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11.11.2015

13:49 Uhr

Banken-Geschäftsführer Michael Kemmer

Geldhäusern steht „freudlose Kostenquetscharie“ bevor

VonYasmin Osman

Europäische Bankenaufseher drängen die Kreditinstitute immer expliziter dazu, ihre Profitabilität zu steigern. Das ist leichter gesagt als getan. Das geht nur über Sparprogramme, meint der Bankenverband.

Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands erwartet Kostensenkungen in der Branche.

Michael Kemmer

Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands erwartet Kostensenkungen in der Branche.

FrankfurtDie Profitabilität der Banken war vor der Finanzkrise eigentlich kein Thema, mit der sich die Bankenaufseher beschäftigten. Das hat sich geändert. „Ich glaube, dass der Markt eine länger anhaltende Phase niedriger Verzinsung und niedriger Eigenkapitalrenditen, die unter den Kapitalkosten liegen, nicht auf Dauer akzeptiert“, warnte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret auf der Handelsblatt-Konferenz „Neue Entwicklungen in der Bankenaufsicht“ die Branche.

Man kann sich darüber wundern, dass sich Aufseher mittlerweile so hartnäckig mit dem Kerngeschäft der Finanzinstitute auseinandersetzen. Warum das so ist, erklärte Klaus Düllmann, Leiter der Risikoanalyse bei der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB): „Dass wir den Fokus jetzt stärker auf die Geschäftsmodelle und die Profitabilität der Banken legen, ist sicher eine Erkenntnis aus der Finanzkrise“, sagte er.

Denn, so Düllmann, Profitabilität sei nicht nur wichtig, damit Banken auch bei Kapitalerhöhungen genug Investoren fänden oder damit sie wichtige Zukunftsinvestitionen leisten könnten. Ein profitables Geschäftsmodell hindere Banken auch daran, aus Mangel an Erträgen geschäftspolitischen Unfug zu treiben. Zum Beispiel, indem sie riskante Kredite in außerbilanzielle Zweckgesellschaften auslagerten, oder indem sie überhaupt „Kreditersatzgeschäft“ zukaufen würden.

Doch eine Steigerung der Profitabilität ist leichter gesagt als getan. So sieht es jedenfalls der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Banken, Michael Kemmer. Nicht zuletzt die niedrigen Zinsen machen den europäischen Kreditinstituten das Geldverdienen schwer. Und die Nullzinsphase werde dauern. „In zwei Jahren wird das noch nicht vorbei sein“, so der Kopf des privaten Bankenverbands.

Er ist Bundesbank-Vorstand Dombret dankbar dafür, dass er immer wieder „den Finger in die Wunde legt“. „Ich bin davon überzeugt, dass noch zu wenig erkannt ist, was die Niedrigzinsphase dauerhaft mit der Profitabilität, insbesondere der retail-orientierten Banken machen wird. Das ist so ein langsames Hineingleiten“, sagt er. Als Retail-Banking bezeichnen Banken das Brot-und-Butter-Geschäft mit Privatkunden.

Sicher ist er sich aber bei der Frage, wie die Institute letztlich auf die Herausforderungen auf der Ertragsseite reagieren werden. „Neue Ertragschancen wird es nur sehr, sehr selektiv geben“, so Kemmer. Das Thema werde, nicht zuletzt wegen der Digitalisierung, eher unter Druck kommen. Daher werde sich das Kostenthema für die Banken noch verschärfen. „Meine Befürchtung ist, ohne schlechte Stimmung verbreiten zu wollen – es sind ja lauter Banker hier im Saal: Die nächsten Jahre werden eine eher freudlose Kostenquetscharie sein.“

Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (v.l.), Bundesbankvorstand Andreas Dombret, Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des BdB und Hermann Schulte-Mattler, Fachhochschule Dortmund.

Diskussion in Frankfurt

Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (v.l.), Bundesbankvorstand Andreas Dombret, Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des BdB und Hermann Schulte-Mattler, Fachhochschule Dortmund.

Lieb wäre es Kemmer allerdings auch, wenn die Aufsicht selbst ihr Scherflein für eine bessere Ertragslage beitragen würde. Sein Appell: Die Regulierer und Aufseher mögen doch den Kostendruck der Banken im Hinterkopf behalten, wenn sie über Vorschriften für die Finanzbranche nachdenken. Dabei dürfte er wohl nicht zuletzt an das gefürchtete zentrale Kreditregister der EZB gedacht haben, das in den nächsten Jahren eingeführt wird – und vor dessen Zusatzkosten sich die Branche schon jetzt fürchtet.

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