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11.03.2016

16:29 Uhr

Bankenpleite

Milliardenzahlung für Kunden der Maple Bank

VonMichael Brächer

Die Maple Bank scheiterte an fragwürdigen Cum-Ex-Geschäften. Nun haben ihre Kunden rund 2,6 Milliarden Euro zurückerhalten. Den größten Teil der Rechnung übernehmen die privaten Banken. Die sind davon wenig begeistert.

Zentrale der Maple-Bank im Frankfurter Westend: Die Pleite des Instituts kommt die privaten Banken teuer zu stehen. dpa

Maple-Bank

Zentrale der Maple-Bank im Frankfurter Westend: Die Pleite des Instituts kommt die privaten Banken teuer zu stehen.

Die Rechnung, bitte: Im Februar hatte die Finanzaufsicht Bafin die Maple-Bank aus Frankfurt geschlossen. Inzwischen haben die Kunden der insolventen Bank rund 2,6 Milliarden Euro zurückerhalten. Das teilte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) am Freitag mit. Nur eine sehr geringe Zahl von Anlegern habe bislang ihre Kontoinformationen nicht eingereicht und konnte daher noch nicht bedacht werden.

Das Geld stammt aus dem Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands sowie aus der gesetzlich vorgeschriebenen Entschädigungseinrichtung deutscher Banken. Auf letztere entfallen aber nur rund acht Millionen Euro - den Löwenanteil übernehmen also die im Bankenverband organisierten privaten Banken. Die denken angeblich schon über eine Reform der Einlagensicherung nach. Der Verband dementiert das aber. Zwar prüfe man mögliche Konsequenzen der Maple-Pleite für die Einlagensicherung, heißt es beim BdB. Das Ergebnis dieser Prüfung sei aber völlig offen. Es gebe keinen Anlass, über mögliche Veränderungen zu spekulieren. 

Steuertricks mit Aktien: Cum-Ex

Was sind eigentlich „Cum-Ex-Geschäfte“ genau?

Steuerrechtlich sind diese Aktiendeals schon lange heiß umstritten. Bei den auch „Dividendenstripping“ genannten Geschäften geht es um den raschen Kauf und Verkauf von Aktien rund um den Dividendenstichtag, um Kapitalertragssteuern mehrfach vom Fiskus erstattet zu bekommen. Von Banken bekamen sie eine Bestätigung, eine Kapitalertragsteuer abgeführt zu haben, was sie beim Fiskus mehrfach steuerlich geltend machten - obwohl sie so nicht gezahlt hatten. Die Behörden kamen dem erst später auf die Schliche. Sie gehen nun davon aus, dass die Tricksereien illegal waren.

Waren diese Geschäfte auch etwas für Kleinanleger?

Eher nicht. Eine Reihe von Banken sollen laut Presseberichten solche Geschäfte betrieben haben, teils im Eigenhandel, teils im Auftrag vermögender Kunden. Für Kleinanleger ist das Ganze dagegen nichts. Schon alleine deshalb, weil sich der Aufwand bei kleineren Summen nicht rechnet. Sie hätten nur geringe bis keine Chancen gehabt, an solchen Deals zu verdienen.

Warum waren solche Geschäfte überhaupt möglich?

Banken und Investoren nutzten bestimmte Eigenheiten der Abwicklungssysteme an den Börsen, aber auch steuerrechtliche Besonderheiten - und das offensichtlich über Jahre hinweg und mit Wissen von Bund, Ländern und Finanzbehörden. So erklärte der Bundesfinanzhof das Dividendenstripping bereits in einem Urteil aus dem Jahr 1999 für grundsätzlich rechtens. Geschlossen wurde das Schlupfloch aber erst 2012 durch eine Neuregelung der Nachweispflichten. Ob Investoren mit solchen Geschäften eine unzulässige Steuergestaltung betrieben, wird die zentrale Frage bei der mündlichen Verhandlung vor dem Bundesfinanzhof sein. Sie wird allerdings wegen des Steuergeheimnisses aller Voraussicht nach unter Ausschluss der Öffentlichkeit geklärt.

