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12.01.2009

08:12 Uhr

Banken

Coba: Wo ist all das Geld geblieben?

VonNicole Bastian, Yasmin Osman

Der Einstieg des Staates bei der Commerzbank sorgt weiter für viele Fragen. Eine der wichtigsten ist: Warum braucht die Commerzbankso viel Geld? Wo haben die beiden Geldhäuser all die Milliarden verloren? Die Commerzbank gibt sich kleinlaut.

Die Commerzbank muss sich fragen lassen, wo sie so viel Geld verloren hat. Foto: ap Quelle: ap

Die Commerzbank muss sich fragen lassen, wo sie so viel Geld verloren hat. Foto: ap

FRANKFURT. Commerzbank und Dresdner Bank dürften im vierten Quartal zusammen rund sieben Mrd. Euro an Verlusten eingefahren haben. Darauf deuten die Angaben der Commerzbank zu ihrer künftigen Kernkapitalquote von rund zehn Prozent hin. Beobachter gehen davon aus, dass vor allem Wertberichtigungen auf die Wertpapierbestände beider Institute sowie Problemkredite dazu beigetragen haben.

Wie groß die Verluste ungefähr sind, haben unter anderen die Analysten von Sal. Oppenheim grob überschlagen. Sie vergleichen die Eigenkapitalausstattung beider Häuser zum Ende des dritten Quartals mit der Kernkapitalsituation nach der zweiten Rettungsaktion. Danach hätte das Kernkapital vor der Staatsaktion eigentlich bei 20,5 Mrd. Euro liegen müssen.

Rechnet man nun die Staatshilfen von insgesamt 18,2 Mrd. Euro hinzu sowie eine Kapitalinjektion der Allianz für die Dresdner Bank von 1,45 Mrd. Euro, käme der fusionierte Konzern auf über 40,1 Mrd. Euro Kernkapital und eine Quote von 12,3 Prozent. Tatsächlich aber spricht Commerzbank-Chef Martin Blessing von einer Quote von rund zehn Prozent. Die Differenz entspricht einem Betrag von 7,5 Mrd. Euro.

Blessing selbst sagt, die Höhe des Eigenkapitals des neuen Instituts liege im hohen 20er, wenn nicht im 30er Mrd. Euro Bereich. Genau stehe dies noch nicht fest. Indirekt gibt er einen Hinweis: Die Eigenkapitalquote (Tier 1) betrage zehn Prozent. Dadurch habe die Commerzbank einen Puffer von zwei Prozentpunkten zur wichtigen Marke von acht Prozent. Die zwei Prozentpunkte entsprächen rund sieben Mrd. Euro.

Was genau das Eigenkapital so hat schmelzen lassen, will Blessing noch nicht preisgeben. Er habe „auch gerade, aber nicht nur wegen der Dresdner Bank über eine Eigenkapital-Erhöhung nachgedacht“, sagte Blessing und verwies auf die Vorlage der Quartalszahlen. In Frankfurt machen Gerüchte die Runde, auf die Dresdner könnten Verluste von bis zu fünf Mrd. Euro zukommen.

Ein zentrales Problem dürfte die sinkende Kreditwürdigkeit vieler Wertpapiere und Kredite beider Institute sein. Das führt nicht nur zu einer höheren Risikovorsorge, die den Gewinn schmälert, es erhöht auch den Bedarf an Eigenkapital. Nach den Bilanzierungsrichtlinien von Basel II müssen Banken umso mehr Kapital aufwenden, je mehr ein Kredit gefährdet ist. Auf diese Entwicklung weist auch Blessing hin.

Analysten schätzen, dass die risikogewichteten Aktiva im vierten Quartal bei der kombinierten Commerz- und Dresdner Bank um bis zu 20 Prozent gestiegen seien. Zum einen senkten die Ratingagenturen im vierten Quartal die Bonitätsnoten für viele strukturierte Wertpapiere. Zum anderen tauchten im vierten Quartal die ersten Probleme bei Firmen- und Immobilienkrediten auf.

Die Commerzbank gehört zum Beispiel zu den führenden Gläubigern der Merckle-Gruppe – angeblich mit unter einer Mrd. Euro, auch die Dresdner Bank soll mit mehreren 100 Mio. Euro engagiert sein. Als Sorgenkind gilt auch die Staatsfinanzierung, da die 2008 von der Commerzbank voll übernommene Essenhyp sehr riskant agiert hatte. Vor einem Jahr rechnete die Commerzbank für 2008 mit Belastungen durch die Essenhyp von 150 Mio. Euro. Angesichts der Wertverluste vieler südeuropäischer Staatsanleihen im vierten Quartal dürften die Verluste höher liegen.

Die Immobilien-Tochter Eurohypo wiederum hat massiv Gewerbeimmobilienkredite in Spanien, Großbritannien und den USA vergeben. Zudem ist unklar, wie hoch ihre Kredite an den österreichischen Immobilienfinanzierer Immofinanz sind, der eine Umschuldung benötigt. In einem Analystenbericht ist von 150 Mio. Euro die Rede.

Hinzu kommen Probleme im Investmentbanking der Dresdner Bank mit strukturierten Wertpapieren und Übernahmekrediten, die weiter an Wert verloren haben dürften. Da das vierte Quartal ohnehin tiefrote Zahlen aufweist, erwarten Beobachter, dass die Banken nun möglichst viele Kosten miteinberechnen – inklusive Restrukturierungskosten wie Abfindungen für den Personalabbau.

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