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15.12.2016

17:42 Uhr

Bankenregulierung

EZB senkt Hürden für Dividenden und Boni

VonYasmin Osman

Die europäischen Bankenaufseher führen neue Regeln für Ausschüttungen ein. Für Banken wird es nun leichter Geld an Aktionäre oder Mitarbeiter auszuzahlen. Derzeit unterliegen nur fünf Banken einem strikten Verbot.

Die Bankenwächter der EZB führen neue Regeln für die individuellen Sicherheitspuffer für Banken ein. dpa

EZB-Gebäude vor der Banken-Skyline Frankfurts

Die Bankenwächter der EZB führen neue Regeln für die individuellen Sicherheitspuffer für Banken ein.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) geht weniger restriktiv mit Ausschüttungen von Dividenden, Boni sowie Zinsen für eigenkapitalähnliche Anleihen um. Zwar wünscht sich die EZB von den Banken eine ähnlich hohe Eigenkapitalquote wie bisher. Aber mit Dividenden- oder Bonus-Verboten gehen die Bankenaufseher weniger streng um: Denn die Kapitalquoten, die Banken mindestens erfüllen müssen, bevor sie Geld an Aktionäre, Mitarbeiter und Gläubiger zahlen können, werden im kommenden Jahr deutlich sinken.

Hintergrund für diese Lockerung sind neue Regeln der EZB für die individuellen Kapitalzuschläge der Banken: Von großen Banken verlangt die EZB eine Kapitaldecke, die dicker ist als das gesetzliche Minimum. Wie hoch dieser Extra-Aufschlag ausfällt, hängt davon ab, für wie riskant die Bankenaufseher der EZB ein Kreditinstitut halten. Bislang durften Banken nur dann Dividenden ausschütten oder Zinsen für eigenkapitalähnliche Anleihen zahlen, wenn sie neben dem gesetzlichen Minimum auch den individuellen Kapitalzuschlag einhielten.

Die größten Banken Europas (nach Börsenwert)

Platz 22

Deutsche Bank

Deutschland

23,8 Milliarden Euro

Quelle: Bloomberg / Stand: 13.12.2016

Platz 10

BBVA

Spanien

41,8 Milliarden Euro

Platz 9

Nordea Bank

Dänemark

42,6 Milliarden Euro

Platz 8

Barclays

Großbritannien

46,1 Milliarden Euro

Platz 7

Lloyds Bank

Großbritannien

52,3 Milliarden Euro

Platz 6

ING

Niederlande

52,9 Milliarden Euro

Platz 5

Sberbank

Russland

58,3 Milliarden Euro

Platz 4

UBS

Schweiz

60,2 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

71,3 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

73,8 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

154,7 Milliarden Euro

Künftig gilt: Der Zuschlag wird ab dem Jahr 2017 in einen Pflichtteil und in eine Empfehlung aufgespalten. Strikt verboten sind Dividenden künftig nur noch für Institute, deren Kapitalquote noch unter dem Pflicht-Aufschlag liegt. Dadurch sinkt die Dividenden-Hürde im Durchschnitt von 10,2 Prozent auf nur noch 8,3 Prozent, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Unterlagen der Notenbank hervorgeht.

Derzeit würden nur fünf der 127 von der EZB direkt beaufsichtigten Banken verstoßen. Diese Institute könnten aktuell also weder Dividenden, noch Boni zahlen und auch keine Zinsen auf eigenkapitalähnliche Anleihen (Coco-Bonds) ausschütten.

Auch wenn die EZB bei Dividenden nun die Zügel etwas lockert, an ihrer Wunsch-Kapitalquote hat sich nichts geändert. Denn berücksichtigt man auch die Kapitalempfehlungen, die allerdings kein automatisches Dividenden-Verbot mehr auslösen, dann kommt man weiterhin auf eine empfohlene Eigenkapitalquote, die knapp über zehn Prozent liegt.

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