Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2016

16:46 Uhr

Banken zu Panama Papers

„Das ist Bullshit“

VonMichael Brächer

Die „Panama Papers“ enthüllen Briefkastenfirmen von Staatschefs, Diktatoren, Sportlern. Häufig waren Banken dabei Vermittler. Während der Chef der russischen VTB-Bank die Vorwürfe bestreitet, zeigt mancher Bankchef Reue.

Russlands Staatspräsident (l.) 2014 bei einem Treffen mit dem Chef der Staatsbank VTB. AP

Wladimir Putin (l.) mit Andrej Kostin

Russlands Staatspräsident (l.) 2014 bei einem Treffen mit dem Chef der Staatsbank VTB.

FrankfurtAndrey Kostin gilt Mann der klaren Worte. Aber jetzt hat sich der Chef der russischen VTB-Bank sogar für seine Verhältnisse übertroffen: „Das ist Bullshit“, sagte Kostin über die Enthüllungen um die so genannten Panama Papers. „Herr Putin war nie darin verwickelt.“

Das internationale Recherchenetzwerk ICIJ hatte über heimliche Millionengeschäfte mit Briefkastenfirmen berichtet, mit denen Staatschefs, Diktatoren und Sportstars ihr Vermögen verschleiert haben sollen. So sollen enge Vertraute des russischen Präsidenten Vladimir Putin mehr als zwei Milliarden Dollar außer Landes geschafft haben.

Banken kam dabei offenbar eine Schlüsselrolle zu. Mehr als 500 Institute tauchen in den „Panama Papers“ auf, die dem Recherchenetzwerk ICIJ zugespielt wurden. Bei insgesamt 15.600 Firmen, die über die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca registriert wurden, sollen Banken die Registrierung übernommen haben.

Eine Briefkastenfirma zu nutzen, ist kein Verbrechen – für manche grenzüberschreitende Geschäfte bieten sich die Offshore-Vehikel sogar an. Aber die Briefkastenfirmen spielen bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung oft eine tragende Rolle. Trotzdem weisen viele Institute die Schuld von sich, denn alle Kunden würden ausführlich überprüft. Einige Banken versprechen, in Zukunft noch genauer hinzuschauen – andere haben den fragwürdigen Kundenservice ganz eingestellt.

Die Deutschen Bank räumte am Montag ein, dass sie Kunden bei der Vermittlung von Offshore-Dienstleistungen geholfen habe. „Wir sind uns der Bedeutung dieser Angelegenheit vollkommen bewusst“, sagte ein Sprecher. Man habe das Kundenannahmeverfahren verbessert, damit geltendes Recht eingehalten wird.

In Deutschland waren Ermittler schon im vergangenen Jahr durch ein Datenleck auf die Spur von Banken geraten, die Kunden bei der Einrichtung von Offshore-Gesellschaften geholfen hatten. Commerzbank, Hypovereinsbank und HSH Nordbank schlossen deshalb millionenschwere Vergleiche ab. Nun geraten Institute rund um den Globus durch die Veröffentlichungen des Recherchenetzwerks ICIJ unter Druck.

Könige, Kicker, korrupte Politiker

Putins Umfeld

Aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin sollen bis zu zwei Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) über Mossack Fonseca ins Ausland geschafft worden sein. Das Geld kam von Präsidentenberatern und von Banken und Unternehmen mit Kreml-Verbindungen. Der Kreml verurteilte die Enthüllungen als „Informations-Attacke“.

Islands Ministerpräsident

Der isländische Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson könnte über die Affäre stürzen: Noch in dieser Woche muss er sich einem Misstrauensvotum stellen. Gunnlaugsson und seine Frau haben während der Finanzkrise über die Panama-Kanzlei mehrere Millionen Dollar aus Investitionsgeschäften ins Ausland geschleust.

David Camerons und Xi Jingpings familiäre Umfelder

Die Spuren führen auch ins familiäre Umfeld zweier Staatsmänner, die sich besonders mit der Forderung nach Transparenz und Korruptionsbekämpfung profilierten: Der britische Premierminister David Cameron und Chinas Präsident Xi Jingping haben Angehörige, die in Verbindung zu einschlägigen Briefkastenfirmen standen.

