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29.01.2016

13:36 Uhr

Banken und ihr Ansehen

Commerzbank schlägt die Deutsche Bank

VonMichael Maisch

Die Finanzkrise war Gift für die Reputation aller Banken. Doch das Ansehen der Deutschen Bank hat besonders stark gelitten, wie eine Studie zeigt. Ausgerechnet der kleinere Rivale überholt sie jetzt.

Anders als die Deutsche Bank musste die Commerzbank vom Staat gerettet werden. Das hindert sie nicht daran, einen guten besseren Ruf zu genießen. ap

Commerzbank

Anders als die Deutsche Bank musste die Commerzbank vom Staat gerettet werden. Das hindert sie nicht daran, einen guten besseren Ruf zu genießen.

FrankfurtEinst schienen die Machtverhältnisse am Main unverrückbar: Es gab die mächtige Deutsche Bank, und dann noch den sehr viel kleineren und schwächeren Konkurrenten, die Commerzbank. Während die Deutsche Bank halbwegs passabel durch die Finanzkrise kam und danach schnell wieder Milliarden verdiente, musste die Commerzbank teilverstaatlicht werden, und wurde zum Sanierungsfall.

Aber die Verhältnisse sind in Bewegung geraten. Gerade erst musste John Cryan, der neue Chef der Deutschen Bank, einen Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro verkünden, und die Anleger auf zwei weitere verlorene Jahre einstimmen. Für 2015 und 2016 gibt es für die Aktionäre keine Dividende und für das vergangene Jahr hat der Aufsichtsrat dem gesamten Vorstand den Bonus gestrichen.

So beurteilen Geschäftsführer den Ruf von Banken

Umfrage

Die Markt- und Wirtschaftsforschungsfirma Econcast hat 53.000 deutsche Unternehmer gefragt, welcher Bank sie eine „gute“ oder „sehr gute“ Reputation beimessen.
Stand: Januar 2016

Commerzbank

2012: 23 Prozent
2013: 22 Prozent
2014: 26 Prozent
2015: 29 Prozent

Deutsche Bank

2012: 40 Prozent
2013: 34 Prozent
2014: 32 Prozent
2015: 28 Prozent

Unicredit (HypoVereinsbank)

2012: 18 Prozent
2013: 19 Prozent
2014: 19 Prozent
2015: 20 Prozent

ING Diba

2012: 27 Prozent
2013: 28 Prozent
2014: 29 Prozent
2015: 30 Prozent

Volksbanken - Raiffeisenbanken

2012: 56 Prozent
2013: 59 Prozent
2014: 55 Prozent
2015: 58 Prozent

Sparkassen

2012: 59 Prozent
2013: 60 Prozent
2014: 54 Prozent
2015: 59 Prozent

Dagegen konnte Commerzbank-Chef Martin Blessing erstmals seit seinem Amtsantritt im Mai 2008 seinen Aktionären wieder eine Dividende versprechen. 20 Cent je Aktie hat das Institut zurückgelegt. Die Commerzbank kann sich das leisten, weil sein Geldhaus in den ersten neun Monaten immerhin 850 Millionen Euro verdient hat.

Aber nicht nur in Sachen Gewinn und Dividende haben sich die Gewichte verschoben, sondern auch wenn es um weiche Werte wie die Reputation geht. Die Daten, die Stefan James Lang regelmäßig erhebt, sprechen eine deutliche Sprache. In Sachen guter Ruf hat die Commerzbank inzwischen den Marktführer Deutsche Bank überholt.

Deutsche Bank: Die Betroffenheit des John Cryan

Deutsche Bank

Die Betroffenheit des John Cryan

Die Probleme sind bekannt, die Hoffnung auf bessere Zeiten ebenso: Die Deutsche Bank will sich künftig wieder auf ihre Stärken besinnen – doch gegenwärtig bestimmen Sorgen und Risiken das Alltagsgeschäft.

Lang ist Chef des Schweizer Wirtschaftsforschungsinstituts Econcast, das seit 2011 kontinuierlich die Markenstärke der 800 führenden Banken weltweit misst. Bei den Befragungen berücksichtigt Econcast ausschließlich geschäftsführende Gesellschafter und Vorstände. Im Gegensatz zu Privatkunden, die oft nur über ein privates Girokonto verfügen, nimmt diese Zielgruppe auch Firmenkunden- und Vermögensverwaltungsdienstleistungen in Anspruch. Sie kennen also viele Facetten einer Bank und gehören zur Kernzielgruppe von Instituten wie der Deutschen Bank oder der Commerzbank.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

29.01.2016, 14:01 Uhr

Ist die Commerzbank nicht schon verstaatlicht worden....wird wohl mit der Deutschen Bank auch bald passieren. Genauso wie diese Grün-Sozialistische Merkel Regierung auch im Hintergrund die Energieversorgung Stück für Stück verstaatlichen lässt....das DDR System lässt grüßen!

Herr Marc Otto

29.01.2016, 14:45 Uhr

Stimmt zwar alles, aber noch kann ich hier mein Geld ins Ausland schaffen und noch kann ich auch auswandern, falls die "Bereicherung" hier die Kontrolle übernehmen sollte.

Mein tatsächliches Einkommen hat nichts mit dem Standort Deutschland zu tun, ich könnte überall wohnen. Selbst das mulimische Malysia spricht mich sehr an.

Herr Udo Treichel

29.01.2016, 15:19 Uhr

Tja, was sagt man denn dazu

"Wenn die Sonne der (Banken)-Kultur niedrig steht, dann werfen selbst Zwerge lange Schatten."

Oder neben Quasimodo hat selbst Oliver Pocher noch etwas von George Clooney.

Was waren das noch für Zeiten, als in einer Bank echte Banker gearbeitet haben und mit persönlicher Entscheidungskompetenz für ein echtes Geschäftsklima gesorgt haben. Heute arbeiten dort fleissige Datensammler, die anschließend die Daten zu einer Datei oder einem Dokument zusammenfügen und das Ganze in den Rechner hacken und genauso neugierig wie der Kunde auf das Ergebnis eines Scorings oder Ratings warten. Oftmals zum echten Livefeeling dann durch eine grüne Ampel symbolisiert. Noch spannender, wenn sie die Unterlagen an eine geheimnisvolle Abteilung, z.B. Credit-Factory, senden und nach angemessener Wartezeit demütig um die Entscheidung bitten. Vielfach artet das Ganze zu einem Cherry-Picking aus, in dem der Rechner Ausschau nach dem Doppelverdiener-Beamten-Haushalt hält, um im Falle einer Kreditanfrage das Risiko für das Portfolio so gering wie möglich zu halten. Hurra, es lebe der Durchschnitt. Wo ist die Bank als Geschäftspartner, der im Rahmen eines gemeinsamen Geschäftes auch einmal ins Risiko geht? Früher da gab es solche Entscheider, die in die persönliche Kompetenz und Entwicklungsfähigkeit eines Anfragers vertraut haben und auch abseits von bundesweiten Branchenbewertungen den individuellen Fall als Grundlage ihrer Entscheidung herangezogen haben. Das wäre heute vermutlich ein sofortiger Kündigungsgrund.

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