Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2013

12:30 Uhr

Bankenaufseher besorgt über Kreditwettbewerb

Schiffskredite bereiten der Bafin Sorge

Die Schiffsbranche steckt in einer schweren Krise. Daher drohen auch deutschen Großbanken Abschreibungen auf ihre Schiffskredite. Die Finanzaufsicht BaFin sieht dringenden Handlungsbedarf.

Frachtschiff auf dem Rhein bei Leverkusen am Bayerwerk. Die Krise der Schifffahrt trifft auch die Banken. dpa

Frachtschiff auf dem Rhein bei Leverkusen am Bayerwerk. Die Krise der Schifffahrt trifft auch die Banken.

FrankfurtDeutschen Großbanken drohen weitere Abschreibungen auf ihre Schiffskredite. Die Finanzaufsicht BaFin sieht nach einer Prüfung der Bestände an Schiffsfinanzierungen in den Büchern der Banken Handlungsbedarf. "Wir sind bei einigen Instituten mit den Ergebnissen nicht zufrieden", sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Sonntag und bestätigte damit einen Bericht des Magazins "Der Spiegel". "Wir wollen schnell handeln. Das wird uns schon in den nächsten Wochen weiter beschäftigen." Ob die betroffenen Banken wegen der Abschreibungen frisches Kapital bräuchten, ließ sie offen.

Die Schiffsbranche steckt in ihrer schwersten Krise. Die BaFin hatte die Wirtschaftsprüfer der Banken zu Jahresbeginn angewiesen, auf die Schiffskredite ein besonderes Augenmerk zu legen. Nun liegen erste Ergebnisse vor. Deutsche Institute wie die NordLB, die ohnehin angeschlagene HSH Nordbank und die Commerzbank, aber auch die zur DZ Bank gehörende DVB Bank gehören zu den größten Schiffsfinanzierern der Welt. Eine Entspannung der Lage erwarten Experten frühestens 2014. Die Eigner und Betreiber bestimmter Schiffstypen kommen mit der Krise allerdings besser zurecht als andere.
Klar Schiff machen
Die BaFin will offenbar noch vor der Bilanzprüfung durch die Europäische Zentralbank (EZB) bei den deutschen Großbanken klar Schiff machen. Die EZB übernimmt im Herbst 2014 direkt die Aufsicht über rund 150 Banken in der Euro-Zone. Spätestens Anfang 2014 sollen bei diesen Instituten Risiken identifiziert und mögliche Kapital-Löcher gestopft werden, um zu verhindern, dass die EZB Altlasten bereinigen muss. Eine flächendeckende Vorprüfung durch die nationale Aufsicht werde es aber nicht geben, sagte die Sprecherin der BaFin.

Quartalsergebnis: Commerzbank meldet 720 Millionen Euro Verlust

Quartalsergebnis

Commerzbank mit 720 Millionen Euro Verlust

Die Commerzbank macht es der Deutschen Bank gleich und meldet einen deutlichen Verlust.

Nach der Pleite der US-Autometropole Detroit ist die Bonner Behörde derzeit auch dabei, das Engagement der deutschen Banken in der Finanzierung von US-Kommunen unter die Lupe zu nehmen. Sie nutze dazu zunächst die bereits vorliegenden Daten, sagte die Sprecherin. Gebietskörperschaften in den USA können anders als in Deutschland auch in die Insolvenz gehen. Die staatliche "Bad Bank" der Hypo Real Estate, FMS Wertmanagement, sitzt auf rund 200 Millionen Dollar an Detroit-Krediten, bei der Commerzbank sind es Finanzkreisen zufolge rund 400 Millionen Dollar. Beide haben einen Teil davon bereits abgeschrieben.

Grundsätzlich befürchtet die Finanzaufsicht, dass deutsche Banken angesichts des harten Konkurrenzkampfs Kredite zu billig vergeben. "Wir beobachten einen scharfen Wettbewerb im Kreditgeschäft, der dazu führen kann, dass nicht mehr überall risikogerechte Margen verlangt werden", sagte der oberste BaFin-Bankenaufseher Raimund Röseler der Zeitung "Euro am Sonntag". Anzeichen einer Kreditverknappung seien in Deutschland nicht zu sehen.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

smawa

02.08.2013, 15:43 Uhr

Die o.g. Krise ist weniger eine "Krise der Schiffahrt" als eher eine von der HSH (Marktanteil 60%) erzeugte.

Die HSH-Bad Bank (HSH-Abwicklungsbank) bekam deren Schiffskredite übertragen und versucht nun, mit "Kaputtmachen" gesunder Schiffe so viel wie möglich "rauszuholen".

Schiffe werden meist hälftig von Banken und Anlegern finanziert. Wenn die Frachtraten (und damit der Schiffswert) sinken, bekommen zuerst die Anleger keine Ausschüttungen mehr. Sinken die Raten weiter, stundete die Bank früher die Tilgung und später ggf. auch den Darlehenszins. Danach wurden Anleger vielleicht auch um Zuzahlungen gebeten und man "hielt gemeinsam durch", bis die meist 2-3 Jahre gehenden Krisen überwunden waren.

Heute ist das anders, da die HSH beim kleinsten Zahlungsverzug sofort die Darlehen kündigt und gesunde Schiffe (bei denen 2014 alles wieder i.O. wäre) zur Insolvenz treibt.

Skurril ist, dass man das Spiel bei Schiffen macht, wo der Schiffswert über der Darlehens-Restschuld liegt (d.h. wo in der Vergangenheit vorbildlich getilgt wurde). Dann kriegt die Bank bei Kündigung und Versteigerung selbst ihr Geld voll wieder, aber die Anleger verlieren (trotz des an sich gesunden Fonds) meist ihre Einlage. Und gerade "kranke" Fonds (mit einer Restschuld über Schiffswert) werden mit Stundungen "gestützt". Allerdings auch nur, bis sie wieder gesund sind (um dann auch kaputt gemacht zu werden).

Das System ist so perfide, dass man es kaum aushalten kann. Besonders wenn "mit der Bank verbundene Gesellschaften" bei den Versteigerungen die Schiffe dann zu Spottpreisen (natürlich ohne die "lästigen" Anleger) hintenrum wieder aufkaufen. Um daran Millionen zu verdienen (wenn der Wert des Schiffes bei steigenden Einkünften wieder steigt).

Es ist abartig, was für Auswirkungen das Gezocke von Herrn Nonnenmacher (N) und seinem Umfeld für Spätfolgen hat. Aber das Gebaren der HSH war vor der Finanzkrise schon unsäglich und ist es (unabhängig von N.) auch heute noch.

Christian Sensmeier

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×