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22.01.2010

11:32 Uhr

Bankenexperte Gerke

„Obamas Pläne sind nicht zielführend“

VonThorsten Giersch

Barack Obama hat mit seinen Plänen, die Freiheiten der US-Banken deutlich zu beschneiden, für großes Aufsehen gesorgt. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erläutert Bankenexperte Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanzzentrum, ob die Pläne sinnvoll sind und was sie für deutsche Banken bedeuten.

Wolfgang Gerke hält die Pläne Obamas nur für bedingt sinnvoll.

Wolfgang Gerke hält die Pläne Obamas nur für bedingt sinnvoll.

Herr Gerke, hat Sie die Ankündigung Obamas überrascht?

Ja. Populismus spielt hier sicher eine große Rolle. Obama muss gerade beim Thema Finanzmarktregulierung endlich Taten nachweisen. Es wird allerdings nicht einfach, diese Pläne in Kongress und Senat durchzubekommen.

Dabei hieß es immer, dass die Wall Street in Washington eine große Lobby besitzt.

Dem ist zweifellos auch so. Aber offenbar konnte die Lobby nichts mehr gegen den Druck ausrichten, den die Wähler bei diesem Thema auf Obama ausgeübt haben.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nennt Obamas Pläne „nicht zielführend“. Würden Sie dem zustimmen?

Im Prinzip ja. Ich würde einen anderen Weg vorschlagen, nämlich die Banken zu zwingen, die Risikovorsorge zu erhöhen, selbst Rücklagen zu bilden. Hier liegt der Kern des Problems.

Was kritisieren Sie an den Plänen im Detail?

Die Trennung zwischen klassischem Bankgeschäft und Investment-Banking halte ich für weniger problematisch. Auch die Ideen im Hinblick auf die Boni sind akzeptabel. Aber Banken zu zusätzlichen Abgaben zu zwingen, ist sicherlich weit weniger sinnvoll als sie die Risikovorsorge erhöhen zu lassen.

Kommentare (7)

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Mirco

22.01.2010, 13:58 Uhr

Risikovorsorge, dieses Wort kann ich eigentlich nicht mehr hören. Die Wirtschaft muss funktionieren. Treffe ich eine höhere Risikovorsorge muss ich diese auch finanzieren, finanziere ich diese, fehlt Geld auf dem freien Kapitalmarkt. investiert richtig, sicher und bedacht. Eine Rendite von über 15% ist nicht nur unethisch und menschlich verwerflich (hier haue ich doch immer einen über´s Ohr) sondern auch unrealistisch in einem bereich der nichts anderes Produziert wie blasen und Träume. Steuergelder zurück bezahlen incl. des Schadens der entstanden ist, und dann könnt ihr Risikovorsorge für euere 15 oder mehr Prozent betreiben. Solange ein broker nach der Zahl der abgeschlossenen Transanktionen bezahlt wird und nicht nach der Nachhaltigkeit wird sich nichts ändern! Wacht doch mal auf!!!!! Obama, hat recht, egal wie viel populismus enthalten ist.

Stefan L. Eichner

22.01.2010, 14:02 Uhr

Es heißt, die Vorschläge für die Regulierung der US-banken kommen von Paul Volcker. Der Mann steht kaum im Verdacht ein Populist zu sein.

Die Politik hat es nach der Lehman-Pleite versäumt, den Casino-betrieb nachhaltig zu stoppen. Mittlerweile gibt es deswegen schon wieder die Gefahr eines neuen Crashs. Der hätte vermutlich verheerende Folgen. Es ist so gesehen höchste Zeit für die Politik, das Casino zu schließen. Darum geht es. Denn die Alternative dazu wäre, dass so lange gewartet wird, bis es durch einen Crash dazu kommt. Das kann niemand wollen.

Dyle

22.01.2010, 14:30 Uhr

Hier hat wohl Herr Ackermann Herrn Gerke an die Front geschickt. ich wundere mich schon sehr über die Rolle des Herrn Professors, hatte ihn immer anders eingeschätzt.

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