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10.01.2012

21:52 Uhr

Banken

Das Ende des schnellen Geldes

VonRolf Benders, Robert Landgraf, Michael Maisch, Christian Panster

Wegen der Schuldenkrise in Europa schrumpfen weltweit die Gehälter der Investmentbanker. In einzelnen Konzernen dürften die Boni sogar bis zu 70 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr.

Die Türme der Banken sind kopfüber in einer Glaskugel zu sehen. dpa

Die Türme der Banken sind kopfüber in einer Glaskugel zu sehen.

Erst wenige Tage ist das neue Jahr alt, und doch steht fest: Es wird kein gutes werden für die erfolgsverwöhnten Investmentbanker. Nicht an der New Yorker Wall Street, auch nicht in den europäischen Bankenmetropolen London, Frankfurt oder Zürich. Tausende Arbeitsplätze werden gestrichen. Und die, die bleiben dürfen, bekommen deutlich weniger Geld. Bei der Deutschen Bank beispielsweise könnten die Boni für das abgelaufene Jahr um 50 Prozent sinken, sagte ein hochrangiger Manager dem Handelsblatt. Die Gesamtvergütung dürfte um die 30 bis 40 Prozent unter dem Wert des Vorjahres liegen. Noch seien die Diskussionen aber nicht abgeschlossen.

Auch in der Schweiz, in Zürich, wird gestrichen und gekürzt, wo es nur geht. Auch dort laufen derzeit die Verhandlungen, was die Boni für das abgelaufene Jahr betrifft. Aus Finanzkreisen hieß es gestern, dass die Gratifikationen bei der UBS, der größten Schweizer Bank, vermutlich um rund die Hälfte gekürzt werden. Die durchschnittliche Gesamtvergütung für 2011 läge damit im Schnitt rund 40 Prozent unter der des Jahres 2010. Noch deutlicher könnten die Abschläge in Einzelfällen bei der Credit Suisse ausfallen. Spekulationen zufolge würden die Boni dort um bis zu 70 Prozent sinken.

Es sieht so aus, als sei die Zeit des schnellen Geldes endgültig vorbei, sagte ein Frankfurter Banker. Die Schuldenkrise in Europa hat den Investmentprofis die Geschäfte vermiest. Die Kurse für Anleihen aus Südeuropa waren abgesackt und mit ihnen die Gewinne der Banken. Besonders schlecht lief es daher zuletzt in den Abteilungen Bondhandel. Aber auch sonst sieht die Welt der Investmentbanker derzeit trübe aus. Denn an den Aktienmärkten war zuletzt ebenso wenig zu holen. In Krisenzeiten gibt es nur wenige Börsengänge zu betreuen, kaum große Übernahmen einzufädeln.

Am Montag hatte bereits das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, dass die Boni bei den Wall-Street-Bankern deutlich sinken würden. Die Investment-Experten bei Morgan Stanley etwa bekämen rund 30 bis 40 Prozent weniger. Bei Goldman Sachs würden die Boni für Top-Investmentbanker sogar halbiert; im Bereich Anleihehandel seien sogar Abschläge von rund 60 Prozent möglich, hieß es. Aber auch die Gehälter der Angestellten in den unteren Ebenen dürften zuletzt deutlich gesunken sein, im Schnitt um rund elf Prozent auf 385000 Dollar. Der Abschlag könnte sogar noch größer ausfallen, sollte sich Goldman-Chef Lloyd Blankfein entschließen, im vierten Quartal weniger für Gehälter zurückzustellen als in den neun Monaten zuvor. Beim Finanzkonzern von der Wall Street wollte sich gestern niemand zu den Gehältern und Boni äußern.

"2011 wird wahrscheinlich das schlechteste Jahr im Hinblick auf das Einnahmewachstum für Banken seit 1938 sein. Bislang fühlt es sich für 2012 kaum besser an", sagte Mike Mayo, Starbankenanalyst bei CLSA. Die Branche sei einfach in den vergangenen Jahrzehnten zu schnell gewachsen. Nun müsse sie Größe und Ausgaben an die sinkenden Einnahmen anpassen.

Kommentare (10)

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fritz456

10.01.2012, 22:18 Uhr

An die Durchschnittsgehälter der unteren Ebenen hat sich von hinten eine Null angeschlichen. 385000 sind unglaublich viel!

www.steuerembargo.co.de

10.01.2012, 22:32 Uhr

Die HARTZ IV Empfänger werden sicher für die armen Bänker sammeln!
Klar doch, 380.000 p.a. reichen wirklich nicht zum Leben und sind ein wenig zuviel zum Sterben, in der Tat!
Nun wird es für die Politiker immer uninteressanter nach solchen Jobs zu schielen!

www.steuerembargo.co.de

10.01.2012, 22:35 Uhr

Nein, da hat sich keine Null eingeschlichen! 385.000 das ist der Durchschnitt, also auch Pförtner, Fahrer etc. eingerechnet. Also ein normaler Banker hat sicher mindestens 50% mehr und liegt bei nahezu 600.000 p.a.

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