Um wieviel Geld geht es?

So genau weiß das niemand. Weil sehr viele Geschäfte dieser Art in verschiedensten Varianten abgewickelt worden sein sollen, wird die Summe nach Medienberichten auf bis zu zwölf Milliarden Euro geschätzt. An anderer Stelle ist von „nur“ einer Milliarde Euro die Rede, was die ausstehenden Forderungen der Länder betrifft. Alleine die Hypovereinsbank, die früher solche Geschäfte betrieben haben soll, hat für den Fall, dass sie Steuern nachzahlen muss, vorsorglich 200 Millionen Euro zurückgelegt. Auch der krisengeschüttelten HSH Nordbank drohen Steuernachzahlungen, sie hatte Rückstellungen von 127 Millionen Euro angekündigt.

Wer ist an dem Verfahren vor dem BFH beteiligt?

Es geht dem Vernehmen nach um eine Gesellschaft, hinter der Anleger stehen und die ein Depot zur Abwicklung führte sowie ein Finanzamt aus Norddeutschland. Auch der Bund ist involviert. Grund für die unklaren Angaben ist das Steuergeheimnis. Das macht es auch schwierig, einen deutschlandweiten Überblick über das Thema zu bekommen. Von mehr als 50 Verfahren berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf die Länder. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, die sich schwerpunktmäßig mit „Cum-Ex-Geschäften“ befasst, lässt nur wissen, dass sie aktuell in vier Verfahren wegen Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt.

Wann fällt die Entscheidung?

Nach einer mündlichen Verhandlung mit Rechtsgespräch treffen die Richter des Bundesfinanzhofes ihre Entscheidung, über die die streitenden Parteien innerhalb von 14 Tagen zu unterrichten sind. Anschließend darf der BFH auch die Öffentlichkeit informieren. Schriftlich liegt das Urteil nach etwa zwei bis drei Monaten vor.

Wie könnte das Verfahren ausgehen?

Das oberste deutsche Steuergericht hat sich schon mehrfach mit dem Dividendenstripping befasst - und es dabei teils für rechtens erklärt. Doch das muss nichts heißen, denn die Richter könnten im aktuellen Fall auch zu einem anderen Ergebnis kommen.

Welche Tragweite hat das Urteil?

Klar ist: Beim Bundesfinanzhof liegen immer Einzelfälle auf dem Tisch - die aber Signalwirkung haben können. Wie die Finanzbehörden die Entscheidung letztendlich umsetzen werden, muss aber abgewartet werden. Möglich wäre beispielsweise auch, dass das Bundesfinanzministerium zu dem Urteil einen sogenannten Nichtanwendungserlass ausgibt, wenn es damit nicht einverstanden ist. Dann wäre die Entscheidung nur auf den konkreten Einzelfall anzuwenden, nicht aber auf andere, vergleichbare Fälle.

In der Vergangenheit konnten die Banken bei Insolvenzen damit rechnen, mehr als 90 Prozent der Entschädigungssumme durch den Verkauf der Werte einer insolventen Bank wieder einzutreiben. Die Finanzaufsicht Bafin hatte ein Insolvenzverfahren über die Maple-Bank vereinbart. Die deutsche Maple Bank GmbH mit kanadischen Wurzeln war geschlossen worden, weil ihr wegen einer Steuerrückstellung die Überschuldung drohte. Die Bank hatte bestätigt, dass die Rückstellung in Zusammenhang mit möglicherweise illegalen „Cum-Ex“-Aktiengeschäften aus den Jahren 2006 bis 2010 steht. Frühere Angestellte stehen im Verdacht, bis zu 450 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Zu den Maple-Kunden gehörte auch Nordrhein-Westfalen. Das Land hatte insgesamt rund 62,5 Millionen Euro als Termingeld bei Maple angelegt, um das Geld vor Risiken der ehemaligen Landesbank WestLB abzuschirmen.

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