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11.01.2011

06:00 Uhr

Banken

Schiefer Haussegen bei Sparkassen-Familie

VonPeter Köhler

Im Streit um die gewinnbringende Deka kommt es zu ungereimtheiten im Sparkassen-Verbund. Gerade die krisengeschüttelte West-LB könnte in ringen um die Deka einige Räder zum stocken bringen. Für die Sparkassen hängt aber viel daran, den Deal um das Fondshaus schnell über die Bühne zu bringen.

Unter Druck: Die Sparkassen. Quelle: dpa

Unter Druck: Die Sparkassen.

FRANKFURT . Die sich zuspitzende Lage bei der WestLB stellt die Solidarität im öffentlich-rechtlichen Bankenlager in diesen Tagen auf eine harte Probe. Im Mittelpunkt stehen zwei krisenerprobte Manager, die sich ein Kräftemessen um die Neuausrichtung der Landesbanken liefern.

Da ist zum einen Heinrich Haasis, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), der sich kurz vor dem Ziel sieht, das Fondshaus Dekabank vollständig für die Sparkassen zu gewinnen. Bisher müssen sich die Institute mit dem roten "S" nämlich die Deka mit den Landesbanken teilen. Weil Letztere dringend Kapital brauchen, haben sie ihre Zustimmung zu einem Rückzug signalisiert. Die Sparkassen kämen so zu ihrem langgehegten Wunsch, die gewinnbringende Dekabank zu 100 Prozent zu besitzen.

Aber ein Mann will da erst einmal nicht mitziehen: Michael Breuer, der Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands (RSGV), verfolgt eine eigene Agenda. Er will erst eine Zukunftslösung für die WestLB sehen, an der er mit seinen Sparkassen zu gut 25 Prozent beteiligt ist. Und da drängt die Zeit, weil die EU-Kommission bis zum 15. Februar eine belastbare Planung sehen will, ansonsten droht der Düsseldorfer Landesbank im schlechtesten Fall die Abwicklung. "Die WestLB muss zum Tüv, das hat für uns Priorität 1 a", sagte gestern ein Insider im Rheinland. Andere Fragen – wie die Neuordnung der Dekabank - müssten da hintanstehen.

Während also der 65-jährige Haasis aufs Tempo drückt, steht der 55-jährige Breuer bei der Frage der Dekabank auf der Bremse. Insgeheim, so mutmaßen Beobachter, hofft Breuer noch auf eine Auffanglösung für die WestLB unter Beteiligung der Dekabank und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Ob das zeitliche Pokern am Ende den gesamten Deal in Gefahr bringt, gilt derzeit als offene Frage.

Haasis müsse jetzt seine "ganze Integrationskraft" aufbringen, um Breuer wieder einzufangen, hieß es in Finanzkreisen. Sollte es ihm gelingen, sowohl für die Dekabank als auch für die WestLB eine Lösung zu finden, stünde Haasis möglicherweise auch für eine erneute Amtszeit an der Verbandsspitze zur Verfügung.

Den DSGV repräsentiert er seit 2005 – eine Altersgrenze gibt es für das Präsidentenamt nicht. Haasis ist rastlos unterwegs und gilt als extrem gut vernetzt in der Landes- und Bundespolitik. Breuer bringt dagegen seine Hausmacht in NRW mit ein – der Wirtschaftsprüfer und frühere Europaminister kann auf seinen westfälischen Amtskollegen Rolf Gerlach und Landesfinanzminister Norbert Walter-Borjans zählen. Bisher zeichnet sich kein Kompromiss ab – obwohl Haasis und Breuer "fast täglich miteinander telefonieren", wie ein Beobachter berichtet.

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