehler beim Risiko-Management und Fehlverhalten können Jahre brauchen, um ans Licht zu kommen“, erklärt die Behörde in dem Dokument. „Das sollte die Firmen nicht darin hindern, nach dem Auftreten des Risikos Anpassungen vorzunehmen. Betroffene Personen haben variable Vergütungsbestandteile, bei denen eine Reduzierung möglich ist.“

Die drei Stufen der EZB-Bankenprüfung

1. Stufe

Risikobewertung
In einem ersten Schritt prüft die EZB die Risiken in den Bankbilanzen. Dabei schaut sie auf die kurzfristig zur Verfügung stehenden Mittel (Liquidität), die Verschuldung und die Refinanzierung der Bank.

2. Stufe

Asset Quality Review
Im zweiten Schritt schaut sich die EZB mit einem einheitlichen Bewertungsmaßstab etwa für faule Kredite die Bestandteile der Bilanzposten an. Auf dieser Basis wird beurteilt, ob etwa ausreichende Rückstellungen gebildet worden sind. Dabei sind acht Prozent hartes Kernkapital als Zielquote vorgegeben – Banken, die darunter liegen, sollen voraussichtlich auf staatliche Auffangmechanismen zurückgreifen müssen.

3. Stufe

Stresstest
Als letzter Schritt vollzieht die EZB einen Stresstest: Wie reagieren die Bankbilanzen auf gewisse Risikoszenarien? Die Details für den Stresstest sind noch nicht bekannt. Alle drei Schritte sollen bis November 2014 vollzogen sein, wenn die EZB offiziell die Aufsichtsfunktion übernimmt.

Allein die Royal Bank of Scotland Plc. (RBS) hat sich in diesem Jahr rund 302 Millionen Pfund (360 Millionen Euro) zurückgeholt, indem sie zum einen den Bonus-Pool beschnitt und zum anderen Vergütungen zurückgeforderte. Das Geld sollte nicht zuletzt dabei helfen, die Kosten für Strafen aus dem Libor-Skandal in Höhe von 381 Millionen Pfund zu decken.

Der Vorstoß der PRA, das Verhalten von Bankern zu bessern, folgt auf eine Einigung innerhalb der Europäischen Union (EU) aus dem März, Bonuszahlungen von Bankern auf das Doppelte des Festgehaltes zu begrenzen.

Die Rückforderungen sollten laut der PRA auch für führende Manager gelten, die direkt oder indirekt für Fehlverhalten verantwortlich sind. Und mit Blick auf Einzelpersonen, gegen die Untersuchungen wegen Verstößen laufen, empfiehlt die Behörde, alle verzögerten Bonuszahlungen bis zur Klärung der jeweiligen Sachverhalte einzufrieren.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mazi

21.11.2013, 13:12 Uhr

Guter Gedanke!

Die Juristen haben da schon einmal vorformuliert. Nachzulesen in der BORA (Berufsordnung Rechtsanwälte. Dort heißt es in § 25:

§ 25 BORA Beanstandungen gegenüber Kollegen

Will ein Rechtsanwalt einen anderen Rechtsanwalt darauf hinweisen, dass er gegen Berufspflichten verstoße, so darf dies nur vertraulich geschehen, es sei denn, dass die Interessen des Mandanten oder eigene Interessen eine Reaktion in anderer Weise erfordern.


Ist es nicht süss wie weitsichtig unsere unabhängige Jusitz selbst ihren eigenen Schutz formuliert hat?

Die Regelung erinnert mich an den Spruch von Didi Hallervorten: "Du sollst nicht töten! Es sei denn, er gibt den Euro nicht her."

Das System ist schon sehr krank. Gesund, funktionsfähig erscheint es uns nur deshalb, weil wir die Stilblüten nicht alle kennen.

Halten wir es mit Frau Merkel. Nicht öffentlich thematisieren, das schürt nur das Misstrauen. Anders lässt es sich leichter walten.

Wetten, dass das Merkel-Syndrom sich durchsetzt?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×