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10.08.2015

11:37 Uhr

Banken-Konkurrenten

Hohe Gehälter bremsen Fintech-Unternehmen aus

Die Bankenmetropole Frankfurt scheint für Fintechs wie gemacht. Doch die Startups gehen lieber nach Berlin. Denn auf der Suche nach Fachkräften müssen sie in Frankfurt mit den ganz Großen konkurrieren. Und verlieren.

Ein offenes und kreatives Marktumfeld fehlt den jungen Fintech-Startups in Frankfurt. Dafür belasten sie die hohen Kosten. dpa

Teures Pflaster Frankfurt

Ein offenes und kreatives Marktumfeld fehlt den jungen Fintech-Startups in Frankfurt. Dafür belasten sie die hohen Kosten.

FrankfurtAls Frank Niehage, Vorstandschef des Online-Brokers FinTech Group, seinen Hauptsitz vom beschaulichen Kulmbach nach Frankfurt verlegte, hoffte er auf mehr Nähe zu seinen Kunden und auf mehr Spielraum bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften Doch Niehage wurde enttäuscht: Zwar herrschte in der Bankenmetropole sicherlich kein Mangel an Finanzfachwissen. Doch Kreativität und Offenheit – die Zutaten, die für das Gedeihen eines Startups unerlässlich sind – fand er dort nicht.

„Eine konservative Kultur, mangelnde IT-Kenntnisse und die Bankgehälter behindern die Fintech-Szene in Frankfurt”, sagte Niehage. „Im Augenblick setzt sich die digitale Revolution im Finanzsektor durch. Frankfurt muss mit der Zeit gehen, wenn es auch in der nächsten Generation des Bankwesens ein globales Finanzzentrum sein will.”

In der Bankenmetropole, wo auch Branchenriesen wie die Deutsche Bank und die Commerzbank ihren Sitz haben, gibt es gerade einmal elf Fintech-Firmen. Zum Vergleich: Berlin, nicht gerade die erste Adresse im Finanzsektor, liegt mit 49 Fintech-Firmen an der Spitze. Andreas Hackethal, Forschungsdirektor beim Frankfurter Institut E-Finance Lab, schätzt, dass Fintech-Firmen in Frankfurt weniger als 300 Leute beschäftigen.

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Was hindert die Fintechs also, in Frankfurt Fuß zu fassen? Martin Hellmich, Professor für Risikomanagement an der Frankfurt School of Finance and Management, sieht vor allem hohe Kosten und die entsprechend hohen Bankengehälter für die Fintech-Flaute verantwortlich. Die neugegründeten Firmen können einfach nicht so gut zahlen wie die Geldinstitute – stehen aber mit ihnen im Wettbewerb um die Fachkräfte. „Ich habe noch immer den Eindruck, dass wir eine zu hohe Bankendichte haben”, sagt Hellmich. Erst, wenn die Banken Personal abbauen, würden die Gehälter allmählich sinken.

Beim Faktor Gehalt könnte sich die Lage in der Tat entspannen, wenn die Branche schrumpft. Und das könnte tatsächlich in den kommenden Jahren passieren. Die Banken werden ihre Mitarbeiterzahl in Frankfurt bis Ende 2016 um etwa zwei Prozent auf knapp über 60.000 Angestellte senken, hieß es in einem Bericht der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale vom Dezember 2014.

„Frankfurt kann mit seinem hervorragenden digitalen, logistischen und Finanzzentrums-Profil aufwarten”, erklärte Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft bei der Stadt Frankfurt, im Juli in der Stadtverordnetenversammlung. „Die Wirtschaftsförderung führt derzeit Gespräche mit Vertretern der sich entwickelnden Fintech-Szene in Frankfurt”, um den Bedarf für geeignete Unterstützungsmaßnahmen zu identifizieren.

Kommentare (1)

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Herr Christoph Maichel

12.08.2015, 11:20 Uhr

FinTechs lieben Frankfurt! Wir auch! Besonders für Hohe Einkommen ist irgendwann Gehalt wirklich nicht mehr alles, deswegen ist Gründen besser als abhängig Beschäftigter in einer "Group" zu sein.
Wir haben keine Probleme, gute Leute zu finden. Denn die, die Du gefunden hast, darfst Du auch nicht als Angestellte sehen - die wollen Mitunternehmer sein und etwas verändern. Sonst sind die alten Banktürme tatsächlich immer noch die bessere Alternative. Make a difference...
Unser Konzept da ist auch klar:
- wir wollen mit Leuten zusammen arbeiten, die wir mögen und wo wir gemeinsam spannende Ziele erreichen können
- wir arbeiten virtuell, modern und glauben, das auch Zeit für die Familie und Freunde sein muss
- es ist schön ohne Anzug im Bahnhofsviertel arbeiten zu dürfen

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