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18.11.2015

14:42 Uhr

Banken-Risiko

Unterschätzte Handelsrisiken

VonHolger Alich

Banken müssen wegen riskanter Geschäfte künftig wohl mehr Kapital zurücklegen als bisher. Um wie viel Geld es geht, soll bis Ende 2015 feststehen. Der Basler Bankenausschuss macht schon einmal einen Vorschlag.

Die europäischen Banken, wie hier etwa in Frankfurt, müssen wohl doch mit strengeren Eigenkapitalauflagen rechnen. dpa

Skyline Frankfurt

Die europäischen Banken, wie hier etwa in Frankfurt, müssen wohl doch mit strengeren Eigenkapitalauflagen rechnen.

ZürichIm Grundsatz stehen die neuen Eigenkapital-Regeln für Banken, genannt Basel III, schon lange fest. Doch ständige Nachjustierungen in Teilbereichen schrauben die Anforderungen nach oben. In Banken-Kreisen wird das Phänomen bereits als „Basel IV“ bezeichnet. Nun hat der maßgebende Basler Bankenausschuss nachgerechnet, wie viel Geld die Banken für ihre Handelsrisiken noch zurücklegen müssen. Die Schlussfolgerung dürfte den Banken wohl kaum gefallen.

Denn laut den Testrechnungen bei 44 Banken führt der überarbeitete Standard für Marktrisiken dazu, dass die Gesamt-Eigenkapital-Anforderungen um 4,7 Prozent steigen. Wird die Bank mit dem größten Handelsbuch aus dem Test herausgerechnet, so ergibt sich laut der Untersuchung immer noch ein Zuschlag von 2,3 Prozent.

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Die Unterschiede fallen noch größer aus, wenn man nur den Kapitalbedarf für Marktrisiken zwischen dem alten und neuen Standard vergleicht. Im Gegensatz zu den internen Modellberechnungen der Banken steigt demnach der Kapitalbedarf im Schnitt um 54 Prozent. Verglichen mit dem Standard-Ansatz würde der Kapitalbedarf für Markt-Risiken gar um 128 Prozent wachsen.

Der Hintergrund: Bei der Berechnung der Eigenkapital-Anforderungen haben Banken die Wahl. Sie können ein von den Regulierern aufgesetztes Standardmodell verwenden, das relativ grob arbeitet, oder ein eigenes Modell entwickelt. Die meisten Großbanken haben sich deswegen für eigene Risikomodelle entschieden. Diese sind individuell auf ihre Bilanz zugeschnitten – und ersparen den Banken größere Eigenkapitalrücklagen.

Allerdings fallen die Zuschläge durch die neuen Anforderungen geringer aus, als Banken-Lobbyisten befürchtet hatten. Sie haben davor gewarnt, dass die neuen Standards zu bis zu vier Mal höheren Eigenkapitalforderungen für Marktrisiken führen könnten als bislang. Dies hätte die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten eingeschränkt, so die Argumentation. Daher lässt der Basler Banken-Ausschuss neue Standards zunächst einmal probeweise durchrechnen, um die wirtschaftlichen Folgen neuer Regulierung besser abschätzen zu können.

Der überarbeitete Standard für das Handelsbuch soll laut Banken-Ausschuss schon bis Ende des Jahres feststehen. Dieser recht kurze Zeitraum lässt den Schluss zu, dass der neue Standard sich nicht im Wesentlichen von dem unterscheiden wird, den der Basler Bankenausschuss jetzt durchgerechnet haben.

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