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14.02.2012

20:33 Uhr

Bank Wegelin

Wer sich zuerst bewegt, verliert

VonHolger Alich

Die Schweiz hat zu spät erkannt, dass sie ihr nationales Geschäftsmodell nicht einfach so weiter betreiben kann wie bisher. Das Beispiel der Privatbank Wegelin hat das nun erneut deutlich gemacht.

Logo der Bank Wegelin an der Hauptzentrale in St. Gallen. Reuters

Logo der Bank Wegelin an der Hauptzentrale in St. Gallen.

In der Schweizer Regierung herrscht in diesen Tagen hektische Betriebsamkeit. Nach der Klage gegen die Schweizer Bank Wegelin durch die New Yorker Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung versucht die Schweizer Regierung verzweifelt, ihren Finanzplatz wieder aus der Schusslinie zu bekommen.

Jetzt sollen Banken von ihren Kunden eine Bescheinigung verlangen, dass die Kundengelder ordentlich versteuert sind. Der Vorstoß ist typisch für das Agieren der Schweiz in Sachen Bankgeheimnis: zu wenig, zu spät. Immer wieder hat das Land erst auf massiven Druck hin die Spielregeln geändert - wenn sich abzeichnete, dass kein anderer Weg mehr offen war.

Insgesamt hat die US-Justiz neben Wegelin jetzt schon zehn weitere Banken wegen Beihilfe zu Steuerdelikten ins Visier genommen. Darunter so große und namhafte Häuser wie Credit Suisse und Julius Bär, außerdem zwei Kantonalbanken, also Institute in staatlichem Besitz.

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Ähnlich wie zuvor gegenüber Deutschland beklagen Schweizer Banker die "Machtpolitik" der großen USA gegenüber der kleinen Schweiz. Die Schweiz muss sich hierbei aber den legendären Satz von Michael Gorbatschow entgegenhalten lassen: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Sie hat zu spät erkannt, dass sie ihr nationales Geschäftsmodell nicht einfach so weiter betreiben kann wie bisher.

Weltweit ist das Bankgeheimnis in Steuerfragen auf dem Rückzug. Eben erst haben Deutschland und die USA den Austausch von Bankdaten in Steuerfragen beschlossen. Und selbst das kleine Fürstentum Liechtenstein bewegt sich schneller als die Schweiz und hat zum Beispiel mit Großbritannien ein Steuerabkommen abgeschlossen, das die Liechtensteiner Banken dazu verpflichtet, von ihren Kunden Steuerbelege für die verwalteten Vermögen einzufordern.

Die Schweiz hat es versäumt, sich hier an die Spitze der Bewegung zu setzen. Sie bewegt sich beim Bankgeheimnis immer nur in letzter Minute wie jetzt im Streit mit den USA. Eine Strategie dahinter ist dabei nicht zu erkennen. Das Schweizer Bankgeheimnis gegenüber ausländischen Steuerbehörden war eines der zentralen Vermarktungsinstrumente für den Schweizer Bankenplatz. Wegelin zeigt: Der Standortvorteil kann zur tödlichen Gefahr werden.

Kommentare (2)

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Mazi

16.02.2012, 09:31 Uhr

Es geht nicht nur um die USA, es geht auch um die Interessen von EU und Griechenland. Haben nicht die Rettungsmilliarden der EU dazu geführt nochmals in großem Stil Geldvermögen von Griechenland in die Schweiz zu bringen?

Wieviel davon ausbaden Rettungsmilliarden stammen, ist noch nicht bekannt geworden. Eines dürfte jedoch mit hoher Wagrscheinlichkeit anzunehmen sein, dass die Schweiz die Herkunft der griechischen Einlagen nicht geprüft hat. deshalb sollten diese Milliarden der EU unter Verwaltung gestellt werden. Die ehrlichen Geldgeber könnten dann bei der EU die Herausgabe ihres Geldes beantragen/verlangen.

Ein ähnlicher Weg wäre auch für die USA ein machbarer Weg.

Resistence

16.02.2012, 09:39 Uhr

@ leser2003

Es ist völlig richtig, wie Sie schreiben, dass die USA die nationalen Souveränitäten in der Welt nicht achten und egoistisch eigene Ziele verfolgen. Bestes Beispiel dafür ist der stetige Truppentransport von US-Soldaten über deutsche Flughäfen. Das freie Deutschland darf nicht einmal deren Flugbewegungen aufzeichnen. Befehl aus Washington!

Tatsache ist aber auch, dass sich US und europäische Banken wie JP Morgan, Goldman Sachs, UBS, Crédit Suisse, Deutsche Bank, Societé Générale und viele andere sich sehr weit von den ihnen zugedachten Aufgaben als Finanzintermediäre entfernt haben. Ausgestattet mit Finanzmitteln in unglaublichen Höhen erpressen Sie ganze Staaten (inkl. Deutschland), um für ihre Missetaten im Zusammenhang mit der globalen Finanz- und Schuldenkrise noch mehr Geld herausschlagen zu können.

An diesem Beispiel sieht man ganz deutlich wie sehr den Politikern bereits das Kreuz gebrochen wurde, dass sie die Argumentation der Banken aufgreifen und allen Ernstes behaupten die Bankenbranche sei "systemisch" und damit zu wichtig, um nicht Milliardenschwer durch Steuergelder gestützt zu werden. Ist eine Welt ohne den Teil der maroden Banken vorstellbar. Würde es nicht zu einer gesunden Marktbereinigung kommen und würden nicht die übrig gebliebenen Banken den Platz der anderen mit übernehmen. Worte, die den eisernsten Verfechtern einer reinen Marktwirtschaft nicht gefallen würden, wenn sie selbst davon betroffen wären (Commerzbank ...).

Daher das große Geschreie nach dem billigen Geld und staatlicher Unterstützung.

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