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19.02.2013

07:21 Uhr

Bankenaufseher Röseler

„Wir stellen ein Herdenverhalten fest“

VonFrank Matthias Drost

Seit 20 Jahren schrumpfen die Margen der Banken, die Finanzkrise ist nicht verdaut und die Geldhäuser stürzen sich auf nur ein Kundensegment. Die Finanzaufsicht Bafin warnt daher vor neuen Schieflagen in der Bankenwelt.

Bafin-Bankenaufseher Raimund Röseler.

Bafin-Bankenaufseher Raimund Röseler.

BerlinAuf der 11. Handelsblatt Jahrestagung „Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken“ spricht die Branche über Wege aus der Vertrauenskrise und Wachstumschancen trotz strengerer Regulierung. Der oberste Bankenaufseher bei der Finanzaufsichtsbehörde, Raimund Röseler, wirbt im Interview für den heilenden Effekt neuer Kapitalregeln und warnt vor einem erneuten Herdentrieb der Branche.

Herr Röseler, die Bundesregierung ist in den Regulierungsgalopp übergegangen und hat bei vielen Vorhaben etwa beim Trennbankensystem eine Vorreiterrolle in Europa übernommen. Führt das nicht zu einem schädlichen Regulierungswettbewerb?
Ich finde es wichtig, dass Deutschland international vorangeht. Bei der Regulierung der Finanzmärkte darf nicht der Langsamste das Tempo bestimmen. 

Aber könnte man nicht zumindest in der EU aufeinander warten?
Wenn man sieht, dass im Jahr sechs nach Krisenbeginn etwa zuletzt in den Niederlanden oder Frankreich noch immer Banken mit Steuermitteln gerettet werden, ist das furchtbar unbefriedigend. Wir sollten daher jeden Schritt nutzen, um das die ‚too big to fail‘-Problematik aus der Welt zu schaffen.

Die Regulierer greifen ja immer stärker in das Räderwerk der Banken und nehmen damit auch Einfluss auf die Geschäftsmodelle. Sind Regulierer die besseren Banker?
Wir bemühen uns, die Regulierung neutral für die Geschäftsmodelle aufzustellen. Wir streben aber risikoorientierte Kapitalanforderungen an.  Richtig ist, dass wir uns stärker als in der Vergangenheit mit den Geschäftsmodellen beschäftigen. Nicht alle Geschäftsmodelle taugen für Wachstum.

Viele Banken haben den Mittelstand als neues Geschäftsfeld entdeckt. Droht da ein ruinöser Wettbewerb?
Ich habe auf jeden Fall meine Zweifel, ob es so viel mittelständische Unternehmen gibt, dass alle Banken davon auskömmlich leben können. Wir stellen da schon ein gewisses Herdenverhalten fest.

Das steckt in Basel III

Konsequenz aus Finanzkrise

Die Basel III genannten Eigenkapitalregeln sind ein wesentliches Element der Reformen, die die wichtigsten Wirtschaftsmächte (G20) als Konsequenz aus der Finanzkrise eingeleitet haben. Der Begriff Basel III bezeichnet das Reformpaket des Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Kapital- und Liquiditätsvorschriften

Die Bankenaufseher hatten die neuen globalen Kapital- und Liquiditätsvorschriften bereits im September 2010 vereinbart – jetzt geht es um die Umsetzung. Die Banken müssen die Regeln schrittweise von 2013 bis 2019 einhalten.

Mehr eigenes Kapital

Die zentrale Vorgabe lautet, dass Banken weltweit künftig mehr eigenes Kapital von besserer Qualität vorhalten müssen, um Risiken aus Kreditgeschäften absichern zu können. So soll vermieden werden, dass wieder die Steuerzahler mit Milliarden-Rettungshilfen einspringen müssen, wenn eine Bank in Schieflage gerät.

„Hartes“ und „weiches“ Kernkapital

Es gibt unterschiedliche Eigenkapitalformen. Zur Absicherung der Risiken ist aber vor allem das Kernkapital wichtig. Es gibt „hartes“ und „weiches“ Kernkapital, wobei in Turbulenzen und für die Stabilität das „harte“ Kernkapital entscheidend ist. Dieses besteht unter anderem aus eigenen Aktien der Bank und einbehaltenen Gewinnen – ist demnach Eigenkapital von höchster Qualität.

Kernkapitalquote

Die sogenannte Kernkapitalquote weist aus, wie viele mit Risiko behaftete Positionen - vor allem Kredite - durch eigenes Kernkapital abgedeckt sind, wie groß also letztlich der eigentliche Puffer ist.

Puffer für Konjunkturphasen

Die „harte“ Kernkapitalquote soll von jetzt zwei auf sieben Prozent steigen. Zusätzlich sollen künftig strengere Regeln gelten, was zum Kernkapital gezählt wird. Hinzu kommen weitere Puffer, um etwa das Auf und Ab von Konjunkturphasen zu dämpfen. Unterm Strich addieren sich die Eigenkapitalanforderungen auf 10,5 Prozent. Nationale Aufschläge sollen möglich sein.

Haben wir zu viele Banken?
Im Kern haben wir nicht zu viele Banken, aber eine zu große Bankkapazität für bestimmte Geschäftsfelder. In einer ähnlichen Situation sind Banken vor einigen Jahren in die USA ausgewichen, um dort Verbriefungen zu kaufen. Das taten selbst Banken mit einer gesunden Kundenbasis. Das Ende ist bekannt. Vor der Finanzkrise hätte es jedoch kein Anteilseigner honoriert, wenn ein Vorstand gesagt hätte, wir wollen schrumpfen. Aber zu dieser auch für viele Manager neuen Erkenntnis müssen wir jetzt kommen. Ein tendenziell schrumpfender Bankensektor ist vernünftig.

Besteht nicht dennoch die Gefahr, dass Banken wieder ein größeres Rad drehen, um ihre Rentabilität zu steigern?
Die Gefahr besteht. Deswegen schauen wir uns auch die Geschäftsmodelle an. Zudem vergleichen wir die Strategien der Institute auch viel stärker als früher. Wir fragen, in welchen Geschäftsbereichen sie welche Erträge erzielen wollen. Wenn wir feststellen würden, dass die zehn größten Banken zum Beispiel Ferienhäuser in Mecklenburg-Vorpommern als neues Geschäftsfeld entdecken, wissen wir, dass das nicht für alle auskömmlich sein wird.

Kommentare (38)

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Ofelas

19.02.2013, 07:26 Uhr

Bankenaufsicht, strenge Regulierung......Gebrueder Grimm oder haben die einfach die letzten 15 Jahre verschlafen

Account gelöscht!

19.02.2013, 08:05 Uhr

Bei den Wörtern "Seit 20 Jahren schrumpfen die Margen der Banken [...]" habe ich aufgehört das Märchen hier zu lesen.

mandrose

19.02.2013, 08:12 Uhr

sorry, aber das ist ja nun wirklich ein liuxusproblem..wenn ich diese probleme hätte..
der beitrag ist, gelinde gesagt, wirklich bullshit.
wenn banken notleidend sind werden diese vom statt gerettet. keiner kann mir wirklich plausibel sagen warum eigentlich. wenn ich als unternehmer mist baue ist mein unternehmen am schluß pleite und verschwindet vom markt. das, liebe (neo)liberale nennt sich unternehmerisches risiko. bei banke wird dieses vom staat (den steuerzahler) abgefededert..
also, liebes hb: bitte etwas mehr qualität bei solchen berichten..

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