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25.01.2016

14:46 Uhr

Banken

Deutsche Bank kürzt Boni

Während sich Angestellte von Deutschlands größtem Geldhaus wohl auf harte Einschnitte einstellen müssen, rechnen Banker in London mit üppigen Bonuszahlungen. Wie passt das mit den Problemen vieler Geldhäuser zusammen?

Die Angestellten der Deutschen Bank bekommen deutlich weniger Boni ausgezahlt. dpa

Kasse machen andere

Die Angestellten der Deutschen Bank bekommen deutlich weniger Boni ausgezahlt.

Frankfurt/LondonDer neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan macht ernst mit den angedrohten Bonuskürzungen. In einigen Abteilungen werde der Prämientopf für 2015 um bis 30 Prozent kleiner ausfallen als im Vorjahr, sagten drei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Manager seien mit einer entsprechenden Vorwarnung im Dezember in die Leistungsgespräche mit ihren Mitarbeitern geschickt worden, betonte einer der Insider. „Für die Mitarbeiter ist das sicherlich eines der schlechtesten Jahre.“

Endgültige Klarheit darüber, wie hoch der individuelle Bonus ausfalle, bekämen die Mitarbeiter dann Anfang März. Bis dahin könne der jeweilige Topf für die Sparte auch noch weiter nach unten angepasst werden, sagte ein anderer Insider. Konzernweit lägen die Einschnitte im Durchschnitt wohl aber unter 30 Prozent. Die Deutsche Bank wollte sich am Montag nicht zu den Informationen äußern.

Cryan hatte im Juli die Nachfolge des glücklosen Anshu Jain angetreten, er soll die renditeschwache und von unzähligen Skandalen belastete Deutsche Bank wieder in die Spur bringen. Die Aufräumarbeiten und die anhaltend hohen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten führen erst einmal zu einer tiefroten Bilanz: 2015 steht ein Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro zu Buche, wie das Institut in der vergangenen Woche mitteilte. Bremsspuren gibt es inzwischen auch im Tagesgeschäft, insbesondere im Investmentbanking, wo traditionell die höchsten Boni gezahlt werden. Damit dürfte der Druck noch einmal gestiegen sein, auch bei den Mitarbeitern den Rotstift anzusetzen. Details zum Geschäft werden bei der Jahrespressekonferenz an diesem Donnerstag erwartet.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Dass Bonuskürzungen kommen, hatte Cryan bereits angekündigt – schließlich fällt für zwei Jahre auch die Dividende aus. Erst im November kritisierte der Brite, nach seiner Einschätzung verdienten Banker im Allgemeinen immer noch zu viel. Er selbst würde für einen Bonus nicht mehr arbeiten als ohnehin schon. Nun verdichten sich beim Branchenprimus die Anzeichen, dass die Zügel deutlich angezogen werden. „Betroffen sind alle außertariflichen Mitarbeiter und ein Großteil der Beschäftigten mit Tarifvertrag, die keine Sonderregelungen ausgehandelt haben“, sagte ein anderer Insider.

Für die Bank falle die Entscheidung durchaus in eine kritische Zeit: Denn im Investmentbanking und Teilen der Vermögensverwaltung – beide Bereiche werden gerade umgebaut – gebe es inzwischen etliche Talente, die mit einem Weggang liebäugelten. Hier seien teilweise sogar „Halteprämien“ im Gespräch. Auch dazu wollte sich die Bank nicht äußern.

Ab diesem Jahr soll die Vergütung für die außertariflichen Mitarbeiter ohnehin umgestellt werden. Das kündigte Cryan vor wenigen Tagen in einem Brief an die Belegschaft an. Vergütung und Leistung sollen nach seinen Worten „besser in Einklang“ gebracht werden. Ohne das Gesamtvergütungsniveau zu ändern, soll demnach das Fixgehalt für „einige“ dieser Mitarbeiter eine größere Gewichtung bekommen. Der variable Teil besteht dann aus zwei Komponenten: Eine bezieht sich auf die Konzernergebnisse der Bank, die zweite berücksichtigt die Leistungen der Sparte und des einzelnen Mitarbeiters. „Eine nachhaltige Balance zwischen Mitarbeiter- und Aktionärsinteressen ist wesentlicher Bestandteil der Strategie 2020“, betonte Cryan.

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