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15.02.2012

06:00 Uhr

Bankenregulierung

Sparkassen stehen vor Milliarden-Belastungen

VonFrank Matthias Drost

ExklusivDen in Schieflage geratene Landesbanken mussten Sparkassen mit Milliarden aushelfen. Für ihre Beteiligungen wollen die Sparkassen aber auch künftig kein Eigenkapital vorhalten. Deswegen laufen sie gegen EU-Pläne Sturm.

Sparkassen wollen nicht zur Bilanzpolitur gezwungen werden. dapd

Sparkassen wollen nicht zur Bilanzpolitur gezwungen werden.

BerlinDie Sparkassen in Deutschland schlagen Alarm. Ihnen stehen milliardenschwere Belastungen ins Haus, die aus Eigenkapitalanforderungen für ihre Beteiligungen resultieren. Das sehen Pläne der Brüsseler Kommission vor, die derzeit verbindlich für alle EU-Mitgliedsstaaten die neuen Eigenkapitalnormen nach Basel III umsetzt. Werden diese verwirklicht, engen sich die Kreditspielräume der Sparkassen empfindlich ein.

Konkret geht es dabei um die mittelbaren Beteiligungen, die die Sparkassen an ihren Verbundunternehmen wie Landesbanken, Versicherer und Bausparkassen häufig über ihre Regionalverbände halten. Diese müssen derzeit nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Pläne der EU-Kommission sehen vor, dass diese Beteiligungen den Sparkassen ab dem Jahr 2013 direkt zugerechnet und mit Kapital unterlegt werden sollen. Damit steht dieses Kapital dann für die Kreditvergabe nicht mehr zur Verfügung.

Vor einem „massiven Eigenkapitalverzehr“ warnt bereits der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider und stellt folgende Modellrechnung für seinen Verband auf, der beispielsweise mit gut 40 Prozent an der Landesbank Baden-Württemberg beteiligt ist. „Bei einem Gesamtkapital unserer 53 Sparkassen von rund 15 Milliarden Euro würden aktuell rund 4 Milliarden Euro abzugspflichtig - Kapital, das zur Unterlegung von Mittelstandskrediten nicht mehr zur Verfügung stehen würde“, sagte Schneider dem Handelsblatt.

Einschließlich der weiteren Belastungen, die Basel III ohnehin vorsieht – höhere Eigenkapitalunterlegung von Krediten, höhere Liquiditätsanforderungen – bestehe in Baden-Württemberg künftig die Gefahr, dass die Sparkassen künftig erst warten müssen, bis Kredite zurückgezahlt werden, um neue zu vergeben, so Schneider.

Bundesweit könnte die Unterlegungspflicht für Beteiligungen nach Berechnungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) ein Fünftel des Kernkapitals der Sparkassen oder zehn Milliarden Euro binden. Da Kredite künftig mit 10,5 Prozent Eigenkapital unterlegt werden müssen, stehe ein Kreditvergabepotenzial von mehr als 100 Milliarden Euro auf dem Spiel. „Es ist falsch, finanzwirtschaftliche Verbünde, die in der Krise stabilisierend gewirkt haben, durch regulatorische Maßnahmen bei der Kapitalanrechnung wesentliche Kreditspielräume zu nehmen“, schimpft DSGV-Präsident Heinrich Haasis. Nun hoffen die Sparkassen auf Rückendeckung aus Berlin.

Kommentare (17)

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15.02.2012, 06:41 Uhr

Der Gleichschaltungswahnsinn nimmt seinen Lauf. Alles muss von techokratischen Handlangern des Großkapitals in ein Eiheitskorsett gesteckt und so destabilisiert werden. Schwellenländer werden in Hartwährungen gezwängt, die Vielfalt des deutschen Bankenwensens mit seinen kleinteiligen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die man wegen ihrer stabilisierenden Wirkung erfinden müsste, wenn es sie nicht gäbe, werden über den Kamm mit Zockerbankken ohne ausreichend realwirtschaftlich verankertes Geschäftsmodell geschert. Wer stoppt diesen Irrsinn der Finanzbetgrüger?

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15.02.2012, 07:13 Uhr

Sollen hier die konkurierenden Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken ausgeschaltet werden?
Die Gier der Zockerbanken ist grenzenlos! Also will man diese Stabilitätsanker zerstören, um bei der nächsten Krise nochmehr abzuzocken!!

Sinnvoll wäre es, Investmentbanken der Freien Wirtschaft (damit auch der Pleite) auszusetzen, und Hilfen nur für Sparkassen &Co. bereitzustellen. Die regeln des Marktes würden alles regulieren, die Gelder der Bürger dennoch sicher.

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15.02.2012, 07:50 Uhr

Naja auch Sparkassen umd Landesbanken hatten Schieflagen wegen Lehmann und Co.
sich gegen "Zockerbanken" beschweren, aber einzelne ausnehmen, hat extrem was von selektiver Wahrnehmung, zumal in den meisten Hohen Gremien dieser Banken die Hauptschuldigen sitzen: Politiker.

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