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20.12.2016

15:18 Uhr

Bankenkrise in Italien

Rettungspaket für Krisenbank vor dem Aus

Die Bankenkrise in Italien spitzt sich zu. Regierungschef Paolo Gentiloni ein vorsichtshalber ein Rettungspaket schnüren. Denn die Krisenbank Monte dei Paschi schafft es wohl aus eigener Kraft nicht, sagt ein Insider.

Der italienische Premier will dem Bankensektor seines Landes helfen. dpa

Paolo Gentiloni

Der italienische Premier will dem Bankensektor seines Landes helfen.

RomDer Versuch der italienischen Bank Monte dei Paschi, mit einer fünf Milliarden Euro großen Kapitalerhöhung aus der Krise zu kommen, steht wohl vor dem Aus. Nur wenige Ankerinvestoren und Anleihenbesitzer sind gewillt, zu investieren oder ihre Anteile in Aktien umzutauschen, bestätigt laut der Agentur Bloomberg eine Person, die mit der Angelegenheit vertraut ist.

Der Staatsfonds aus Katar, der ein Investment überlegt hat, habe bislang noch keine Zusage für den Kauf von Aktien gegeben. Ein zweiter geplanter Umtausch in Aktien brachte am Montag bislang nur 200 Millionen Euro ein. Nach Angaben des Insiders, der namentlich nicht genannt werden möchte, sind viele Investoren nur zur Hilfe bereit, falls der Umtausch in Aktien zwei Milliarden Euro bringt und Ankerinvestoren mit einer weiteren Milliarde Euro bereitstehen.

Monte Paschi will eine endgültige Entscheidung am Donnerstag dieser Woche treffen, wenn das Umtauschangebot endet, sagte der Insider. Ein Sprecher der Bank wollte das nicht kommentieren. Bis zum Jahresende soll das Eigenkapital um 5 Milliarden Euro aufgestockt werden. Gelingt das nicht, könnte die Bank um Staatshilfe bitten - was jedoch mit den europäischen Abwicklungsregeln schwer zu vereinbaren ist.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Diese sehen vor, dass zunächst Eigentümer und Gläubiger von Banken zur Kasse gebeten werden, bevor die Steuerzahler einspringen. Das Problem in Italien ist, dass viele Kleinanleger ihre Ersparnisse in diese Papiere gesteckt haben. Die EU-Kommission hatte aber bereits signalisiert, im Notfall Italien dabei zu unterstützen, eine Lösung im Einklang mit europäischem Recht zu gestalten.

Angesichts der Bankenkrise in Italien will der neue Regierungschef Paolo Gentiloni vorsorglich ein Hilfspaket im Umfang von 20 Milliarden Euro schnüren. „Das ist eine Vorsichtsmaßnahme”, sagte Gentiloni am Montagabend nach einer Kabinettssitzung vor Journalisten in Rom. „Wir werden sehen, ob es nötig wird.“ Aus seiner Sicht sei es die Pflicht der Regierung, beim Parlament die Freigabe dieser Mittel zu beantragen, um Ersparnisse der Bürger zu schützen. „Ich hoffe, alle politischen Bewegungen im Parlament teilen diese Verantwortung”, sagte Gentiloni mit Blick auf die notwendige Parlamentsabstimmung über das Hilfspaket.

Das Paket würde dazu dienen, den angeschlagenen italienischen Bankensektor zu stabilisieren. Wie das Wirtschaftsministerium am Montagabend mitteilte, könnte mit dem Geld die Liquidität im Finanzsystem gesichert werden. Außerdem könnte mit den Ressourcen die Kapitaldecke der Banken aufgebessert werden. Gentiloni hat bereits mehrfach deutlich gemacht, dass der italienischen Staat der ältesten Bank der Welt notfalls zu Hilfe kommen werde.

Monte dei Paschi: Rettung durch Privatinvestoren hängt am seidenen Faden

Monte dei Paschi

Rettung durch Privatinvestoren hängt am seidenen Faden

Ob die italienische Krisenbank durch Privatinvestoren saniert werden kann, ist ungewiss. Der Bankenrettungsfonds Atlante äußerte zuletzt Bedenken gegen einen wichtigen Teil des Rettungsplans.

Italien hat nach den USA und Japan in absoluten Zahlen die dritthöchste öffentliche Verschuldung weltweit. Insgesamt beläuft sich der Schuldenstand auf rund 2,2 Billionen Euro. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt war Italiens Schuldenlast zuletzt mit 135,5 Prozent die zweithöchste in der Eurozone - nach Griechenland.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

20.12.2016, 16:17 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.
http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Heinz Keizer

20.12.2016, 17:22 Uhr

Sollte nicht mit der neuen Bankenregelung ein Eintreten des Steuerzahlers für Verluste der Banken ausgeschlossen werden? Hat das ernsthaft jemand geglaubt? Es wird so weiter gemacht, bis der ganze Laden (Euro) auseinander fliegt.

Account gelöscht!

20.12.2016, 17:28 Uhr

Herr Josemin Hawel
"Und immer nur geht alles gegen Merkel. Ich finde, dass Handelsblatt sollte etwas gegen krude Propaganda und auch Textmüll wie den von Hoffmann unternehmen."

Das ist ja wohl unerhört.
Da gibt man sich täglich von morgens bis abends die Mühe jeden Artikel,aber auch wirklich jeden zu kommentieren, und zu vielen Themen der Artikel habe ich wirklich keine Ahnung, dann wird man auch noch beschimpft.
Dabei kläre ich die Leute doch nur über Putin und Trump auf, zwei echte Kerle.
Wo wir mit unserem sprechenden Hosenanzug hingekommen sind sieht man ja wohl aktuell.
Danke

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