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28.10.2016

15:44 Uhr

Banken-Quartalszahlen

UBS erhöht Rückstellungen – RBS wieder enttäuschend

Die Bilanzsaison ist in vollem Gange: Mit der UBS, BNP Paribas und der Royal Bank of Scotland (RBS) haben gleich mehrere große europäische Geldhäuser am Freitag ihre Zahlen vorgelegt. Eine Übersicht.

Die Schweizer Großbank weist einen erhöhten Vorsteuergewinn auf. Reuters

UBS

Die Schweizer Großbank weist einen erhöhten Vorsteuergewinn auf.

Zürich/London/ParisNicht nur bei der Deutschen Bank wirken die nach wie vor unklaren Rechtsstreitigkeiten stark belastend auf das gesamte Geschäft. Auch die Schweizer Großbank UBS hat mit juristischem Ärger zu kämpfen – unter anderem überschatten drohende Strafen für faule US-Immobilienpapiere die Fortschritte beim Sparkurs. Die UBS bildet ausreichend Rückstellungen – im dritten Quartal um 417 Millionen auf 1,4 Milliarden Dollar.

Wie lange sich die Fälle noch hinziehen könnten, ließ Bankchef Sergio Ermotti am Freitag offen. „Wir äußern uns nie zum Zeitrahmen für eine Lösung, weil wir keine Kontrolle über diese Dinge haben“, sagte er. Parallelen zur Deutschen Bank, der allein im Rechtsstreit mit dem US-Justizministerium eine Strafe von 14 Milliarden Dollar droht, sehe er nicht. „Jede Bank hat ihre eigene Rechtsposition“, sagte Ermotti.

Trotz der erhöhten Rückstellungen stieg der Vorsteuergewinn des Schweizer Branchenprimus im Sommerquartal um elf Prozent auf 877 Millionen Franken. Grund dafür waren neben anziehenden Geschäften in den USA sinkende Kosten im Zuge des laufenden Sparprogramm. Das kam an der Börse gut an: Die UBS-Aktie setzte zum Kurssprung an.

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

Die Streitigkeiten wegen fauler US-Immobilienkredite zählen zu den größten noch anhängigen Rechtsfällen der Bank. Vor der Finanzkrise hatten viele Großbanken dort Hypotheken an mittellose Familien vergeben. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht – in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken hohe Gebühren brachten.

Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos. Viele der Käufer fühlten sich über den Tisch gezogen und klagten erfolgreich gegen die Banken. Die UBS verbuchte wegen Geschäften mit Immobilienpapieren in der Finanzkrise massive Verluste und musste vom Staat gerettet werden. Konzernweit lagen die Vorsorgen für Rechtsstreitigkeiten Ende September bei 2,98 Milliarden Franken.

Im operativen Geschäft läuft es für die UBS durchwachsen: In der Vermögensverwaltung sind die reichen Kunden wegen des schwachen Wirtschaftswachstums und möglicher Umwälzungen durch die US-Präsidentschaftswahlen oder den Brexit verunsichert und halten sich mit Käufen und Verkäufen von Wertpapieren zurück. Der Bank gehen damit wichtige Gebühreneinnahmen verloren.

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Allerdings konnte das Institut im dritten Quartal weltweit netto rund 10 Milliarden Franken an neuen Geldern einsammeln - vor allem von vermögenden Kunden aus Asien. In der Investmentbank brach der Gewinn wegen der Flaute im Aktienhandel ein. US-Investmentbanken hatten hier von einem boomenden Anleihenhandel profitiert, in dem die UBS jedoch nicht so stark vertreten ist.

Die Einbußen konnte UBS jedoch unter anderem durch das laufende Sparprogramm ausgleichen. Im Zuge dessen will die Bank ihre Kosten bis Ende 2017 um 2,1 Milliarden Franken senken – unter anderem durch einen Stellenabbau. Bis Ende September hatte sie 1,5 Milliarden Franken davon eingetütet. Sparprogramme seien jedoch mittelfristig nicht die einzige Möglichkeit, um Kosten zu senken, sagte Bankchef Ermotti. Dies sei branchenweit auch durch Fusionen oder branchenübergreifende Initiativen etwa zur gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur möglich. „Das Thema ist in Wahrheit nicht 'Too big to fail', sondern 'Too small to survive'“, sagte er.

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