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18.05.2015

09:33 Uhr

Banken gehen Sicherheiten aus

Griechenland im Endspiel

Nur mit Notkrediten der Europäischen Zentralbank werden griechische Geschäftsbanken über Wasser gehalten. Doch selbst diese Unterstützung könnte in wenigen Wochen ihre Grenzen erreichen. Ein frisches Pfand könnte helfen.

Griechenland

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AthenGriechischen Banken gehen die Sicherheiten aus, die sie bei der Notenbank des Landes als Gegenleistung für Notkredite hinterlegen müssen. Die Krise könnte dazu beitragen, dass Ministerpräsident Alexis Tsipras nach wochenlangem Nervenkrieg mit den Gläubigern des Landes sich zu einem Kurswechsel gezwungen sieht.

Während aus dem griechischen Finanzsystem Mittel abfließen, nutzen die Banken die bei der Notenbank geparkten Pfänder, um Woche für Woche steigende Beträge an Notkrediten abzurufen. Im ungünstigsten Fall könnte dieser Weg schon in drei Wochen versperrt sein, sagen Ökonomen. Das würde die Banken in die Insolvenz treiben.

„Der Punkt, an dem die Sicherheiten erschöpft sind, ist wahrscheinlich nicht mehr fern“, schrieben die Analysten Malcolm Barr und David Mackie von der JPMorgan Chase Bank in einer Studie vom vergangenen Freitag. „Der Druck aus dem Cashflow der Zentralregierung, der Druck auf das Bankensystem und der politische Terminkalender - all das deutet auf Ende Mai, Anfang Juni.“

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

In Europa verlieren viele Entscheidungsträger die Geduld mit Tsipras, der erst am Donnerstag erklärte, er werde von keiner seiner zentralen Forderungen abweichen. Bei den Gesprächen mit Griechenland geht es darum, ob das Land mehr Geld erhalten soll. Die Europäische Zentralbank könnte allerdings für zusätzlichen Druck sorgen, sollte sie die Abschläge erhöhen, die griechische Banken nach dem Notfallliquiditätsprogramm (ELA) der EZB auf die hinterlegten Pfänder hinnehmen müssen.

Eine solche Maßnahme könnte als Nebeneffekt weitere Abflüsse von Bankeneinlagen zur Folge haben und Tsipras vor die Wahl stellen, sich entweder mit den Gläubigern zu einigen oder Kapitalverkehrskontrollen ins Auge zu fassen.

„Wir stehen in einem Endspiel“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch in einem am Samstag ausgestrahlten Interview mit einem luxemburgischen Rundfunksender. „Diese Situation ist nicht tragbar.“

Die griechischen Banken haben bislang unter dem ELA-Programm rund 80 Milliarden Euro aufgenommen. Sie haben genug Sicherheiten hinterlegt, um diese Summe - nach den derzeitigen von der EZB genehmigten Bedingungen - auf etwa 95 Milliarden Euro auszuweiten, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Wenn die Notenbank die Obergrenze für die Notkredite jede Woche um rund zwei Milliarden Euro erhöht, kämen die Banken bis Ende Juni über die Runden.

Kommentare (15)

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Herr Peter Delli

18.05.2015, 10:01 Uhr

Pfand Blödsinn, Deutschland wird zahlen.

Herr Peter Noack

18.05.2015, 10:23 Uhr

Warum kürzt man Löhne und Renten nicht?
Erst um 30 %
dann um 20%
nun noch um 10 Prozent und schon ist die Hälfte der löhne und Renten Vergangenheit.
Danach kommen nur noch 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 und 1 Prozent. Wenn Löhne und Renten um 75 Prozent gekürzt sind, fällt die letzte Kürzung um 1 Prozent gar nicht mehr auf.

Herr Paul Rimmele

18.05.2015, 10:50 Uhr

Die Gallionsfigur Gabriel will den Griechen ein weiteres Hilfspaket schenken.
Wann geht man endlich den finalen Schritt? Es gibt keine Rettung für Griechenland, wenn
niemand bezahlen will und ein strecken der Schulden auf den Sanktnimmerleinstag ist keine
Lösung.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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