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29.01.2016

18:24 Uhr

Banken

Wer hat Angst vorm „Brexit“?

Banken, Unternehmen und Politiker warnen eingehend vor einem Brexit. Mancher Finanzlobbyist glaubt jedoch, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU dem Finanzplatz Frankfurt einen Schub verleihen könnte.

Wegen seiner zahlreichen Banken-Wolkenkratzer wird die Innenstadt Frankfurts auch „Mainhattan“ genannt – in Anlehnung an das New Yorker Vorbild. imago

Skyline in Frankfurt

Wegen seiner zahlreichen Banken-Wolkenkratzer wird die Innenstadt Frankfurts auch „Mainhattan“ genannt – in Anlehnung an das New Yorker Vorbild.

Frankfurt am MainAn den Börsen und in der Politik ist die Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union groß. Für den Finanzplatz Frankfurt hätte der „Brexit“ dagegen zumindest kurzfristig positive Auswirkungen. Geschäfte und Arbeitsplätze der Banken könnten dann von der Themse an den Main verlagert werden. „Ein 'Brexit' wäre für Frankfurt das größte Geschenk seit der Stadtgründung“, frohlockt ein hochrangiger deutscher Finanzmanager.

Mittel- und langfristig würde eine Abkopplung Großbritanniens Europa und seinen Finanzmarkt aber schwächen, warnen Experten und Banker unisono. Und das würde früher oder später dann auch „Mainhattan“ zu spüren bekommen.

Die großen Rechtsrisiken der Investmentbanken (laut Moody's)

Barclays

Kapitalerhöhung 2008: Es geht um Ungereimtheiten bei der Kapitalerhöhung durch Investoren aus dem Nahen Osten, genauer um die Frage, ob gezahlte Gebühren korrekt veröffentlicht wurden. Altaktionäre blieben bei der Transaktion außen vor. Es ermitteln die britische Finanzaufsicht FCA, US-Justizministerium, SEC, und die britische Behörde für schwere Wirtschaftskriminalität SFO.

Handelssysteme: Hochfrequenzhändler sollen Einblicke in eigentlich anonyme Handelspositionen von anderen Kunden erhalten haben. Es ermitteln die US-Börsenaufsicht SEC und die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft.

HSBC

Geldwäsche: Geldwäsche-Vorwürfe und damit verbundene Sanktionsverstöße hält Moody`s für ein hohes Risiko für das britische Institut.

RBS

Verkauf toxischer US-Hypotheken: Die Royal Bank of Scotland hat dafür bereits 2,5 Milliarden Dollar zurückgelegt, Moody's hält aber eine endgültige Strafzahlung für wahrscheinlich, die „ein Vielfaches“ davon beträgt.

Deutsche Bank

Devisen: Es geht um Kursmanipulationen

Russlandgeschäft: Kunden sollen über die Russland-Tochter der Bank Schwarzgeld gewachsen haben.

Credit Suisse

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

UBS

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Goldman Sachs

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Premierminister David Cameron will die Briten über die Mitgliedschaft des Landes in der EU abstimmen lassen. Das Referendum findet möglicherweise bereits im Sommer statt, in jeden Fall aber bis Ende 2017. „Ein 'Brexit' würde dem Finanzplatz Frankfurt kurzfristig einen Schub verleihen“, sagt Lutz Raettig, Frontmann der Branchenvereinigung Frankfurt Main Finance, der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich gehe davon aus, dass sich dann noch mehr Unternehmen aus der Versicherungs- und Bankenbranche in Frankfurt niederlassen würden, schließlich sind hier bereits ihre Aufsichtsbehörden beheimatet.“ Sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Versicherungsaufsicht Eiopa haben sich am Mainufer niedergelassen.

Schon heute beschäftigen Finanzinstitute in Frankfurt über 60.000 Mitarbeiter. Raettig ist Aufsichtsratchef von Morgan Stanley in Deutschland und Vorsitzender des Börsenrats der Frankfurter Wertpapierbörse. Er erwartet, dass bei einem „Brexit“ einige Geschäfte von London abwandern, besonders im Euro-Devisenhandel.

Goldman Sachs, JP Morgan & Co.: Wall Street kämpft gegen Brexit

Goldman Sachs, JP Morgan & Co.

Wall Street kämpft gegen Brexit

Erst sprach sich der Deutsche Bank-Chefvolkswirt gegen den Brexit aus, jetzt mischen sich auch die US-Banken in die Debatte ein. Sie unterstützen wohl politische Pro-EU-Kampagnen. Der Grund ist ein ganz praktischer.

„Davon würde unter anderem die Deutsche Börse profitieren. Die meisten Finanzmarktgeschäfte, die derzeit in London getätigt werden, können grundsätzlich auch von Frankfurt aus gemacht werden.“

Für Europa insgesamt wäre ein Brexit aber schlecht, sagt Raettig. Auch in der Mainmetropole drohten dann Engpässe. „Wenn zahlreiche Finanzkonzerne Geschäfte nach Frankfurt verlagern, wird es nicht genügend gut ausgebildete Mitarbeiter für alle geben.“

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