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11.11.2013

19:37 Uhr

Bankenaufsicht

Deutsche Bank muss weniger Kapital zurücklegen

Der Relevanz der Deutschen Bank für das internationale Finanzsystem scheint abzunehmen: Nach Einschätzung des Finanzstabilitätsrats kann das größte deutsche Geldinstitut die Eigenkapital-Rücklagen bald reduzieren.

Die Deutsche Bank muss weniger Eigenkapital für Krisenzeiten bereithalten. Reuters

Die Deutsche Bank muss weniger Eigenkapital für Krisenzeiten bereithalten.

LondonDie Deutsche Bank ist in den Augen der wichtigsten Bankenaufseher weniger gefährlich für das weltweite Finanzsystem als gedacht. War sie vor einem Jahr noch unter die vier am stärksten systemrelevanten Banken der Welt eingestuft worden, ist diese Gruppe nun auf den amerikanischen Finanzriesen JP Morgan und die britische HSBC zusammengeschrumpft, wie der Finanzstabilitätsrat (FSB) am Montagabend mitteilte.

Für die Deutsche Bank bedeutet das, dass sie von Anfang 2016 an nur einen zusätzlichen Eigenkapitalpuffer von zwei Prozent vorhalten müsste. Damit bräuchte sie von 2019 an insgesamt 9,0 Prozent hartes Kernkapital. Nach der vor einem Jahr veröffentlichten Liste wären es noch 9,5 Prozent gewesen. Ende September lag ihr Polster aus Gewinnrücklagen und Aktienkapital nach dem Basel-III-Standard bei 9,7 Prozent.

Auch die am Montag veröffentlichte Liste ist allerdings nicht das letzte Wort des FSB, der im Auftrag der wichtigsten 20 Industrie- und Schwellenländer (G20) das Finanzsystem nach der Finanzkrise neu regulieren soll. Die Kapitalaufschläge richten sich nach der "Systemrelevanz" der Banken Ende 2013. Die am Mittwoch veröffentlichte Liste basiert auf den Bilanzen von Ende 2012, die endgültige Liste soll in etwa einem Jahr bekanntgegeben werden.

Was genau zur neuen Einschätzung der Deutschen Bank geführt hat, ließen die Finanzaufseher offen. Die Veränderungen auf der nun 29 Banken umfassenden Liste ergäben sich nicht nur daraus, dass sich die Systemrelevanz einzelner Häuser geändert habe, sondern auch aus einem verbesserten Datenmaterial sowie einer veränderten Berechnungsmethode. Zu den Kriterien des FSB zählen die schiere Größe einer Bank, aber auch ihre Vernetzung im weltweiten Bankensystem und ihre Komplexität. Diese Daten werden in ein Punktesystem umgerechnet, das die Aufseher zum ersten Mal veröffentlichten. Damit wissen die Banken nun, an welchen Stellschrauben sie drehen müssen, um weniger systemrelevant zu werden - und damit weniger Kapital vorhalten zu müssen.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Mit der Deutschen Bank wurde auch die US-Investmentbank Citigroup in den zweiten "Korb" zurückgestuft, der zwei Prozent mehr hartes Kernkapital vorweisen muss als "normale" Banken. Mit den Aufschlägen für systemrelevante Banken wollen die Aufseher verhindern, dass sie sich in einer Krise darauf verlassen, dass sie wegen ihrer Bedeutung ohnehin vom Staat gerettet werden würden. Bei HSBC und JP Morgan dürfte ausschlaggebend sein, dass sie sowohl im Investmentbanking stark sind als auch einen großen Kreis schützenswerter Privatkunden haben.

Die beiden Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS finden sich weiterhin in der Kategorie drei, in der 1,5 Prozent Aufschlag verlangt werden, also insgesamt 8,5 Prozent. Die Vorschriften der Schweizer Bankenaufsicht gehen allerdings deutlich darüber hinaus. Neu auf der Liste ist nur die chinesische ICBC, die zwar riesig, aber kaum im Bankensystem vernetzt ist. Die Commerzbank war schon vor einem Jahr herausgefallen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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VictorySauseBrause

11.11.2013, 18:55 Uhr

Oje - na wenn das so ne gute Idee ist bei dem Operationellen Beschissquotienten ggü der Kundschaft...

ExKunde

11.11.2013, 21:21 Uhr

Weniger Eigenkapital ist die FALSCHE Vorgabe für dieses durch kriminelle Geschäftspraktiken hervorgetretene Institut. Zum Schutz der Einlagen und der Kundenabsicherung wäre eine Eigenkapitalquote speziell wegen der bekannten Historie der DB von mindestens 20 % als Geschäftsgrundlage nötig!

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