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13.01.2011

06:00 Uhr

Bankautomaten

Kunden zweiter Klasse

VonJens Hagen

Wer an fremden Bankautomaten an sein Geld kommen wollte, musste in der Vergangenheit ordentlich bezahlen. Neue Regeln sollten dem jetzt ein Ende bereiten. Bei vielen Banken werden Fremdkunden aber auch in Zukunft ihr blaues Wunder erleben.

Bei fremden Banken gilt nach wie vor Vorsicht. Quelle: dpa

Bei fremden Banken gilt nach wie vor Vorsicht.

DÜSSELDORF . Am Geldautomaten trennt sich bei den Banken ab nächster Woche die Spreu vom Weizen. Wer bei einem fremden Institut Geld zieht, erwartet demnächst ein Zwei-Klassen-System. Sparkassen und Volksbanken kassieren Fremdkunden weiterhin ab. Bei diesen Instituten werden laut einer Studie Sätze von 3,50 bis fünf Euro fällig.

Besser werden Kunden bei den Privatbanken behandelt. Institute, die Mitglied im Bundesverband deutscher Banken sind, nutzen die Verbandsvorgabe aus und verlangen den intern möglichen Satz von 1,95 Euro. Auch PSD Banken und Sparda-Banken haben sich auf diese Gebührenhöhe geeinigt.

Diese Daten sind das Ergebnis einer bisher unveröffentlichten Umfrage der FMH-Finanzberatung unter knapp 70 Banken und Sparkassen. Die Spanne liegt zwischen 1,95 Euro, die etwa die Deutsche Bank oder Postbank verlangt und 4,80 Euro, die von der MBS Potsdam fällig werden. "Wenn man bedenkt, dass die tatsächlichen Kosten für die Abhebung weit unter einem Euro liegen, verdienen auch die Privatbanken weiter sehr gut daran", sagt FMH-Inhaber Max Herbst. Im Schnitt wird das Geldabheben billiger, vor der Änderung lagen die Sätze noch im Mittel bei 5,64 Euro.

Von der neuen Transparenz dürften viele Kunden kaum profitieren

Ab dem 15. Januar müssen die Banken an ihren Automaten anzeigen, was ein Fremdkunde für die Versorgung mit Bargeld zahlen muss. Hebt ein Fremdkunde Geld ab, werden ihm diese Kosten direkt in Rechnung gestellt. Bei einem Sparkassenkunden, der bei einem Automaten der Deutschen Bank hundert Euro zieht, werden 101,95 Euro von seinem Girokonto abgebucht.

Bisher verrechneten die Institute untereinander und einige traktierten sich mit Sätzen von bis zu 20 Euro. Als die Geschäftspraxis durch eine FMH-Studie und die Berichterstattung des Handelsblattes im März vergangenen Jahres bekannt wurde, änderten die Banken auch auf Druck der Politik diese Praxis. Das Kartellamt hatte geplante generelle Gebühren von fünf Euro im vergangenen Juli als "nicht hinnehmbar" bezeichnet. "Die Konditionen sollen sich am Markt bilden", sagt eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Die neue Systematik sorge für Transparenz und Wettbewerb.

Verbraucherschützer sehen in der neuen Regelung keinen Durchbruch. Volksbanken und Sparkassen besitzen in ländlichen Regionen häufig ein Geldautomaten-Monopol. "Der Ausweis der Gebühren bringt keine brauchbare Transparenzverbesserung", sagt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Kunden erführen erst am Automaten, was verlangt wird. "In der Praxis haben Kunden bei unverschämt hohen Entgelten häufig keine Möglichkeit, zu einem anderen Automaten zu wechseln."

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