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26.10.2014

16:24 Uhr

Banken im Stresstest der EZB

Wo brennt’s denn?

VonLukas Bay

Jede fünfte Bank in Europa hat den Stresstest der EZB nicht bestanden. Besonders italienische und griechische Institute erweisen sich als nicht krisenfest. Nun brauchen sie neue Milliarden.

Die älteste Bank der Welt ist der große Verlierer im Stresstest der EZB. Reuters

Die älteste Bank der Welt ist der große Verlierer im Stresstest der EZB.

Frankfurt/DüsseldorfDie älteste Bank Europas sieht im Stresstest besonders alt aus. Die traditionsreiche Monte dei Paschi, im Jahr 1472 im italienischen Siena als Leihhaus für die Armen gegründet, ist einer der großen Verlierer der EZB-Prüfung. Nach den Unterlagen des Stresstests sind 2,14 Milliarden Euro nötig, um die drittgrößte Bank Italiens krisensicher zu machen – keine Bank in Europa braucht mehr.

Von den 130 Instituten, die von der EZB bei Stresstest unter die Lupe genommen wurden, sind ganze 25 durchgefallen. Insgesamt beziffert die EZB den europaweiten Kapitalbedarf auf 24,62 Milliarden Euro. Vor allem in Südeuropa sind viele Institute noch nicht sattelfest. 6000 Aufseher und Prüfer hatten die Bankenbilanzen streng unter die Lupe genommen. Die Kosten sollen im zweistelligen Millionenbereich liegen. Mit der Prüfung möchte die EZB das Vertrauen der Märkte in die europäischen Institute stärken. Das Ergebnis wurde von den Finanzmärkten mit Spannung erwartet – und dürfte besonders in Italien für einen turbulenten Börsenmontag sorgen.

Während sich die meisten nordeuropäischen Institute als robust erweisen, zeigen vor allem italienische Institute ihre Anfälligkeit bei Konjunkturproblemen. Von den 14 Banken aus Italien sind 9 durchgefallen, davon brauchen vier zusätzliches Kapital von insgesamt 3,31 Milliarden Euro. Neben Monte dei Paschi erweist sich vor allem Banca Carige als Sorgenkind und landet im Krisenszenario bei einer negativen Eigenkapitalquote von -2,4 Prozent.

Die wichtigsten Fragen zum Stresstest

Wer wurde geprüft?

Die EZB veröffentlicht am Sonntag die Prüfungsergebnisse von 130 Banken, darunter 127 aus der Eurozone sowie drei aus Litauen, das im Januar der Eurozone beitritt. Den größten Block stellen die insgesamt 25 deutschen Institute. Die geprüften Banken stehen für rund 82 Prozent aller Banken-Vermögenswerte der Eurozone. 

Warum hat die EZB die Banken geprüft?

Am 4. November übernimmt die Europäische Zentralbank (EZB) die direkte Aufsicht über die 120 wichtigsten und größten Banken der Eurozone, darunter 21 aus Deutschland. Sie will die Institute besenrein und ohne Altlasten übernehmen, daher der umfassende Gesundheitscheck. Ein weiterer Grund: Das Misstrauen der Investoren gegenüber den Banken und auch das Misstrauen der Banken untereinander sind groß. Die penible Überprüfung soll neues Vertrauen schaffen.  

Wie wurden die Banken geprüft?

Mehr als 6000 Wirtschaftsprüfer und Aufseher durchkämmten in Europa die Bücher der Banken, sie schauten sich mehr als 120 000 Kreditakten im Wert von 1,6 Billionen Euro an. Die einjährige Prüfung bestand aus drei Stufen: Zunächst prüfte die Notenbank, wo die Hauptrisiken bei den Banken liegen.  Für jede Bank wurden individuell die Portfolien herausgepickt, die für die Bank besonders kritisch werden könnten. Daran schloss sich eine strenge Bilanzprüfung an, die so genannte Asset Quality Review. Das ist ein Novum.  Erst auf dieser Basis setzt der eigentliche Stresstest auf, der von der Europäischen Bankenaufsicht EBA konzipiert wurde. Dazu wurden die Bilanzen auf dem Stand vom 31. Dezember 2013 eingefroren.  

