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03.04.2006

17:07 Uhr

Banken profitieren von neuem Trend

Bargeld bringt den Erfolg

VonRobert Landgraf und Michael Maisch

Bares ist Trumpf, auch im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A). Dabei schrecken die potentiellen Käufer selbst hohe, zweistellige Milliardenbeträge nicht, wenn sie an einem Unternehmen ernsthaft interessiert sind – sehr zum Vorteil der Banken.

FRANKFURT. Der Energieversorger Eon und das Chemie- und Pharmaunternehmens Bayer zum Beispiel wollen derzeit ihre jeweiligen Wettbewerber Endesa beziehungsweise Schering übernehmen – und bieten dabei den Aktionären Bargeld.

Investmentbanker sehen diese Entwicklung gelassen und können daraus kein Warnsignal für eine Fusionsblase erkennen, die schon bald zerplatzen könnte. Für Peter Tague, Europachef M&A der Citigroup, sind Kredite derzeit einfach „zu äußerst attraktiven Konditionen zu bekommen.“ Das biete einen Anreiz, bar zu bezahlen. Dabei führt John Jetter, Deutschlandchef von JP Morgan, die billige Finanzierung auf ein sehr großes Maß an Liquidität zurück.

Trotzdem werden Erinnerungen an die Endphase des weltweiten M&A-Booms im Jahr 2000 wach, als rund die Hälfe der Transaktionen über einen reinen Aktientausch liefen, wie das auch für die Mammut-Übernahme von Mannesmann durch Vodafone galt. Heute stehen die Vorzeichen auf Bares und sind noch stärker ausgeprägt. Nach den Zahlen des Datenanbieters Thomson Financial wurden 62 Prozent der weltweit angekündigten Fusionen und Übernahmen im ersten Quartal bar bezahlt.

Erinnerungen an das Jahr 2000

Zudem erinnert das sehr hohe Volumen von 841 Mrd. Dollar stark an die Hochzeiten zur Jahrtausendwende. Tague rechnet noch mit vielen Transaktionen in der Größenordnung von fünf bis 20 Mrd. Euro in diesem Jahr und spricht von „einem Spitzenjahr für Fusionen und Übernahmen in Europa 2006“.

Die Kreditwelle kann Wilhelm Schulz, Deutschlandchef für M&A bei der Citigroup nicht schrecken: „Nach der Reparatur vieler Unternehmensbilanzen in Europa in den vergangenen fünf Jahren ist wieder Platz für Kredite“, urteilt er. Die Banken begleiten deshalb die Firmen an den Kreditmarkt. So stellen Credit Suisse und Citigroup einen Brückenkredit für Bayer zu Verfügung, um die gut 16 Mrd. Euro schwere Übernahme von Schering zu finanzieren. Die Banken benötigen diese zusätzlichen Einnahmen. Der Grund: Die Provisionen stünden im M&A-Geschäft unter Druck, stellt etwa Frank Lutz, in Deutschland Leiter Investment-Banking für Industriekunden bei der Deutschen Bank, fest.

Die Deutsche Bank hatte die Hand bei der Offerte von Linde für den britischen Gasehersteller BOC und dem Erwerb der Volkswagen-Autovermietung Europcar durch den Finanzinvestor Eurazeo im Spiel.

Das Institut führte zugleich die Konsortien bei syndizierten Krediten an, um dem Käufer die nötigen Mittel zu besorgen. Im ersten Quartal rangiert die Deutsche Bank bei Krediten mit einem Marktanteil von knapp elf Prozent bei einem Volumen von insgesamt knapp 29 Mrd. Dollar an der Spitze, wie der Datenanbieter Dealogic errechnet hat. Auf den nächsten Plätzen folgen Citigroup und JP Morgan, deren Marktanteil bei 6,5 bzw. 5,8 Prozent liegt. Neben den Krediten nutzen die Unternehmen häufig auch Kapitalerhöhungen und Anleiheemissionen zur Finanzierung.

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