Salman, Poroshenko und Sharif

Auch Saudi-Arabiens König Salman, Vertraute des ukrainischen Präsidenten Petro Poroshenko sowie Kinder des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliew und von Pakistans Premierminister Nawaz Sharif sind in den „Panama-Papers“ verzeichnet. Auch sie sollen Briefkastenfirmen betrieben haben.

Drogenbarone und Terrororganisationen

Als Kunden von Mossack Fonseca fanden sich die Staatsmänner in Gesellschaft notorischer Krimineller wieder: Die Kundenkartei verzeichnet Drogenbarone, Geschäftsmänner und Unternehmen mit Verbindungen zu terroristischen Organisationen und einen US-Geschäftsmann, der wegen Geschlechtsverkehrs mit Minderjährigen im Gefängnis saß. Er unterzeichnete den Vertrag mit der Kanzlei in der Zelle.

Lionel Messi

Fußball-Weltstar Lionel Messi und sein Vater legten sich über die Finanzkanzlei eine Strohfirma zu, die den spanischen Steuerbehörden bislang nicht bekannt war. Der frühere Uefa-Boss Michel Platini wandte sich 2007 mit der Bitte an Mossack Fonseca, eine Briefkastenfirma in Panama zu eröffnen.

Banken

Mehr als 500 Banken – unter ihnen renommierte Geldinstitute – arbeiteten seit den 70er Jahren mit Mossack Fonseca zusammen, um Briefkastenfirmen für Kunden zu managen. Die Schweizer Großbank UBS richtete auf diese Weise 1100 Briefkastenfirmen ein, die in London ansässige HSBC mehr als 2300.

So soll alleine die britische Großbank HSBC über zwei Tochterfirmen insgesamt mehr als 1500 Offshore-Firmen registriert haben. Die Bank signalisierte Kooperationsbereitschaft: „Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen, um Finanzdelikte zu bekämpfen und Sanktionen zu erfüllen“. Unter bestimmten Umständen halte man Offshore-Konten aber offen. Etwa, wenn Kunden ausführlich überprüft wurden – oder Behörden eine Überwachung der Konten anordnen, um Kunden auf die Spur zu kommen.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung: „Die Geldgier dieser Superreichen verbindet sich mit der Gewissenlosigkeit im Banken- und Finanzsektor. Beides zerstört das Vertrauen in den Rechtsstaat. (...) Wer die Leistungsbereitschaft in einer sozialen Marktwirtschaft erhalten will, muss diese organisierte Kriminalität von Banken und Finanzjongleuren mit allen Mitteln bekämpfen.“

Gabriel stellte weitgehende Forderungen auf: „Wir müssen Briefkastenfirmen und Stiftungen, deren wirtschaftlich Berechtigte anonym bleiben, weltweit verbieten. Die Staatengemeinschaft muss die Länder ächten, die solche schmutzigen Geschäfte weiter zulassen.“

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fritz Yoski

04.04.2016, 15:23 Uhr

Kein Sorge "Die" duerfen das. Steuern sind nur fuer Normalos.

Herr Alex Lehmann

04.04.2016, 15:25 Uhr

So und jetzt die Dokumente den jeweiligen Staaten zur Verfügung stellen, dass diese nach EIGENEM RECHT hier handeln können, sollten Steuerhinterziehungen überhaupt begangen worden sein. Bisher sind das ja nur Unterlagen über Kontoführungen. Will net wissen wieviel westliche Konzerne oder Reiche im Ausland Konten haben, vor allem würde mich Wilmington/Delaware, St.Helen oder auch Cayman Islands richtig interessieren. Aber naja ein Konto oder einen Firmensitz auf den Bahamas oder sonstwo, ist ja nunmal rechtens, solange man es auch angibt...

Herr Vinci Queri

04.04.2016, 15:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×