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19.08.2015

16:34 Uhr

Banken in Griechenland

Griechen lassen ihr Geld unter der Matratze

Aus Furcht vor dem Grexit hatten die Griechen im Juni so viel Bargeld wie möglich von den Konten geschafft. Das Geld liegt jetzt unter den Matratzen – und dort bleibt es auch. Den Banken mangelt es weiter an Liquidität.

Viele Griechen bewahren ihr Bargeld lieber zu Hause auf, als es zur Bank zu bringen. Imago

Geld unter der Matratze

Viele Griechen bewahren ihr Bargeld lieber zu Hause auf, als es zur Bank zu bringen.

DüsseldorfDie Griechen vertrauen ihren Banken offenbar noch nicht wieder. Gehortetes Geld werde nicht im großen Stil zurückgebracht, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Damit entspannt sich die Lage der Hellas-Institute Insidern zufolge durch die seit Ende Juni geltenden Beschränkungen im Kapitalverkehr nur leicht.

Die jüngste Entscheidung der Notenbank, den Rahmen der Notfallkredite etwas zurückzufahren, sei daher vor allem als symbolischer Schritt zu verstehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Insidern zufolge am Dienstag auf Wunsch der Athener Notenbank die Obergrenze für die Liquiditätshilfen auf 89,7 von zuletzt 91 Milliarden Euro herabgesetzt.

Mit den Kapitalverkehrskontrollen könne Geld nicht sofort wieder aus dem System heraus, erklärte ein Banker. Von dem Geld, das jetzt unter den Matratzen liege, komme aber noch nicht viel zurück. „Zuflüsse durch Unternehmen haben die Liquidität verbessert“, ergänzte ein zweiter Banker. Zumindest Firmen vertrauten den Instituten wieder Gelder an, die sie bisher in eigenen Tresorräumen oder bei Sicherheitsfirmen geparkt hätten.

So sieht das dritte Hilfspaket für Griechenland aus

Wieviel Geld bekommt Griechenland und was muss Athen leisten?

Insgesamt hat das Rettungspaket für Griechenland ein Volumen von 86 Milliarden Euro. Eine erste Auszahlung soll 26 Milliarden Euro schwer sein. Die Zeit drängt, schon am Donnerstag muss Athen fällige Schulden in Milliardenhöhe an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen. Aus eigenen Mitteln wäre dies für Griechenland kaum zu stemmen. Im Gegenzug zu der Finanzspritze verpflichtet sich das Land zu weitreichenden Reform- und Sparmaßnahmen. Unter anderem muss die Regierung den Staatshaushalt sanieren, das Finanzsystem von faulen Krediten bereinigen, Staatseigentum privatisieren, das Renteneintrittsalter erhöhen, die Verwaltung modernisieren und Steuerhinterziehung stärker bekämpfen.

Droht der „Grexit“ immer noch?

Die Gefahr scheint vorerst gebannt. Für EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker ist aufgrund des dritten Hilfspakets klar: „Griechenland wird unabänderlich Mitglied der Eurozone bleiben.“ Sogar Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schlägt inzwischen gemäßigtere Töne an. Schäuble hatte sich im vergangenen Jahr (2015) für einen vorübergehenden „Grexit“ ausgesprochen. Dafür hatte der Finanzminister viel Kritik geerntet. Auf die Frage, ob ein „Grexit“ durch das neue Hilfspaket vom Tisch sei, sagte er nun: „Griechenland muss die Wahl treffen.“ Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat den Austritt seines Landes aus dem Euro als finanziellen „Selbstmord“ bezeichnet. Insofern lassen sich Schäubles Worte als Warnung an Athen verstehen, die zugesagten Reformen auch wirklich umzusetzen.

Was kommt auf den deutschen Steuerzahler zu?

Das dritte Hilfsprogramm wird aus dem Rettungsschirm ESM finanziert. Der Finanzierungsanteil Deutschlands am ESM beträgt knapp 27 Prozent. Deutschland haftet demnach für das neue Hilfspaket mit rund 23,2 Milliarden Euro. Das bedeutet aber nicht, dass der deutsche Steuerzahler diese Summe tatsächlich zahlen muss. Dies würde nur für den Fall gelten, dass alle Gläubiger irgendwann auf sämtliche Forderungen aus dem ESM verzichten müssen. Bisher haftet Deutschland für Risiken aus den ersten beiden Griechenland-Paketen sowie für Forderungen aus dem europäischen Zentralbankensystem und aus Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einem Volumen von schätzungsweise 85 Milliarden Euro. Zusammen mit dem dritten Hilfspaket ergeben sich also gut 108 Milliarden Euro.

