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10.05.2016

09:12 Uhr

Banken auf Sparkurs

Warum immer mehr Bankfilialen schließen

VonElisabeth Atzler

Viele Kunden gehen kaum noch zur Bank, sondern erledigen ihre Bankgeschäfte per Computer oder Smartphone. Immer mehr Kreditinstitute schließen deshalb Standorte. Eine Bank ist dabei Trendsetter.

Viele Sparkassen und Volksbanken haben dieses Jahr angekündigt, dass sie Filialen schließen wollen. Auch die Deutsche Bank will ihr Filialnetz ausdünnen. Die Hypo-Vereinsbank hat das schon getan. dpa

Sparkassen-Filiale

Viele Sparkassen und Volksbanken haben dieses Jahr angekündigt, dass sie Filialen schließen wollen. Auch die Deutsche Bank will ihr Filialnetz ausdünnen. Die Hypo-Vereinsbank hat das schon getan.

FrankfurtLange Zeit hatten Bankfilialen mit Bäckern eines gemeinsam, es gab sie an fast jeder Ecke. Doch allmählich werden Deutschlands Bankfilialen rar: Allein seit Anfang dieses Jahres haben Sparkassen und Genossenschaftsbanken rund 360 Filialschließungen angekündigt. Das zeigt eine Erhebung des Handelsblatts, die auf Angaben der Geldhäuser sowie Berichten lokaler Medien beruht.

Beispiele sind quer durch Deutschland zu finden. So gibt die Sparkasse Trier 21 personenbesetzte Filialen auf. Die Sparkasse Passau will zwölf Filialen schließen, bei der Sparkasse Dortmund geht es um 16 Filialen und bei der Berliner Sparkasse um etwa zehn. Auch die Sparkassen in Dillenburg und Gießen dünnen ihr Filialnetz aus, ebenso die Erzgebirgssparkasse und die Sparkasse Regensburg.

Bei den Genossenschaftsbanken haben unter anderem die Volksbank Mitte aus Duderstadt (Niedersachsen) und die Volksbank Eifeltor angekündigt, dass sie die Zahl der Filialen zusammenstreichen werden. Vor allem bei Volks- und Raiffeisenbanken werden häufig so genannte Kleinstfilialen geschlossen, die nur an wenigen Tagen pro Woche und dann nur einige Stunden geöffnet haben.

Filialsterben der Banken (2010 bis 2015)

Sparkassen

Zahl der Filialen (Ende 2010): 13.025

Zahl der Filialen (Ende 2013): 12.323

Zahl der Filialen (Ende 2015): 11.459

Veränderung 2015 vs. 2010: -12 Prozent

Quelle: Bundesbank

Volksbanken/Raiffeisenbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 11.830

Zahl der Filialen (Ende 2013): 11.335

Zahl der Filialen (Ende 2015): 10.630

Veränderung 2015 vs. 2010: -10,1 Prozent

Großbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 8.132

Zahl der Filialen (Ende 2013): 7.610

Zahl der Filialen (Ende 2015): 7.240

Veränderung 2015 vs. 2010: -11 Prozent

Regional- und Kreditbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 2.604

Zahl der Filialen (Ende 2013): 2.424

Zahl der Filialen (Ende 2015): 2.340

Veränderung 2015 vs. 2010: -10 Prozent

Konkret haben Sparkassen dieses Jahr rund 290 Filialschließungen avisiert. Bei den Genossenschaftsbanken sind es mehr als 70. Die Zahlen weisen daraufhin, dass sich das Filialsterben beschleunigt. Im Jahr 2015 kündigten Sparkassen und Genossenschaftsbanken nach einer Handelsblatt-Analyse rund 750 Filialschließungen an – die vielfach erst noch umgesetzt werden. Auch jüngste Bundesbank-Daten signalisieren, dass im vergangenen Jahr mehr Filialen als zuvor geschlossen wurden. Und Beobachter rechnen jetzt erst recht mit mehr Tempo: Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing, erwartet, dass bis zum 2025 rund gut 40 Prozent der zuletzt 34.000 Bankfilialen wegfallen.

Bernd Nolte, Bankenprofessor und Chef der Beratungsfirma 4P Consulting, geht von noch mehr Veränderungen aus: „Wir haben in unserer Datenbank etwa 15.000 Filialen. Die Hälfte davon steht zur Debatte und könnte in den kommenden drei bis fünf Jahren geschlossen werden. 20 Prozent wiederum müssen dringend modernisiert werden.“ Er sieht eine große Herausforderung: „Das müssen die Kreditinstitute in einer Zeit mit niedrigsten Erträgen stemmen – was eine große Herausforderung wird.“

Kommentare (11)

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09.05.2016, 09:56 Uhr

Die Erkenntnis, dass Deutschland Overbanked und die Marge im Retailgeschäft sowieso extrem schwach ist, greift bei manchen ziemlich spät.

Herr Michael Müller

09.05.2016, 10:20 Uhr

Jetzt noch die Gehälter, Boni und Pensionen anpassen, dann sind auch die Banken in der Realität angekommen. Vielleicht passiert dies auch mal bei den Politikern und den Beamten....

Herr Aru Bu

09.05.2016, 11:17 Uhr

Was soll bitte an Bankgeschäften kompliziert sein? A will Geld und B gibt es ihm, nicht mehr nicht weniger. Irgend welchen Scheiß kaufen oder verkaufen der an gewisse Bedingungen geknüpft ist, kann im Prinzip auch jeder.

Ich bin bei Deutschlands größter Direktbank Kunde. Zahle weder was für Kontoführung, noch fürs Geldabheben. Des Weiteren kaufe ich meine Wertpapiere auch online. Sollte ich einen Kredit brauchen, genügt ein 5 Minuten anruf - meine Daten haben die ja eh.

Sparkassen-Kunden sind auch nur noch aus Bequemlichkeit bei den Sparkassen Kunden. Warum man 5 Euro für das Abheben eines 5 Euro-Scheins bezahlen muss, erschließt sich mir nicht.

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