Wie sah der Stresstests aus?

Zwei Szenarien wurden dabei abgeprüft: Im so genannten Baseline Szenario wurde geprüft, wie sich die Bankbilanzen entwickeln, wenn sich die Wirtschaft in den nächsten drei Jahren so entwickeln, wie das die EU vor einem Jahr prognostiziert hat. Dieses Konjunkturszenario ist nach heutigem Stand aber zu optimistisch. Im harten Szenario wurde geprüft, wie sich die Banken schlagen, wenn es einen mehrjährigen Konjunktureinbruch gibt, die Zinsen steigen, sich die Kreditwürdigkeit der Staaten verschlechtert und die Banken ihre Bilanzen nicht verbessern. Um zu bestehen, müssen die Banken im Basis-Szenario eine Kapitalquote von acht Prozent halten und im harten Szenario 5,5 Prozent.  

Was geschieht, wenn eine Bank Kapitallücken aufweist?

Die Banken müssen der EZB innerhalb von zwei Wochen einen Kapitalplan einreichen. Darin müssen sie plausibel darlegen, wie sie die Lücken schließen wollen. Entweder haben sie in den vergangenen Monaten vorgesorgt und ihre Kapitaldecke rechtzeitig und ausreichend gestärkt, etwa durch eine Kapitalerhöhung. Oder sie müssen das nun nachholen. Sie haben sechs Monate Zeit, um Lücken aus dem Basis-Szenario zu schließen, und neun Monate, wenn es Probleme beim harten Szenario gab.

Was geschieht, wenn eine Bank ihre Lücken nicht schließen kann?

Die Banken sollen in erster Linie ihre Lücken mit privatem Kapital schließen. Wenn das nicht gelingt, sind in letzter Instanz auch die Steuerzahler der Heimatländer gefragt. In dem Fall würden aber sicherlich zunächst die Eigentümer und die nachrangigen Gläubiger einer Bank zur Kasse gebeten. Und auch die betroffenen Banken müssten in dem Fall mit harten Auflagen rechnen. Die EZB kann auch die Abwicklung eines Instituts vorschlagen. 

In der Prüfung der EZB schmelzen besonders die Kapitalpolster der Italiener dahin, wie ein Speiseeis in der Sonne: Bei der Monte dei Paschi blieben von den Ende 2013 ausgewiesenen 10,7 Prozent harter Eigenkapitalquote nach der Bilanzprüfung, dem sogenannten Asset Quality Review(AQR), gerade einmal 7 Prozent übrig. Nach der Simulation mehrerer konjunkturschwacher Jahre erreicht das Institut aus Siena sogar ein negatives Eigenkapital.

Ab sofort bleiben der Bank zwei Wochen, um einen Kapitalplan vorzulegen, mit dem die Lücken im Eigenkapital in den nächsten neun Monaten geschlossen werden können. Geld, das die angeschlagene Bank an den Kapitalmärkten einsammeln muss. Für das Stopfen der Kapitallücken sind zunächst nicht die Steuerzahler der jeweiligen Länder zuständig. Die betroffenen Banken müssten in erster Linie selbst für dickere Puffer sorgen, stellte EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger am Sonntag in Frankfurt klar.

Das könne etwa durch Kapitalmaßnahmen oder den Verkauf von Beteiligungen oder Forderungen geschehen. „Wenn das nicht zum Erfolg führt, müssen wir darüber sprechen, was der Heimatstaat machen muss“, sagte Lautenschläger. Auch die Politik wird sich darum unangenehmen Fragen stellen müssen. Unter der Regierung Monti hatte Italien der drittgrößten Bank des Landes erst im Dezember 2012 bereits Kreditzusagen in Höhe von 4,1 Milliarden Euro gegeben. Wird das Geld nicht zurückgezahlt, kann die Bank verstaatlicht werden.

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