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30.12.2013

16:05 Uhr

Banken schlagen Alarm

Unternehmen verschlafen Umstellung auf neues Zahlungssystem

Ab Februar müssen Unternehmen, Vereine und Ämter das neue Sepa-System anwenden. Doch viele deutsche Unternehmen haben laut Bankenverband ihre Finanzsysteme für Überweisungen und Lastschriften noch nicht umgestellt.

Sepa-Überweisungsträger: Bald ist Schluss mit der alten Kontonummer. dpa

Sepa-Überweisungsträger: Bald ist Schluss mit der alten Kontonummer.

BerlinEinen Monat vor dem Start des europäischen Zahlungssystems Sepa schlagen die Banken Alarm. Viele Unternehmen in Deutschland hätten die notwendige Umstellung von Überweisungen und Lastschriften noch nicht vollzogen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer, am Montag in Berlin. „Es gibt keinen Plan B, und es bleiben nur noch 32 Tage. Wer noch nicht umgestellt hat, sollte dies lieber heute als morgen tun.“

Vom 1. Februar 2014 an müssen Unternehmen, Vereine und die öffentliche Verwaltung gemäß EU-Verordnung das Sepa-System anwenden. Privatleute können noch bis zum 1. Februar 2016 ihre bisherige Kontonummer und Bankleitzahl nutzen. Die Abkürzung Sepa steht für Single Euro Payments Area - Einheitlicher Zahlungsverkehrsraum in Euro. Für Transaktionen müssen Bankkunden sich an Kontonummern mit 22 Stellen gewöhnen. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen werden standardisiert und nach dem gleichen System abgewickelt - egal ob sie ins Inland oder über Grenzen gehen.

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle

„Die Lage ist noch immer besorgniserregend“, sagte Kemmer. In Deutschland würden täglich 35 Millionen Lastschriften ausgeführt. Es sei alarmierend, dass immer noch 90 Prozent davon nach dem alten Verfahren realisiert würden und nur 10 Prozent mit Sepa-Standard.

Von

dpa

Kommentare (2)

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RFR

30.12.2013, 16:31 Uhr

Verkehrte Welt. Diejenigen, die sich diesen Schwachsinn ausgedacht haben, schlagen Alarm und zeigen mit den Fingern auf ihre Kunden, die den Schwachsinn ausbaden müssen. Es ist doch klar, dass jeder vernünftige Bankkunde das bisherige System weiter nutzt, solange es geht. Und zwar schon deshalb, weil niemand weiß, ob die Finanzwirtschaft die Umstellung hinbekommen wird. Ich habe bereits mehrere simple Portierungen auf neue Software oder neue BLZ mitgemacht, bei Genossenschaftsbanken unterschiedlicher Größe ebenso wie bei Coba/Dreba. Es war immer Chaos angesagt und immer hatten das die Banken zu vertreten, nicht die Nutzer. Warum sollte es bei einer so gravierenden Änderung jetzt anders ablaufen? Und warum sollte jemand auch nur einen Tag früher als nötig von einem funktionierenden System auf den SEPA-Schrott umstellen? Die ienzigen, die davon Nachteile haben können, sind die Betrüger, die ein paar Tage länger warten müssen, bevor sie per SEPA-Firmenlastschrift Konten plündern und Gelder nach Rumänien umleiten dürfen.

Account gelöscht!

02.01.2014, 10:20 Uhr

1. das ist keine gravierende Änderung den sowohl BIC als auch IBAN gibt es seit sehr vielen Jahren.

2. die Banken sind seit Jahren in der Lage dazu

und 3. das Ganze hat auch einen Sinn den wir befinden uns schon in einer globalisierten Welt.

Da macht es schon Sinn innerhalb Europas den Zahlungsverkehr schneller und billiger zumachen.

Immer diese ewige Rumgeheule der erz-konservativen Leute die es als
Belastung empfinden nur weil sie dadurch keinen Vorteil für sich sehen.

Aber es gibt eben gut eine halbe Milliarde Menschen die diesen
"Schwachsinn" benutzen werden.

Denken sie nur mal an die Leute die einen Online-Shop betreiben oder
Rechnungen via Vorkasse abwickeln all diese Leute haben jetzt einen Vorteil.

Statt verstaubter DTA-Dateien kann man jetzt XML-Dateien benutzen.

Wer also hiermit in seinem Unternehmen Probleme hat sollte sich
wirklich fragen ob er nicht vielleicht etwas Anderes machen sollte.

Eine rechtliche Änderung an den Steuergesetzen die zB. die Bilanzierungsgrundlagen beeinflusst ist meist wessentlich aufwendiger
und kostenintensiven als das Ändern von ein paar Zahlen in einer Datenbank.

Sämtliche Programme unterstützen IBAN/BIC seit Jahren und bieten eine automatische Konvertierung an.

Haben all diese Leute noch nie eine Auslandszahlung über
SWIFT veranlasst?

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