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08.08.2016

15:40 Uhr

Banken-Stresstests

Die Schwächsten zahlen die dicksten Dividenden

Die zehn ärmsten Banken in der EU haben seit 2011 großzügig 20 Milliarden Euro Dividende verteilt. Den Goldregen für Aktionäre bezahlen im Ernstfall die Anleihebesitzer – und die Steuerzahler.

In sechs Jahren 6,3 Milliarden Euro ausgeschüttet. dpa

Barclays Filiale in London

In sechs Jahren 6,3 Milliarden Euro ausgeschüttet.

DüsseldorfEs ist eine riesige Umverteilung zu Gunsten der Aktienbesitzer: Die Wackelkandidaten unter den europäischen Banken haben offenbar versucht, ihre Aktionäre mit üppigen Dividenden bei der Stange zu halten. Die „Financial Times“ berichtet über eine akademische Studie, wonach gerade die Geldhäuser, die in den jüngsten Stresstests besonders schlecht abgeschnitten haben, viele Milliarden für Dividenden ausgegeben haben. Sollten diese Banken pleitegehen, sind Anleihebesitzer und Steuerzahler die Dummen. 

Das akademische Team vom Mannheimer Wirtschaftsforschungszentrum ZEW, der New Yorker NYU und der Universität von Lausanne errechnete, dass die 34 stressgetesteten Banken seit 2011 insgesamt 170 Milliarden Euro Dividenden ausgeschüttet haben. Die laut Test zehn schwächsten Banken hätten allein 20 Milliarden Euro Dividende bezahlt. 

Stresstest-Ergebnisse: Ein Armutszeugnis für Europas Banken

Stresstest-Ergebnisse

Premium Ein Armutszeugnis für Europas Banken

Um zu erfahren, dass es Europas Banken nicht gut geht, braucht man keine Stresstests, dafür reicht ein Blick auf die Aktienkurse. Die Institute brauchen nicht mehr Kapital, sondern neue Geschäftsmodelle. Eine Analyse.

Dabei habe die britische Barclays Bank als großzügigster Zahler in den letzten sechs Jahren 6,3 Milliarden Euro ausgeschüttet. Die Bank hat in den jüngsten Tests an siebtletzter Stelle gestanden. Ihre Kernkapitalquote, die derzeit bei 11,6 Prozent liegt, würde im ungünstigsten Fall auf 7,1 Prozent fallen.  

Die nächstgrößeren Ausschüttungen kamen von der Société Générale, die es auf 4,7 Milliarden Euro gebracht hat. Sogar die extrem schwache italienische Bank Monte die Paschi hat ihren Aktionären noch 165 Millionen Euro gegönnt. Monte dei Paschi versucht gerade, ihr Kapital mit fünf Milliarden Euro aufzustocken und gleichzeitig faule Kredite in Höhe von neun Milliarden Euro aus der Bilanz zu nehmen. 

Bei den jüngsten Stresstests der Europäischen Union wurden keine Noten danach vergeben, ob eine Bank bestanden hat oder durchgefallen ist. Aber es ergab sich, dass zwei Banken, neben Monte dei Paschi auch die Allied Irish Banks, in einem ungünstigen Umfeld die Minimalanforderungen an das Eigenkapital nicht mehr erfüllen würden. Von den 51 getesteten Banken hätten zudem zwei Drittel im schlechtesten Fall eine Kernkapitalquote von unter zehn Prozent. 

So haben deutsche Banken beim Stresstest 2016 abgeschnitten

EZB-Bankenstresstest - die Szenarien

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat 51 große Banken aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Sie prüfte mit der Europäischen Zentralbank eine ganze Reihe von Kennzahlen und testeten wie sich diese in verschiedenen Szenarien bis 2018 entwickeln dürften.

Zum einen spielte die EBA durch, wie es den Banken gehen wird, falls die Vorhersagen der Europäischen Kommission zur Konjunktur in den nächsten Jahren eintreten (Basisszenario). Zum anderen testeten sie die Institute auch im Szenario einer sehr viel schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung (Adverses Szenario).

So haben die neun geprüften deutschen Banken abgeschnitten:

Bayerische Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 11,99 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,41 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,34 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -365

Commerzbank

Kernkapitalquote (2015): 12,13 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,13 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,42 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -471

Dekabank

Kernkapitalquote (2015): 13,50 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,17 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,53 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -397

Deutsche Bank

Kernkapitalquote (2015): 11,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,08 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,80 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -332

Landesbank Baden-Württemberg

Kernkapitalquote (2015): 15,98 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 15,58 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -658

Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale

Kernkapitalquote (2015): 13,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,42 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 10,10 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -301

Norddeutsche Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 12,09 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,16 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,62 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -347

NRW.Bank

Kernkapitalquote (2015): 42,54 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 39,44 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 35,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -714

Volkswagen Financial Services AG

Kernkapitalquote (2015): 11,67 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,90 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,55 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -211

Die Studienautoren sind aber überzeugt, dass der Stresstest der EU die Not der Banken deutlich unterschätzt. Sie sind überzeugt, dass den europäischen Banken in Wahrheit bis zu 900 Milliarden Euro Kapital fehlen. 

Nur drei öffentliche Banken haben in den letzten sechs Jahren auf Dividende verzichtet, um ihre Kapitalbasis zu stärken: Die Allied Irish Banks, die Royal Bank of Scotland und die Bank of Ireland. Die Studienautoren kritisieren die Ausschüttungen der übrigen Banken aufs Schärfste.

Kommentare (2)

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Rainer von Horn

08.08.2016, 16:07 Uhr

Sofern am Ende die EZB -nach irischem Vorbild!°- die Kapitallücken der Banken in Bella Italia und anderswo füllen wird, wovon ich fest ausgehe, ist das nichts anderes als ein Umverteilungsprogramm zu Gunsten der Aktionäre. Und ein super Geschäftsmodell. Allerdings sind die Bankaktionäre auch ziemlich gebeutelt worden. Und zwar wiederum von den astronomischen Gehältern der Investmentbanker, die nach dem Motto vorgingen, die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

Die Probleme sind heute nicht viel anders gelagert als 2008 - aber die Summen sind höher.

Herr Uwe Baden

08.08.2016, 16:32 Uhr

Und ich dachte immer, im Pleitefall zahlen erst einmal die Aktionäre, dann die Gläubiger und dann vielleicht noch der Staat. Liege ich falsch oder ist das auch nur wieder ein reisserischer Unsinnsartikel zu gierigen Kapitalisten?

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