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08.02.2012

10:39 Uhr

Banken

Sparkassen in Schmoll-Laune

VonFrank Matthias Drost, Thomas Bauer

Während der Finanzkrise waren sie für viele Mittelständler der letzte sichere Kredithafen. Nun drohen Kleinbanken durch die neue Finanzmarktregulierung schwere Lasten. Ihr Verband fordert Linderungen beim Eigenkapital.

Eine Passantin vor einer Filiale der Hamburger Sparkasse. dpa

Eine Passantin vor einer Filiale der Hamburger Sparkasse.

Anfang 2011 warf die kleine Landessparkasse Schenefeld in Schleswig-Holstein das Handtuch. „Wir können die wachsenden regulatorischen Anforderungen für Banken nicht mehr aus eigener Kraft erfüllen“, sagte das damalige Vorstandsmitglied Eggert Eicke dem Handelsblatt und beklagt auch die steigenden Eigenkapitalanforderungen nach Basel III. Das Institut ist inzwischen in der Sparkasse Westholstein aufgegangen. „Für kleine Institute ist die ausufernde Finanzmarktregulierung eine Katastrophe“, urteilt Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor in Stuttgart. Regulierungskosten würden den Fixkostenblock erhöhen, und die Institute müssten sich zu größeren Einheiten zusammenschließen.

Ungerechte Welt? Sparkassen und andere kleine Institute, die die Finanzmarktkrise nicht ausgelöst haben, zahlen jetzt die Zeche für die Regulierung? So sieht das jedenfalls der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands Heinrich Haasis. „Die man packen kann, die werden auch als Erste gegriffen“, sagte er kürzlich dem Handelsblatt. Dabei bezog er sich auf die geplanten Eigenkapitalnormen nach Basel III. Das Projekt soll bis Mitte des Jahres von der EU verabschiedet werden.

Die zehn größten Sparkassen in Deutschland

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,8 Milliarden Euro (2010) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.580 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 11,4 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.782 Angestellte in 143 Filialen.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von etwas weniger als 11,9 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf rund eine halbe Milliarden Euro vor dem Dresdner Sparkassenableger.

Nassauische Sparkasse

2010 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 234 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat in der Bilanz 2010 eine Summe von 12,6 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist - wenig überraschend - das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,5 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,3 Milliarden Euro - mit 1.835 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3.170 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Auch Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,7 Milliarden Euro (2010) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 38,7 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5.625 Mitarbeiter.

Das bilanzwirksame Geschäft wie beispielsweise Kredite sei nun mal leichter erfassbar als jenes, das außerhalb stattfinde – beispielsweise im Derivatebereich, so Haasis. Aber es sei absolut nicht nachvollziehbar, warum das relativ risikoarme Mittelstandskreditgeschäft künftig mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müsse. „Der Lobbyismus der großen Banken zeigt Wirkung. Man setzt bei der Regulierung da an, wo die geringste Abwehr ist“, assistiert Professor Burghof dem Sparkassenlager.

Doch die Bundespolitik mag dieser Argumentation nicht folgen – weder Regierung noch Opposition. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen, ist gegen Sonderregeln: „Wir können die Sparkassen bei der Regulierung nicht ausnehmen. Auch im öffentlichen Bankensektor hat es Milliardenverluste in dieser Finanzkrise gegeben.“ Die Sparkassen hätten als Miteigentümer der Landesbanken dafür sorgen müssen, dass diese nicht in spekulative Finanzprodukte investierten. Dies sei dennoch geschehen und auch noch mit der überschüssigen Liquidität, die von den Sparkassen gekommen sei.

Landesbanken wie die BayernLB, HSH Nordbank, WestLB oder Landesbank Baden-Württemberg, an denen die Sparkassen sehr hohe Beteiligungen hatten, überlebten die Finanzmarktkrise nur durch milliardenschwere Kapitalspritzen der Länder. Nur wenige Landesverbände der Sparkassen sahen sich in der Lage, sich an den Kapitalmaßnahmen zu beteiligen.

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