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24.11.2011

18:16 Uhr

Bankenaufsicht

Deutsche Bank könnte schärfere Kapitalregeln verkraften

Mit zwei bis drei Milliarden Euro müsste die Deutsche Bank ihr Kapital aufbessern, um den neuen Anforderungen der Bankenaufsicht zu genügen. Sie kann dies jedoch offenbar aus eigenen Mitteln bestreiten.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

FrankfurtDie Deutsche Bank braucht Finanzkreisen zufolge voraussichtlich zwei bis drei Milliarden Euro, um die nochmals verschärften Anforderungen der europäischen Bankenaufseher zu erfüllen. Das größte deutsche Geldhaus werde diesen Bedarf bis Mitte 2012 ausschließlich mit einbehaltenen Gewinnen und dem Abbau von Bilanzrisiken decken können, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. „Eine Kapitalerhöhung ist nicht nötig“, betonte der Insider. Es werde auch keine Einschränkungen in der Kreditvergabe geben. Die Bank habe ihre Kapitalplanungen bereits bei der nationalen Aufsichtsbehörde BaFin eingereicht. Das Institut äußerte sich nicht dazu.

Die europäische Bankenaufsicht Eba ermittelt derzeit den Kapitalbedarf der Institute in Europa - auf Basis einer Marktbewertung aller Euro-Staatsanleihen. Sie will das verlorengegangene Vertrauen in die Banken wiederherstellen, indem sie die 70 größten Institute Europas dazu zwingt, ihr hartes Kernkapital bis Juni 2012 einheitlich auf neun Prozent der risikogewichteten Aktiva aufzustocken.

Bisher schienen die 13 größten deutschen Banken glimpflich davongekommen zu sein. Im Oktober hatte die Eba noch positive Nachrichten verkündet, wonach nur vier der deutschen Banken ihr Kernkapital auf zusammen 5,2 Milliarden Euro aufstocken müssten. Für die Deutsche Bank hatten die Aufseher Reuters-Berechnungen zufolge einen Bedarf von 1,2 Milliarden Euro ermittelt.

Nun droht eine Verschärfung der Kriterien, nach denen die Kernkapitalquote berechnet wird. Die könnte zu einer starken Erhöhung des Kapitalbedarfs führen - vor allem bei deutschen Instituten.

So plant die Eba etwa, dass stille Reserven nicht mehr vollständig als Eigenkapital gewertet werden können. Zudem gilt laut einem Bericht der "Börsenzeitung" bereits als sicher, dass von den Instituten gehaltene Staatsanleihen nicht mehr wie bisher zu Preisen von Ende September, sondern zu Marktpreisen von Ende Juni angerechnet werden sollen. Allein das erhöhe schon den Kapitalbedarf.

Das heftigste für die deutschen Banken ist jedoch, dass sie ihre Buchgewinne aus Positionen von Staatsanleihen nur noch eingeschränkt verrechnen können sollen. Das dürfte sie sehr ärgern, erzielten sie doch dank steigender Kurse für deutsche Staatsanleihen derzeit besonders gute Buchgewinne. Vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Geldinstituten haben sie einen hohen Anteil von deutschen Staatsanleihen.

Vielen Geldinstituten, etwa der Commerzbank dürfte auch die neue Regel zu schaffen machen, nach der die schlechten Ergebnisse der Banken aus dem dritten Quartal in die Berechnungen mit einfließen sollen. Das Geldinstitut kommt auf Grundlage der restriktiveren Annahmen Finanzkreisen zufolge auf eine Kapitallücke von rund fünf Milliarden Euro.

Der genossenschaftlichen DZ Bank würde laut Finanzkreisen Kapital fehlen: Sie habe eine Lücke von rund 350 Millionen Euro ermittelt, sagte eine mit den Berechnungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Nach den vorläufigen Zahlen war die DZ Bank noch unter dem Radar der Aufseher durchgerutscht. In Finanzkreisen hieß es nun, das Institut gehe aber davon aus, den Bedarf durch Einbehaltung von Gewinnen in den nächsten sieben Monaten und den Abbau von Risikoaktiva in der Bilanz decken zu können. Die Bank äußerte sich dazu nicht.

Kommentare (5)

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eric

24.11.2011, 15:10 Uhr

Ja, die Deutschen und ihre Sonderwege. Dass Spaniens Banken (wobei Santander mehr Gewinn abwirft als die Dt. Bank) schon ihr Kapital unverhältnismäßig hoch aufstocken mussten, das interessierte keinen. Dabei ist man dort nicht vom Griechenland-Schrott betroffen. Nun wird es hier noch so dargestellt, dass wieder mal Deutschland benachteiligt wird. Ja, wenn es doch nur einmal so wie der Rest der Welt beurteilt wird, dass wäre die immense Rekordverschuldung Deutschlands, auf einmal, ein Problem. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Scheinwerfer von Resteuropa auf's Glashaus schwenkt und Spekulanten mal prüfen wollen, wie die dt. 2,1-Billonenfrage den jemals gelöst werden soll. Da braucht man nicht auf andere Staaten zu sehen.

Mazi

24.11.2011, 15:29 Uhr

Es mag durchaus sein, dass die Deutsche Bank die Eigenkapitalanforderung nach den zu erwartenden bankaufsichtlichen Regeln erfüllt. Ob das Eigenkapital bei einem Kollaps tatsächlich ausreicht, sei dahingestellt. Die Eigenkapitalanforderungen können angepasst und angepasst werden. Reichen tun sie allemal nicht.

Eine erfolgsversprechendere Variante wäre, die Vorstände und Aufsichtsräte in die volle persönliche Haftung aufgrund gesetzlicher Vorschrift aufzunehmen. Dann wären viele Geschäfte garnicht mehr so gewünscht und, was noch viel wichtiger wäre, es würden keine Geschäfte mehr getätigt, die sie selbst nicht mehr verstehen. Ein willkommener Nebeneffekt wäre, dass die politischen Versorgungsposten verschwinden würden.

Die leidige Bonigeschichte wäre auch ein Relikt der Vergangenheit.

Account gelöscht!

24.11.2011, 16:04 Uhr

Deutschland koennte sich nie leisten die Deutsche Bank pleite gehen zu lassen. Kapitalregeln spielen da wirklich keine Rolle.

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