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03.02.2011

11:19 Uhr

Bankenabgabe

Ackermann beklagt sich über die „Lex Deutsche Bank“

Die Deutsche Bank hat heute ihre komplette Bilanz für 2010 vorgelegt – und vor allem einen Blick in die Zukunft geworfen. Deutschlands größtes Geldhaus wird ihren Umbau deutlich vorantreiben. Doch für die Aktionäre gibt es nicht nur gute Nachrichten.

Josek Ackermann auf der Bilanzpressekonferenz heute in Frankfurt: gemäßigt optimistisch. Reuters

Josek Ackermann auf der Bilanzpressekonferenz heute in Frankfurt: gemäßigt optimistisch.

HB/pk/pan FRANKFURT. Die Deutsche Bank ist nach Ansicht von Vorstandschef Josef Ackermann der Hauptleidtragende der Bankenabgabe hierzulande. „Die Bankenabgabe betrachten wir als Lex Deutsche Bank“, sagte der Schweizer am Donnerstag. Die Bundesregierung hofft auf Einnahmen von 1,3 Milliarden Euro, mit denen ein Fonds für künftige Bankenrettungen finanziert werden soll.

Auf die Privatbanken entfallen Schätzungen zufolge 700 Millionen Euro, den Rest zahlen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Finanzkreisen zufolge rechnet die Deutsche Bank allein mit einer Belastung von rund 500 Millionen Euro. Hinzukommen nach jetzigem Stand die Kosten für eine ähnliche Abgabe in Großbritannien.

Die Deutsche Bank treibt ihren Umbau voran. Der Verkauf der BHF-Bank solle möglichst bald abgeschlossen werden, sagte Bankchef Josef Ackermann auf der Jahrespressekonferenz des Instituts. Auch bei der Integration von Sal. Oppenheim macht das Frankfurter Geldhaus Druck.

Bereits in diesem Jahr solle die Privatbank, für die die Deutsche Bank im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Euro bezahlt hatte, mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis abliefern, sagte Ackermann. Ab 2014 soll Sal. Oppenheim dann zwischen 100 und 150 Millionen Euro zum Vorsteuerergebnis beitragen.

Zudem will das Institut ihr Geschäft in Fernost ausbauen. Für das Wachstum der Bank habe derzeit Asien Priorität, sagte Josef Ackermann. Besonders in China und Indien sei der Bedarf an Bankdienstleistungen sehr hoch; die Kapitalmärkte dort wiesen ein beträchtliches Potenzial auf. „Um die enorme Dynamik zu nutzen, werden wir in Asien weiter in Kerngeschäftsfelder investieren.“

Denn die Deutsche Bank erwartet auch in den kommenden Jahren robuste Wachstumsraten Chinas. Er sei beeindruckt, wie bewusst sich führende chinesische Politiker möglicher Gefahrenherde, etwa einer Überhitzung des Immobilienmarktes, seien, sagte der Vorstandschef. Die Gefahr eines möglichen Rückschlages halte er derzeit für vergleichsweise gering. Die Deutsche Bank habe ihr Geschäft in China aber sehr bewusst sehr breit aufgestellt, um mögliche Risiken abfedern zu können, sagte Ackermann.

Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank in Asien Erträge von 3,1 Milliarden Euro verbucht. Für 2011 sollen es mindestens vier Milliarden Euro sein.

Außerdem warnte die Deutsche Bank davor, die Finanz- und Schuldenkrise allzu früh abzuhaken. Das Schlimmste sei zwar überstanden, sagte Ackermann. „Wir sind aber noch nicht über dem Berg“. Es sei eine gefährliche Illusion zu glauben, Deutschland könne sich von den Problemen einzelner Eurostaaten und kräftig wachsen, während andere zurückblieben. Eine Krise des Euro sieht Ackermann dagegen nicht. Es sei vielmehr eine Krise einzelner Mitgliedsstaaten, sagte der Bankchef.

Was für die Deutsche Bank nicht infrage kommt ist, Anleihen aus hochverschuldeten Euro-Staaten zu kaufen, um deren Defizite zu finanzieren. Das sei nicht unser Geschäftsmodell, sagte Ackermann. Die Risiken seien zu hoch. Solche Geschäfte seien nicht im Sinne der Kunden.

Das Argument vieler Kritiker, letztlich schütze der Euro-Rettungsschirm vor allem die europäischen Großbanken, weil die große Anleihe-Bestände der Krisenländer im Portfolio hätten, nannte Ackermann „irre“. Für die Deutsche Bank und andere deutsche Privatbanken könne er sagen, dass es sich hierbei nicht um große Volumina handele.

Vorher hatte die Deutsche Bank ihre Bilanz für 2010 vorgelegt und einen Ausblick gegeben: Das Institut hält trotz eines Gewinneinbruchs 2010 an ihren Rekordzielen für dieses Jahr fest. Vorstandschef Josef Ackermann setzt dabei vor allem auf das Kapitalmarktgeschäft, das auch im vergangenen Jahr gegen den Branchentrend wuchs und den Löwenanteil zum Gewinn beisteuerte.

Insgesamt peilt der Schweizer 2011 ohne Sonderfaktoren ein Ergebnis von zehn Milliarden Euro vor Steuern an. „Trotz verbleibender Risiken und Unwägbarkeiten hinsichtlich des wirtschaftlichen Umfelds sind wir zuversichtlich, dass wir dies schaffen werden“, erklärte Ackermann am Donnerstag. Er sprach von ehrgeizigen Zielen. Von Reuters befragte Analysten trauen dem größten deutschen Geldhaus bislang angesichts schärferer Regulierung nur 8,6 Milliarden Euro zu.

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