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02.07.2015

15:11 Uhr

Bankenbranche

Commerzbank will keine Filialen schließen

Wegen niedriger Zinsen und der Digitalisierung des Bankgeschäfts schließen immer mehr Banken in Deutschland. Die Commerzbank will sich diesem Trend widersetzen. Schließungen seien für sie keine Wachstumsstrategie.

Die zweitgrößte Bank Deutschlands will im Gegensatz zu ihren Konkurrenten keine Filialen schließen. AFP

Commerzbank-Filiale in Frankfurt

Die zweitgrößte Bank Deutschlands will im Gegensatz zu ihren Konkurrenten keine Filialen schließen.

FrankfurtDie Commerzbank hält auch in der nächsten Stufe des Umbaus ihres Privatkundengeschäfts am Filialnetz fest. „Wir werden die Bank in den nächsten fünf Jahren von der Filialbank zur Multikanalbank umbauen“, sagte Bereichsvorstand Michael Mandel am Donnerstag in Frankfurt. Die Rolle der 1100 Filialen werde sich ändern, überflüssig würden sie aber nicht. Für den Abschluss einer Baufinanzierung oder größere Geldanlagen suchten Kunden immer noch den Kontakt zum Berater.

Die Commerzbank gehe daher einen anderen Weg als die Konkurrenten Deutsche Bank und HypoVereinsbank, die ihr Filialnetz kräftig ausdünnen. „Nicht, weil es alle machen, machen wir es auch“, sagte Mandel bei der Vorstellung der „Strategie 2020“. „Wir wollen wachsen und der Konkurrenz Marktanteile wegnehmen“, bekräftigte der für private Kunden zuständige Bereichsvorstand Michael Mandel am Donnerstag in Frankfurt. „Schließen ist keine Wachstumsstrategie.“

Weil Erträge wegen der Niedrigzinsen wegbrechen und der Trend zur Digitalisierung zunimmt, schließen etliche Institute Filialen. Die Unicredit-Tochter HypoVereinsbank etwa hat in den vergangenen zwölf Monaten 240 ihre 580 Standorte dichtgemacht. Die Deutsche Bank will rund ein Drittel ihrer etwa 730 eigenen Filialen aufgeben.

Filialsterben (ausgewählte Bank-Gruppen)

Sparkassen

Zahl der Filialen (Ende 2010): 13.025

Zahl der Filialen (Ende 2013): 12.323

Veränderung 2013 vs. 2010: -5,3 Prozent

Quelle: Bundesbank

Volksbanken/Raiffeisenbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 11.830

Zahl der Filialen (Ende 2013): 11.335

Veränderung 2013 vs. 2010: -4,2 Prozent

Großbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 8.132

Zahl der Filialen (Ende 2013): 7.610

Veränderung 2013 vs. 2010: -6,4 Prozent

Regional- und Kreditbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 2.604

Zahl der Filialen (Ende 2013): 2.424

Veränderung 2013 vs. 2010: -6,9 Prozent

Mandel betonte, sich aus dem Markt zurückzuziehen, sei aus seiner Sicht die falsche Lösung für die Probleme der Branche. Die Commerzbank habe mit ihrer Ende 2012 veränderten Strategie im zuvor lange schwachen Privatkundengeschäft den Umbruch geschafft. „Das Geschäftsmodell funktioniert wieder“, sagte Mandel.

Durch eine Ausdünnung des flächendeckenden Netzes lasse sich nur wenig Geld sparen. Die Kosten für die Filialen machten nur sieben Prozent des Verwaltungsaufwandes von 2,9 Milliarden Euro in der Privatkunden-Sparte aus, rechnete Mandel vor. Die Bank habe die Chance, Marktanteile von den regionalen Platzhirschen zu gewinnen. Ziel ist eine Steigerung auf mehr als zehn von derzeit acht Prozent des Marktes.

Die Bank habe ihre Kundenzahl um 643.000 auf 11,5 Millionen gesteigert. Seit Beginn dieses Jahres seien 111.000 hinzugekommen. Der Commerzbank-Vorstand hatte das Ziel ausgegeben, bis Ende 2016 eine Million zusätzliche Kunden zu gewinnen.

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Das Geschäftsvolumen – darunter versteht die Commerzbank die vergebenen Kredite sowie die Anlagen der Kunden - kletterte von Ende 2012 bis Ende März dieses Jahres um 37 Milliarden auf 301 Milliarden Euro und liegt damit bereits über dem ursprünglich anvisierten Ziel.

Die Commerzbank testet in Stuttgart und Berlin seit mehr als einem Jahr neuartige Filialen, die mehr Kunden anlocken sollen. Der Pilotversuch werde bis ins kommende Jahr hinein verlängert, bis klar sei, dass die Commerzbank nach dem Umbau dort auch mehr Geschäft mit ihren bestehenden Kunden mache. „Hetzt uns ja keiner“, sagte Mandel.

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