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26.05.2015

12:27 Uhr

Banken-Zweigstellen

DZ Bank warnt vor massivem Filialsterben

VonMartin Dowideit

Ob Sparkassen, Volksbanken oder private Geldhäuser: Die Profitabilität deutscher Banken steht unter Druck. Eine Folge: Bank-Filialen sterben aus. Auch für die Belegschaft heißt das nichts Gutes, so eine Studie.

Die Deutsche Bank wird in den kommenden Jahren 200 eigene Filialen schließen. dpa

Bankfiliale

Die Deutsche Bank wird in den kommenden Jahren 200 eigene Filialen schließen.

DüsseldorfDer Weg zur nächsten Bankfiliale wird für viele Deutsche länger werden. Nach einer Schätzung der DZ Bank, dem Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, steht ein wahrer Kahlschlag bevor. Bis zum Jahr 2030 werde die Zahl der Filialen auf unter 20.000 zurückgehen, heißt es in einer Studie des Geldinstituts. Das entspräche einem Rückgang von deutlich über 40 Prozent.

Ende 2013 gab es nach Daten der Bundesbank etwa 36.000 Bankfilialen in Deutschland (inklusive Bausparkassen). Gegenüber 2010 entsprach das bereits einem Rückgang von etwas mehr als fünf Prozent. Doch etliche Banken haben bereits große weitere Filialschließungen angekündigt. Dazu gehören die Hypo-Vereinsbank (HVB) und die Deutsche Bank. Die HVB schließt derzeit etwa die Hälfte ihrer Filialen, die Deutsche Bank will 200 eigene Filialen dicht machen. Auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken schließen Zweigstellen oder wandeln sie in Selbstbedienungsfilialen um.

Filialsterben (ausgewählte Bank-Gruppen)

Sparkassen

Zahl der Filialen (Ende 2010): 13.025

Zahl der Filialen (Ende 2013): 12.323

Veränderung 2013 vs. 2010: -5,3 Prozent

Quelle: Bundesbank

Volksbanken/Raiffeisenbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 11.830

Zahl der Filialen (Ende 2013): 11.335

Veränderung 2013 vs. 2010: -4,2 Prozent

Großbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 8.132

Zahl der Filialen (Ende 2013): 7.610

Veränderung 2013 vs. 2010: -6,4 Prozent

Regional- und Kreditbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 2.604

Zahl der Filialen (Ende 2013): 2.424

Veränderung 2013 vs. 2010: -6,9 Prozent

Dieser Trend werde sich fortsetzen, so die DZ Bank. Es würden „weitere Filialen in reine SB-Stellen mit Geldautomat, Auszugsdrucker und Serviceterminal umgewandelt“ werden und auch „weiße Flecken“ auf der Landkarte entstehen. Auch für die Zahl der Beschäftigten schwant der DZ Bank nichts Gutes. Sie werde von etwa 614.000 auf unter eine halbe Million sinken.

Die Prognose der Genossenschaftsbanker deckt sich mit ähnlichen Analysen etwa der staatlichen Förderbank KfW. Die KfW fürchtet eine signifikante „Konzentration im regionalen Bankenmarkt“, was negative Auswirkungen etwa auf die Verfügbarkeit von Krediten für kleinere und mittlere Unternehmen haben könnte.

Als Ursache für das Filialsterben gelten mehrere Faktoren: Der anhaltende Konkurrenzkampf der Filialbanken mit reinen Online-Instituten, die schrumpfenden Rentabilität der gesamten Bankbranche, die Modernisierung der Informationstechnologie und schrumpfende Zinsspannen. Erhöhte Regulierungsauflagen seien ein weiterer Faktor, da sie Kostensenkungen in anderen Bereichen nötig machten.

Die Volks- und Raiffeisenbanken selbst wollen aber vom Rückzug großer privater Banken aus dem Filialgeschäft profitieren. „Das ist ohne Frage eine Chance“, hatte Uwe Fröhlich, Präsident des genossenschaftlichen Bankenverbands BVR, im Frühjahr gesagt. Die Genossen könnten im Privat- und Firmenkundengeschäft Kunden gewinnen, wenn sich die Konkurrenz aus der Fläche zurückziehe. Ohne Frage wird aber auch bei den Genossen der Filialabbau weitergehen.

Die DZ Bank formuliert zurückhaltend, dass „für deren Kunden (...) eine Filialschließung meist nur etwas weiteren, aber akzeptablen Weg zur nächsten Filiale“ bedeute.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

26.05.2015, 12:57 Uhr

Individuelle Kundenbindung + Berücksichtigung der Kundenbelange ist halt nicht mehr "in". Alles wird zentral verwaltet und entschieden. Selbst der Filialleiter hat oftmals nichts mehr zu entscheiden.
Da fragt man sich als Kunde schon, warum man denn noch eine Filiale benötigt?
Haste was, bekommste was. Haste nichts, kriegste noch weniger.

Onlinekonto, Onlinekredit, Online-Aktienkauf...ich selbst als Kunde hab nichts von der Filiale vor Ort. Insofern ... geht die "Warnung" ungesehen an mir vorbei.

Herr Heinz Keizer

26.05.2015, 14:33 Uhr

wir haben in Deutschland eine zu hohe Bankendichte. Wenn sich die Bedingungen verschlechtern, rechnen sich kleine Filialen nicht mehr. Wie bereits seit Jahrzehnten im Einzelhandel wird es auch im Finanzsektor zu einem deutlichen Abbau kommen. Wer nicht sein Geld online anlegen kann oder will, muß halt weitere Wege in Kauf nehmen. Zum nächsten Lebensmittelgeschäft muß ich heute oft auch einige Kilometer fahren. Für ältere Leute auf dem Lande ist das oft ein Problem. Die Entwicklung wird aber auch im Bankenbereich nicht aufzuhalten sein.

Herr Nehal Devanowitch

26.05.2015, 15:08 Uhr

Profitabilität. Ich frage mich wo das Ganze Geld versickert. Wenn ich rechne was ich an Bankgebühren zahle (und damit meine ich kein Trading) dann sind das enorme Kosten. Und ich habe mir schon die günstigsten Wege gesucht. Gerstern erst war ich bei der Spasskasse und habe mir dort eine Rolle Münzen geholt, mindestgebühr 0,5€ zzgl weiterer Kosten, am Ende hatte ich 8% Gebühren zahlen müssen.
Heut zutage geht doch alles über PC, ich zahle 0,05€ pro Buchung und aus meiner sicht ist der Aufwand dahinter fast gleich null.

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