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07.08.2015

17:28 Uhr

Banken in Osteuropa

Die Erste glaubt fest an Ungarn

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Politik von Victor Órban zum Trotz: Die Erste Group, eine der führenden Banken in Osteuropa, glaubt fest an den ungarischen Finanzmarkt. Jetzt prüft sie die Übernahme des Privatkundengeschäfts der Citigroup.

Erste Group-Chef Andreas Treichl glaubt an den ungarischen Finanzmarkt. Reuters

Erste Group Bank Chef Treichel

Erste Group-Chef Andreas Treichl glaubt an den ungarischen Finanzmarkt.

WienUngarn ist für westeuropäische Banken ein heißes Pflaster. Der rechtspopulistische Regierungschef Viktor Orbán nimmt die Geldinstitute gern in den Schwitzkasten, wenn er politische und wirtschaftliche Vorteile daraus erzielen kann. Die Erste Group, einer der führenden Banken in Osteuropa, glaubt hingegen fest an den ungarischen Finanzmarkt.

Die Österreicher wollen das ungarische Privatkundengeschäft der Citigroup übernehmen. „Wir sind mit der Citigroup in guten Gesprächen“, bestätigte Vorstandschef Andreas Treichl, bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in Wien am Freitag. „Wir sind gerade dabei, die Due Diligence zu machen.“

Die Citigroup spielt im Land der Magyaren mit nicht einmal ein dutzend Filialen nur eine bescheidene Nebenrolle. Doch ein Kauf des ungarischen Geschäfts der Amerikaner wäre von großem symbolischem Wert für den von Skandalen erschütterten Finanzmarkt. Zuletzt hatte ein Broker-Skandal, für den nach Willen der ungarischen Regierung die ortansässigen Banken finanziell büßen sollen, das Vertrauen erschüttert.

Chronik: BayernLB gegen Hypo Alpe Adria

Klage und Gegenklage

Bereits Dezember 2012 kündigt die BayernLB eine Klage gegen ihre Ex-Tochter an. Knapp ein Jahr später beginnt der Prozess, der sich über 18 Monate hinzieht. Eine Chronik der Ereignisse.

Dezember 2012

Die österreichische Skandalbank Hypo Alpe Adria setzt Tilgung und Zinszahlungen an ihren ehemaligen Eigentümer BayernLB aus. Nach Einschätzung der Österreicher sind die Kredite zum größten Teil Eigenkapital. Die BayernLB kündigt eine Klage gegen ihre Ex-Tochter an.

November 2013

Der Prozess vor dem Landgericht München beginnt. Die BayernLB fordert von der Hypo Alpe die Rückzahlung der umstrittenen Kredite. Die Österreicher antworten darauf mit einer eigenen Klage gegen die deutsche Landesbank.

Juni 2014

Die österreichische Regierung beschließt, die Hypo-Alpe-Gläubiger an den Kosten für die Abwicklung zu beteiligen. Auch die BayernLB soll auf Basis eines „Hypo-Sondergesetzes“ auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Oktober 2014

Die BayernLB klagt beim österreichischen Verfassungsgericht gegen das Sondergesetz. Zwei Monate später legt die Landesbank nach und verklagt Österreich auf 2,4 Milliarden Euro. Österreich fordert umgekehrt von der BayernLB 3,5 Milliarden Euro.

März 2015

Die Bad Bank Heta, die die nicht lebensfähigen Teile der Hypo abwickeln soll, wird unter das Regime der österreichischen Finanzmarktaufsicht gestellt. Die verhängt ein Schuldenmoratorium. Anschließend droht den Gläubigern ein Schuldenschnitt.

April 2015

Weil die österreichischen Verfassungsrichter aus formalen Gründen alle Klagen gegen das Sondergesetz aus dem Jahr 2014 abweisen, verklagt die BayernLB nun die Kärntner Landesholding, die die Schulden der Hypo garantiert hat.

Mai 2015

Das Landgericht München verurteilt die Heta zur Zahlung von mehr als zwei Milliarden Euro an die BayernLB. Außerdem soll die Landesbank gut zwei Milliarden Euro behalten dürfen, die die Hypo bereits nach München überwiesen hatte. Die Heta kündigt sofort Berufung gegen den Richterspruch an.

Treichl machte keinen Hehl daraus, dass er von der ungarischen Regierung Orbán erwartet, dass sie nicht mit weiteren finanziellen Belastungen die Banken malträtiert. Der langjährige Vorstandschef der Ersten gab sich am Freitag ausgesprochen optimistisch. Als positives Beispiel führte der Vorstandschef an, dass die ungarische Regierung die Bankenabgabe abgeschafft habe. „Die Regierung hat Wort gehalten“, lobte Treichl den ungarischen Premier Orbán. Die Bankensteuer soll bis 2016 in dem EU-Land deutlich reduziert sein.

Mit dem mächtigen Mann Ungarns, Viktor Orbán, pflegt die Erste mittlerweile ein enges Verhältnis. Im Februar verkündete das Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen völlig überraschend den Einstieg des ungarischen Staates bei ihrer dortigen Landestochter. Orbán hatte damals versprochen, dass keine Gesetze verabschiedet werden, welche die Profitabilität des dortigen Bankensektors schmälern könnten.

Der ungarische Staat und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) werden jeweils 15 Prozent an der Ersten Bank Hungary Zrt. übernehmen. Wie hoch der Kaufpreis konkret ist, wollte Treichl am Freitag auf Nachfrage nicht sagen. Die Buchwert der ungarischen Tochter beläuft sich nach eigenen Angaben auf 600 Millionen Euro. Die Transaktion ist angesichts von zeitlichen Verzögerungen noch nicht unter Dach und Fach. Treichl betonte aber, alles laufe nach Plan.

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