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22.02.2013

15:10 Uhr

Banken-Gehälter

Adieu, schöne Bonuswelt?

VonSebastian Ertinger

80 Millionen Euro für einen einzigen Händler: Exzessive Banker-Entlohnungen stehen in der Kritik. Politik und Aufseher ringen um neue Regeln. Vielversprechende Ansätze gibt es bereits. Ein Grundproblem bleibt aber.

Finanzdistrikt Canary Wharf in London: Die Zeit der ungezügelten Boni scheint vorbei. dapd

Finanzdistrikt Canary Wharf in London: Die Zeit der ungezügelten Boni scheint vorbei.

DüsseldorfDas Klischee des raffgierigen Investmentbanker ist spätestens seit der Lehman-Pleite 2008 in den Köpfen der Menschen verankert – und erlosch nie gänzlich. Der weit verbreitete Vorwurf: Die Geldbarone spekulieren wild, streichen hohe Boni ein und zocken dabei Kunden, den Staat und die Gesellschaft ab. Während in den Straßen die im Zuge der Finanzkrise entlassenen Menschen protestieren, feiern Banker in Glastürmen mit Champagner, Kaviar und Krabben, so die Vorstellung vieler. Und das Klischee ist vielleicht gar nicht so falsch: In den vergangenen Jahren verwöhnten einige Geldinstitute ihre Mitarbeiter mit Milliardenboni.

Doch die Situation ändert sich langsam. Politik und Aufseher verhandeln über eine Deckelung der viel kritisierten Bonuszahlungen. Noch haben sich die EU-Staaten nicht geeinigt. Aber die Regeln zur Begrenzung der Ausschüttungen nehmen Formen an. Auch die Geldhäuser legen sich selbst eine neue Bescheidenheit auf. So knüpft jetzt etwa die Citigroup das Gehalt ihres neuen Chefs Michael Corbat an die Steigerung der Profitabilität und des Aktienkurses.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Anlässe für Kritik lieferte die Branche aber zuletzt wieder genug. So kam etwa ans Licht, dass die Deutsche Bank ihrem Skandalhändler Christian Bittar einen Bonus für 2008 in Höhe von 80 Millionen Euro genehmigt hatte. Im gleichen Zeitraum verdiente der damalige Chef Josef Ackermann 1,4 Millionen Euro. Noch nicht einmal im besten Jahr kassierte der Bankchef annährend soviel wie Bittar: Selbst dann betrug sein Gehalt höchstens 14 Millionen Euro.

Der mittlerweile entlassene Bittar zählte zu den Händlern, die mit verbotenen Absprachen den Referenzzinssatz Libor manipuliert haben sollen. Die Bank fordert nun offenbar die Hälfte des Bonus zurück. Der Leitzinssatz ist weltweit die Basis für Finanzprodukte im Wert von Hunderten Billionen Dollar.

Soviel Bonus Zahlen die größten US-Banken

Goldman Sachs

Die Banker von Goldman Sachs erhielten im Gesamtjahr 2012 pro Kopf 399.506 Dollar. Der Bonustopf wuchs im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Die Bank zählt 32.400 Angestellte.

Quelle: Bloomberg

JP Morgan

Die Großbank verteilte 11,3 Milliarden Dollar an 52.151 Mitarbeiter. Dafür ergibt sich für das Jahr 2012 Monate ein Bonus von 216.928 Dollar pro Kopf. Der Bonustopf ist um drei Prozent kleiner als im Vorjahr. JP Morgan betreibt neben dem Investment-Banking aber auch andere Bankgeschäfte.

Morgan Stanley

Die Investmentbank Morgan Stanley hat für das Jahr 2012 für die Bezahlung der Investmentbanker 6,65 Milliarden Dollar aufgewendet. Das sind 7,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie viele Mitarbeiter im Investment-Banking tätig sind, teilt die Bank nicht mit. Der Gehaltsaufwand der gesamten Bank belief sich 2012 insgesamt auf 15,6 Milliarden Dollar, das sind 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei insgesamt 55.358 – zehn Prozent weniger als Ende 2011.

Diese Exzesse riefen immer mehr kritische Stimmen auf den Plan. Sogar die sonst eher zurückhaltenden Aufseher sahen sich zu einer Stellungnahme genötigt. „Selbst wenn ein Investmentbanker noch so erfolgreich gearbeitet hat, sind solche Millionengehälter niemandem zu vermitteln“, kritisierte etwa Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger.

„Eine Begrenzung der Vergütung halte ich grundsätzlich für vernünftig“, sagt auch Jens Massmann, Partner und Finanzexperte bei der Unternehmensberatung Ernst & Young, zu Handelsblatt Online. Es habe sich herumgesprochen, dass insbesondere im Investment-Banking hohe Gehälter gezahlt würden. „Das entfacht natürlich in der Gesellschaft die Frage, ob dies auch in einem angemessenen Verhältnis zur Leistung steht.“

Kommentare (8)

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Pete

22.02.2013, 15:41 Uhr

Das Grundproblem sind die schlafenden, gehirngewaschenen Bürger.
Korrupte und verlogene Politiker und Bankster sind die Folge....

kfvk

22.02.2013, 16:01 Uhr

Wenn ich mir vorstelle jemand bekommt 10% vom durch ihn verursachten "Gewinn" z.B. die 80Mio. €, dann muss er vorher Geschäfte getätigt haben, bei denen 800 Mio. bei der Bank als Gewinn hängen bleiben. Wie schafft man das als Einzelner in einem Jahr, ohne die anderen Beteiligten nach allen Regeln der Kunst auszuplündern? Mit Banken, die solche Geschäfte betreiben, würde ich lieber keine machen, da ich immer den Verdacht hätte auch zu den Opfern zu gehören.
Die Aussicht auf unbegrenzte Einkommen führt doch in der Konsequenz auch von Hause aus ehrliche Menschen in Versuchung. Schon deshalb sollte so etwas verboten werden.

lewy

22.02.2013, 16:48 Uhr

Bei vielen Produkten am Finanzmarkt geht es letztendlich um das Modell, welches hinter der Berechnung eines faires Preises für ein Produkt steht. Hat nun ein Händler auf Basis seines Wissens ein besonders gutes Modell entwickelt, um den fairen Preis eines Produkts auch im hinteren Nachkommastellenbereich zu berechnen, so sind bei dem heutigen Transaktionsvolumen hohe Gewinne keine Unmöglichkeit. Da Händler ein eigenes "Händlerbuch" haben, sind diese Geschäfte perfekt nachzuvollziehen und somit eine prozentuale Beteilligung am Gewinn möglich. Das hat in erster Linie nichts mit dem Ausnehmen von Geschäftspartnern zu tun, sondern wird frei gehandelt.

Wenn Sie auf dem Wochenmarkt mit einem Händler feilschen, gehen Sie doch auch mit einer Preisvorstellung in die Verhandlung. Je nachdem, welchen Preis Sie und der Händler für den Wert des Produkts bestimmen, wird der Händler auch einen größeren oder kleineren Gewinn erzielen.

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