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28.11.2013

06:23 Uhr

Banken-Test

Wie die EZB die Banken stresst

VonSebastian Ertinger

Die Europäische Zentralbank klopft die Finanzkraft der 128 wichtigsten Banken des Kontinents ab. Der umfassende Test läuft gerade erst an, doch schon gibt es Streit. Ein Knackpunkt: Wie riskant sind Staatsanleihen?

Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Die EZB übernimmt ab Ende 2014 die Aufsicht über die Europas Banken – und prüft vorab schon mal deren Belastungskraft. dpa

Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Die EZB übernimmt ab Ende 2014 die Aufsicht über die Europas Banken – und prüft vorab schon mal deren Belastungskraft.

DüsseldorfDie Finanzmanager hinter den glitzernden Glasfassaden stöhnen jetzt schon: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Testbögen verschickt. Die Notenbanker fragen darin bis zu 1400 Datenpunkte ab, welche die Institute liefern müssen. Damit stecken Europas Finanzhäuser bereits mitten im groß angelegten Test ihrer Kapitalkraft. Dazu schwärmen Aufseher, Notenbanker und Wirtschaftsprüfer aus und prüfen die Robustheit der 128 wichtigsten Banken in Europa. Darunter sind auch 24 deutsche Geldhäuser wie Deutsche Bank, Commerzbank oder die Landesbanken.

EZB und die nationalen Aufseher klopfen dabei die Bewertungsansätze in den Bilanzen ab und testen, wie sich die Institute im Krisenfall schlagen. Bis Oktober 2014 sollen die ersten Ergebnisse vorliegen. Europas Zentralbanker wollen damit bei den Instituten Schwachstellen finden, die notfalls mit frischem Kapital gestopft werden sollen. So will die EZB sicherstellen, dass sie möglichst keine Altlasten übersehen hat, wenn sie in einem Jahr die zentrale Aufsicht über die Banken übernimmt.

Doch viele Fragen sind bei den Tests noch offen. Ein Streitpunkt mit beträchtlichem Gewicht ist, inwieweit Staatsanleihen als risikolose Investments angesehen werden. Nach den bisherigen Regeln gelten Schuldscheine der Industrienationen durchweg als unbedenklich – Banken müssen dafür kein Kapital hinterlegen. Entsprechend pumpen sich die Geldhäuser mit Bonds der öffentlichen Hand voll – vorwiegend mit denen des Heimatstaats.

„Das ist bis zu einem gewissen Grad auch politisch gewollt“, sagte ein mit der Bilanzprüfung befasster EZB-Mitarbeiter Handelsblatt Online. „So haben die Regierungen einen dankbaren Abnehmer für ihre Anleihen und können sich günstig verschulden.“

Diese deutschen Banken überprüft die EZB

Großbanken

Commerzbank
Deka-Bank (Spitzeninstitut der Sparkassen)
Deutsche Bank
DZ-Bank (Spitzeninstitut der Volksbanken)
Hypo Real Estate Holding (Deutsche Pfandbriefbank)
SEB
WGZ Bank (2. Spitzeninstitut der Volksbanken)

Landesbanken

Bayerische Landesbank (BayernLB)
Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
Landesbank Berlin (LBB)
Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)
Norddeutsche Landesbank (NordLB)
HSH Nordbank

Sparkassen/Genossenschaftsbanken

Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Haspa Finanzholding (Hamburger Sparkasse)

Immobilienbanken

Aareal Bank
Münchener Hypothekenbank

Förderbanken

Landeskreditbank Baden-Württemberg
Landwirtschaftliche Rentenbank
NRW.Bank

Sonstige Institute

Volkswagen Financial Services Aktiengesellschaft
Wüstenrot & Württembergische

Risikolos sind europäische Staatsbonds aber nicht. Das hat sich spätestens seit der Pleite Griechenlands gezeigt. Die Bundesbank fordert nun eine harte Linie. „Die Stresstests sollten streng ausfallen – also auch die unterschiedliche Bonität von Staatsanleihen berücksichtigen“, forderte auch Bundesbank-Vizechefin Sabine Lautenschläger jüngst im Handelsblatt-Interview. Sie bekräftigte damit die Linie, die Bundesbank-Chef Jens Weidmann ausgerufen hatte.

Aber auch Berater der EZB selbst - darunter die deutsche Wirtschaftsweise Claudia Buch – wiesen auf die Gefahren hin, die durch eine Häufung von einheimischen Staatsanleihen in den Bilanzen von Großbanken lauern. Die Argumentation der Wissenschaftler: Wenn spanische oder irische Finanzhäuser vornehmlich Bonds ihres Heimatstaats horten, sei das ähnlich gefährlich wie die Kreditvergabe eines Instituts vorwiegend an ein einzelnes Unternehmen.

Kommentare (22)

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kraxel

28.11.2013, 07:34 Uhr

Die sollen diesen Papiertest, der genauso wertlos ist wie das EURO-Papiergeld da nicht mit Gold hinterlegt, doch einfach an die Bürger schicken. Die Bürger machen höchst wahrscheinlich wahrere Angaben - die meisten wenigstens - als die Banken, die Raubzugsinstitute selbst!! Das ist ja wie im Vorschulalter und das im digitalen Zeitalter: den Bürger spioniert man digital aus, die Könige-der-Zeit lässt man im Schein gewähren - zu Lasten der Steuerzahler, zu Gunsten der Finanzelite wie Goldman-Sachs, JPMorgan, Warburg, Rothschild.

Account gelöscht!

28.11.2013, 07:40 Uhr

Ist Gold nicht ebenso wertlos? Was macht denn Gold wertvoll? Das es glänzt?
Sehr naiv gedacht.

kraxel

28.11.2013, 07:49 Uhr

Finde Ihren Einwand selten und sehr gut. Alle fröhnen diesem Gold; es hat bis 1971 immerhin wertsichere Preise und Kurse beschert, bis Nixxon die Finanzwelt von diesem Metall entbunden hat und der Run dank Thatcher-Reagan 1982 sich verstärkte. Vor wenigen Monaten wurde der Besitz von Gold in Indien etwa unter Strafe gestellt; der private Besitz. Aus dieser Sicht haben sie Recht. Das kann alle Länder/Zonen erfassen.

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