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24.09.2015

14:21 Uhr

Bankenaufseher-Treffen

Regulierer nehmen Investoren in die Mangel

„Too big to fail“: vier Worte als Symbol einer Krise, die 2008 bei US-Großbanken begann und bis heute Volkswirtschaften in Atem hält. Aufseher wollen Investoren künftig an Bankverlusten beteiligen. Ein Showdown droht.

Am 15. September 2008 meldete Lehman Brothers Insolvenz an. Weil die US-Großbank stark mit zahlreichen anderen Instituten vernetzt war, löste die Insolvenz eine Bankenkrise aus. dpa

Lehman Brothers

Am 15. September 2008 meldete Lehman Brothers Insolvenz an. Weil die US-Großbank stark mit zahlreichen anderen Instituten vernetzt war, löste die Insolvenz eine Bankenkrise aus.

FrankfurtWenn die Aufseher für das weltweite Bankenwesen am Freitag in London zusammenkommen, steht ein Showdown um die Beteiligung von Investoren an Verlusten bei Banken an. Die Behörden wollen sicherstellen, dass keine Steuergelder für eine Rettung aufgewendet werden müssen, wenn eine große Bank zusammenbricht.

Das Financial Stability Board hält am Freitag eine Plenarsitzung ab, um die Arbeit an den Vorschriften zur gesamten verlustabsorbierenden Kapazität (Total Loss-absorbing Capacity oder TLAC) abzuschließen. Dabei stehen Länder wie Deutschland und die USA, die eine möglichst strenge Regelung anstreben, gegen Japan, Frankreich und andere Staaten, die eine lockerere Regelung wollen, wie informierte Kreise berichten.

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Egal, welches Lager sich durchsetzt, dürften die Regelungen eher die vor allem durch Einlagen finanzierten Großbanken wie JPMorgan Chase und Wells Fargo treffen als die risikofreudigen Investmentbanken. Einige Analysten sehen darin ein den ursprünglichen Absichten widersprechendes Ergebnis. Schließlich wurde das FSB vor sechs Jahren von den G20-Ländern geschaffen, um das riskante Verhalten der Banken auszumerzen, das zur Finanzkrise geführt hatte.

Der Entwurf des FSB für die TLAC-Regeln sieht vor, dass Kreditinstitute Kapital und Verbindlichkeiten in Höhe von mindestens 16 bis 20 Prozent ihrer risikogewichteten Aktiva haben, um Verluste abzufedern. Liegt die Quote am unteren Ende dieser Spanne, hätten die meisten großen Banken weltweit kaum Probleme, die Anforderungen zu erfüllen. Eine Zahl am oberen Ende hingegen würde zahlreiche Kreditinstitute – vor allem jene, die sich vor allem über Einlagen finanzieren – zwingen, neue Anleihen über Milliarden von Dollar auszugeben, schätzen Analysten.

Es gibt zwar einen Kompromissvorschlag, aber laut informierten Kreisen ist eine Entscheidung auf der Sitzung in London alles andere als sicher. Möglicherweise muss das FSB die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder bitten, einen Schiedsspruch zu fällen.

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Sollte die TLAC-Quote bei 20 Prozent festgelegt werden, müssten JPMorgan und Wells Fargo das meiste Fremdkapital beschaffen, um das Ziel zu erreichen – rund 85 Milliarden Dollar beziehungsweise 65 Milliarden Dollar, rechnet Paul Smillie, Kreditanalyst bei Columbia-Threadneedle in Singapur, vor. Analysten von CreditSights in New York sehen bei beiden Banken eine Kapitallücke von rund 50 Milliarden Dollar. Investmentbanken, die sich am Kapitalmarkt finanzieren, haben das Kapitalziel laut Smillie dagegen bereits erreicht.

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