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03.02.2016

15:08 Uhr

Banken

KfW deklassiert private Konkurrenz

Während die Deutsche Bank gerade einen Rekordverlust vermeldet musste, bilanziert die drittgrößte Bank Deutschlands satte Gewinne. Dafür zeichnet vor allem das florierende Geschäft mit Förderkrediten verantwortlich.

Die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ erlöst hohe Gewinne. dpa

Förderbank KfW

Die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ erlöst hohe Gewinne.

Frankfurt am MainDie staatliche Förderbank KfW stellt die private Konkurrenz abermals in den Schatten. 2015 dürfte der Konzerngewinn auf über zwei Milliarden Euro gestiegen sein, wie Vorstand Günther Bräunig am Mittwoch zum traditionellen Jahresauftakt in Frankfurt signalisierte. Er vertritt derzeit den erkrankten Bankchef Ulrich Schröder. Details zum Ergebnis wollte Bräunig zwar noch nicht verraten. Er betonte aber, die Frage sei zuletzt nur noch gewesen, ob man diese Marke reiße oder nicht: „Aus heutiger Sicht sieht es eher danach aus, dass wir die Zahl von oben sehen." Schon nach neun Monaten hatte der Gewinn mit 1,7 Milliarden Euro deutlich über dem Ergebnis des gesamten Vorjahres von 1,5 Milliarden gelegen.

Nach Bilanzsumme ist die KfW wegen ihres großvolumigen Fördergeschäfts die drittgrößte Bank in Deutschland hinter der Deutschen Bank und der Commerzbank. Beim Gewinn eilt sie ihnen davon. Die Deutsche Bank fuhr im vergangenen Jahr wegen diverser Sonderlasten einen Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro ein. Bei der Commerzbank könnte es Analysten zufolge gerade so ein Nettogewinn von einer Milliarde Euro geworden sein. Die Bilanz wird der scheidende Bankchef Martin Blessing kommende Woche präsentieren.

Die größten Banken Deutschlands

Platz 10

Helaba

Bilanzsumme: 151 Milliarden Euro

(Stand, wenn nicht anders angegeben: 31.12.2014)

Platz 9

Postbank

Bilanzsumme: 155 Milliarden Euro

Platz 8

NordLB

Bilanzsumme: 198 Milliarden Euro

Platz 7

BayernLB

Bilanzsumme: 232 Milliarden Euro

Platz 6

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Bilanzsumme: 266 Milliarden Euro

Platz 5

Hypovereinsbank

Bilanzsumme: 300 Milliarden Euro

Platz 4

KfW-Bankengruppe

Bilanzsumme: 489 Milliarden Euro

Platz 3

DZ- und WGZ-Bank

Bilanzsumme: rund 500 Milliarden Euro

Davon entfallen etwa 400 Milliarden auf die DZ-Bank und ungefähr 95 Milliarden auf die WGZ-Bank. Am 19. November 2015 wurde bekannt, dass die beiden Genossenschaftsbanken fusionieren werden.

Platz 2

Commerzbank

Bilanzsumme: 564 Milliarden Euro

Platz 1

Deutsche Bank

Bilanzsumme: 1.700 Milliarden Euro

Die KfW profitiert davon, dass sie sich mit dem Bund im Rücken besonders günstig am Kapitalmarkt refinanzieren kann – im aktuellen Niedrigzinsumfeld quasi umsonst. Dieses Geld reicht sie in Form zinsgünstiger Kredite an Privatkunden und Firmen aus. Insgesamt stieg das Fördervolumen 2015 um sieben Prozent auf 79,3 Milliarden Euro. Der Großteil davon entfällt weiterhin auf das Inlandsgeschäft, weil die Wirtschaft brummt.

Die positive Grundstimmung dürfte sich 2016 nicht wesentlich ändern, sagte Bräunig. „Wir gehen zuversichtlich in dieses Jahr.“ Er hofft aber – wieder einmal – dass die KfW ihr Fördervolumen leicht zurückschrauben kann.

Ob das gelingt, ist offen. Immer wieder musste die KfW in den vergangenen Jahren in die Bresche springen, wenn der Bund ein Problem zu lösen hatte, wie Kritiker intern klagen. Jüngstes Beispiel: die Flüchtlingskrise. Die KfW stellte insgesamt 1,5 Milliarden Euro als zinslose Darlehen zur Verfügung, um Länder und Kommunen bei der Errichtung von Erstunterkünften zu unterstützen. Damit entstehen nach offiziellen Angaben bis zu 150.000 Plätze. Gleich mehrmals stockte die Förderbank diesen Sondertopf auf, der ursprünglich mit einem Volumen von 300 Millionen Euro gestartet war – zuletzt im Januar. Und schon wieder ist der Rahmen ausgeschöpft, wie Bräunig erklärte. Das habe es in dieser Form noch nie gegeben. Eine weitere Ausweitung werde es aber definitiv nicht geben.

Stattdessen will die KfW ab dem Frühjahr in der Flüchtlingshilfe neue Wege gehen und für Nachhaltigkeit sorgen, wie das zuständige Vorstandsmitglied Ingrid Hengster ankündigte. Geplant sind demnach andere zinsgünstige Finanzierungen für Kommunen, um Flüchtlingsunterkünfte baulich so zu gestalten, dass Frauen und Kinder besser geschützt sind. Außerdem sollen bis zu zwei Milliarden Euro in den sozialen Wohnungsbau fließen. „Wir denken, dass wir mit dieser Größenordnung zu einer klaren Verbesserung der Situation beitragen können.“ Denn die Wohnungsnot gerade in den Großstädten verschärfe sich durch den Flüchtlingsstrom zusätzlich.

Von

rtr

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