Kann Griechenland seine Schulden jemals zurückzahlen?

Die griechische Staatsverschuldung liegt derzeit bei gut 177 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und es könnte noch schlimmer kommen: Der IWF erwartet, dass sich der Schuldenberg innerhalb der nächsten zwei Jahre der 200-Prozent-Marke annähern wird. Dabei geht er davon aus, dass bereits bei einer Staatsverschuldung von 110 Prozent der Wirtschaftsleistung fraglich ist, ob Griechenland auf Dauer zahlungsfähig bleiben kann. Der IWF hat daher einen Schuldenschnitt für das Land gefordert. Die Bundesregierung hält davon aber nichts. Die Debatte um einen Schuldenschnitt sei inzwischen beendet, hieß es am Montag aus Berlin. Bei Schuldenerleichterungen gebe es allerdings Spielraum.

Schuldenschnitt oder Schuldenerleichterung?

Ein Schuldenschnitt bedeutet den vollständigen Erlass zumindest eines Teils der bestehenden Schulden. Diese werden dann von den Gläubigern komplett abgeschrieben und vom Schuldner nicht mehr zurückgezahlt. Nach den europäischen Verträgen ist ein solcher Schuldenschnitt aufgrund einer sogenannten „No-Bailout“-Klausel eigentlich ausgeschlossen. Im Unterschied zum Schuldenschnitt geht es bei Schuldenerleichterungen, wie sie die Bundesregierung in Erwägung zieht, um Verlängerungen der Rückzahlungsfristen und um Verringerungen der Zinsen. Niedrigere Zinsen wirken ähnlich wie ein Schuldenschnitt, weil sie die Forderungen der Gläubiger über die Zeit tatsächlich verringern. Verlängerungen der Kreditlaufzeiten dagegen verringern den Schuldenberg nicht, verschieben aber den Zahltag weiter nach hinten.

Die Regierung in Athen hatte Ende Juni Kapitalkontrollen eingeführt und die Banken für mehrere Wochen geschlossen. Griechen dürfen momentan nur maximal 420 Euro pro Woche von ihrem Konto abheben. Auslandsüberweisungen sind stark eingeschränkt. Zuvor hatten die Bürger aus Sorge, das Land könnte aus dem Euro ausscheiden, in Scharen ihre Konten leergeräumt. Das hatte die Lage der Institute verschlechtert, die wegen der schwachen Konjunktur im Land ohnehin unter Druck standen.

Hellas-Geldhäuser sind bereits seit Monaten auf Liquiditätshilfen ihrer Notenbank angewiesen. Über die Genehmigung entscheidet der EZB-Rat. Die zuletzt leicht gesenkte Obergrenze werten Experten als positives Signal. So haben die Geldhäuser laut einem Insider einen Liquiditätspuffer von rund fünf Milliarden Euro aufgebaut.

Damit die Geldhäuser wieder sattelfest werden, sind aber weitere Schritte nötig. EZB-Bankenaufseher bereiten gerade eine vertiefte Bilanzprüfung vor, um den Kapitalbedarf genau zu bestimmen. Die vier Branchengrößen – National Bank, Piraeus, Eurobank und Alpha – benötigen dringend weitere Finanzspritzen. Im neuen Hellas-Rettungspaket sind allein zur Rekapitalisierung und Abwicklung der Banken bis zu 25 Milliarden Euro vorgesehen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

19.08.2015, 17:21 Uhr

"Griechen lassen ihr Geld unter der Matratze "

Die Zahl derer, die Geld noch hätten, um dieses unter der Matratze zu stecken wird täglich kleiner. Das haben vaterlandslose Gesellen in Berlin ihnen angetan.

Herr wulff baer

20.08.2015, 09:30 Uhr

Das sollten wir Deutschen auch tun.
Denn wenn die gemeinsame Bankenhaftung und Einlagensicherung kommen, sind unsere Ersparnisse in höchster Gefahr.
Dank Angelina der Großen.

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