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03.01.2010

10:00 Uhr

Banken-Wertberichtigungen

Eine neue Bewährungsprobe steht an

VonPeter Köhler

Wenn die deutsche Finanzaufsicht öffentlich etwas Mahnendes sagt, muss man aufhorchen. „Aus Aufsichtssicht haben wir große Sorge, dass uns die Wertberichtigungen im Kreditgeschäft einholen werden. Was bisher an Risikovorsorge gebildet wurde, kann noch lange nicht alles sein“, sagt Peter Lutz, Abteilungspräsident Banken bei der BaFin, mit Blick auf 2010.

Für die Banken wird 2010 im Zeichen der Wertberichtigungen auf Kredite stehen, schließlich erwarten fast alle Experten den Höhepunkt der Insolvenzen für Mitte 2010. Quelle: dpa

Für die Banken wird 2010 im Zeichen der Wertberichtigungen auf Kredite stehen, schließlich erwarten fast alle Experten den Höhepunkt der Insolvenzen für Mitte 2010.

FRANKFURT. Wenn die deutsche Finanzaufsicht öffentlich etwas Mahnendes sagt, muss man aufhorchen. "Aus Aufsichtssicht haben wir große Sorge, dass uns die Wertberichtigungen im Kreditgeschäft einholen werden. Was bisher an Risikovorsorge gebildet wurde, kann noch lange nicht alles sein", sagt Peter Lutz, Abteilungspräsident Banken bei der BaFin, mit Blick auf 2010.

Für die Banken wird 2010 im Zeichen der Wertberichtigungen auf Kredite stehen, schließlich erwarten fast alle Experten den Höhepunkt der Insolvenzen für die Mitte des Jahres. Das wird vor allem für die Sparkassen und Genossenschaftsbanken eine Herausforderung, denn sie decken den Löwenanteil des Kreditbedarfs der mittelständischen Wirtschaft ab.

Die Experten erwarten, dass sich die Wertberichtigungswelle langsam aufbaut. Ein plötzlicher Schock wie die Pleite von Lehman Brothers werde sich kaum wiederholen. "Die Belastungen aus dem Firmenkundengeschäft werden nur langsam sichtbar. Auch in der gewerblichen Immobilienfinanzierung ist noch nicht alles ausgestanden", sagt Walter Sinn, Bankenexperte bei der Boston Consulting Group (BCG).

Nach Schätzungen der Bundesbank drohen den deutschen Finanzinstituten bis Ende kommenden Jahres Belastungen von bis zu 90 Mrd. Euro. Während in den vergangenen Jahren die Abschreibungen auf toxische Wertpapiere dominierten, rücken jetzt die Buchkredite in den Vordergrund. Hier schätzen die Frankfurter Notenbanker den Wertberichtigungsbedarf in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht auf 50 bis 75 Mrd. Euro. Das Ausmaß der Belastungen hängt vom weiteren Konjunkturverlauf ab. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn. Er geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Bankenverluste noch nicht aufgedeckt sind.

Das ist eine erhebliche Bedrohung, doch immerhin ist sie berechenbarer als die Schäden des Subprime-Debakels. Die Banken können auf historische Zeitreihen aus vergangenen Rezessionen zurückgreifen, um die Ausfälle im normalen Kreditgeschäft zu kalkulieren.

Dennoch bleiben die Experten der Ratingagentur Standard & Poor's skeptisch. "Wir glauben, dass die Lage der Banken noch immer fragil ist", sagt Bankenexperte Stefan Best. Die Wachstumsperspektiven seien angesichts der wachsenden staatlichen Defizite und der hohen Risiken durch die übermäßige Verschuldung vieler privater Haushalte und Unternehmen auf Jahre hinaus trübe. Auf diese Situation hätten sich die Banken in sehr unterschiedlichem Maße durch Risikovorsorge vorbereitet. Auch im Kreditgeschäft werde sich also die Spreu vom Weizen trennen.

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