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30.01.2010

18:26 Uhr

Bankenregulierung

Commerzbank-Chef sympathisiert mit Obamas Plänen

Barack Obama will die Finanzinstitute stärker an die Kandare nehmen. Dem US-Präsidenten weht ein scharfer Wind aus der Branche entgegen, viele Banker protestieren. Einer nicht. Commerzbank-Chef Martin Blessing hat durchaus Verständnis für den Beschneider der Freiheiten.

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, ist gegen einen unregulierten Bankensektor. Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, ist gegen einen unregulierten Bankensektor.

HB FRANKFURT. Eine Begrenzung riskanter Bankgeschäfte hält Blessing für begrüßenswert. "Ich denke, die Grundidee ist vernünftig", sagte Blessing am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Für eine abschließende Beurteilung seien allerdings noch mehr Details nötig.

Der Commerzbank-Chef forderte grundsätzlich schärfere Regeln im Finanzsektor. "Wir haben in den letzten zwei Jahren erlebt, dass das bisherige System Mängel hat und können jetzt nicht einfach wieder zur Normalität zurückkehren", sagte er der "FAS" zufolge. Weitere Regulierungsmaßnahmen seien notwendig. "Ich kann in einem völlig unregulierten Bankensektor keinen Nutzen sehen", wird er zitiert.

Kritik kam indes vom Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber. Er sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zufolge, die von Obama geplante Trennung des klassischen Kundengeschäfts vom Investment Banking sei nicht der richtige Ansatz, um einen erneuten Finanzkollaps zu vermeiden. Die Krise habe Banken von ganz unterschiedlicher Größe und mit ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen erfasst - reine Investment-Banken wie Lehman Brothers, Hypothekenfinanzierer ohne Investment Banking wie Northern Rock und eben auch Universalbanken. "Und deshalb greift es auch zu kurz, das Investment Banking einfach vom sogenannten klassischen Bankgeschäft zu trennen und zu glauben, das sei die Lösung", sagte er.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kritisierte unterdessen im "Focus", dass die Banken auch nach der Finanzkrise noch uneinsichtig seien. "Alle in unserer Branche müssen einsehen, dass die Gesellschaft gewisse Übertreibungen nicht mehr akzeptiert." Pläne für eine Bankenumlage, aus der künftig die Kosten für mögliche Rettungsmaßnahmen bestritten werden sollen, lehnte er ab. "Eine Versicherungsprämie für Banken fördert das falsche Denken", wird er zitiert. Bankmanager würden sich dann sagen: "Uns kann eigentlich nichts passieren. Wenn es ganz schlimm kommt, zahlt die Versicherung und rettet uns." Besser sei die Rückkehr zu einem richtigen Risikobewusstsein.

Kommentare (2)

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Melita Z

30.01.2010, 21:25 Uhr

blessings Aussage darf nun wirklich niemand verwundern! "Wessen brot ich ess' dessen Lied ich sing" trifft auch hier zu. Er mag vielleicht (gemessen an den Träumen bei der Übernahme der Dresdner bank) innerlich gegen Obamas Pläne sein, nur, ihm sind durch seinen Großaktionär bundesrepublik Deutschland nicht nur die Hände gebunden, sondern eine devote Haltung vorgegeben.
Eine Zerschlagung der Universalbanken bringt nicht. Wie sollen globale Konzerne finanziert, das Währungsrisiko abgesichert und gleichzeitig noch erträgliche Margen verdient werden? Das passt nicht zusammen. Gerade in der deutschen bankenlandschaft dürfte es unglaublich schwer werden ohne die Finanzierungskosten exorbitant zu erhöhen. Doch dann beginnt das Geschrei in die andere Richtung. Viel besser wäre es den banken ein höheres Eigenkapital, ein Risiko- u. Liquidatätsmanagment vorzuschreiben und nicht zuletzt die Ratingagenturen ebenfalls an die Kette zu legen.

herbniza

31.01.2010, 11:45 Uhr

Damit unser Finanzsystem in Zukunft weniger anfaellig ist, sollten wir kleinere banken haben. Damit investoren informierte Entscheidungen treffen koennen, muss die Transparenz von Finanzprodukten erhoeht werden. Damit Entscheidungen im Hinblick auf Risiko getroffen werden, muss die Mitsprache der Eigentuemer, die ja diese Risiken tragen, gestaerkt werden.

Soweit ich sehen kann, hat sich die Konzentration im bankensektor in der Krise noch beschleunigt, es werden weiterhin undurchsichtige Derivate entwickelt und angeboten und an der Verteilung von boni ueber die Koepfe der Aktionaere hinweg wird unbeirrt festgehalten.

Unterdessen sind weder aus der Politik noch aus der Finanzwirtschaft Stimmen zu hoeren, die ich als werthaltigen beitrag zur Entwicklung eines zukuenftigen Finanzkonzepts verstehen koennte. Stattdessen vernehme ich taeglich inhaltsloses, martialisches Gegacker von Zerschlagung, Verzwergung, Regulierung, Verbot und Strafsteuer fuer boni. Herr blessing hat gerade in Davos gegackert.

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