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06.01.2009

19:58 Uhr

Bankensektor

US-Banken vor der Wende

VonRolf Benders

Die Finanzkrise zwingt den amerikanische Bankensektor sich neu zu erfinden. Gewinner der Entwicklung könnten die lange belächelten Regionalbanken werden. Sie profitieren davon, dass die Großbanken durch die Annahme der Staatshilfen Handlungsfähigkeit eingebüßt haben.

Hauptquartier von JP Morgan in New York. Auch Nordamerikas größte Bank muss sich auf strengere Regulierung und größere Einflussnahme der Politik gefasst machen. Foto: ap ap

Hauptquartier von JP Morgan in New York. Auch Nordamerikas größte Bank muss sich auf strengere Regulierung und größere Einflussnahme der Politik gefasst machen. Foto: ap

NEW YORK. Experten zufolge wird die US-Bankenbranche in diesem Jahr einen hohen Preis dafür zahlen müssen, dass sie das Katastrophenjahr 2008 nur mit Milliardenmitteln aus dem Steuersäckel überstanden hat. Schon vor wenigen Wochen haben die Top-Banker erlebt, was neben strengerer Regulierung 2009 auf sie zukommt: direkte Einflussnahme der Politik auch auf einzelne Geschäftsentscheidungen.

Mitte Dezember hatten 250 entlassene Mitarbeiter des angeschlagenen Türenherstellers Republic Windows & Doors aus Chicago ihre Fabrik über Tage medienwirksam besetzt und die Hausbanken zur Finanzierung von Abfindungen aufgerufen. Die Institute konnten ihre Weigerung gegen den Druck von Gewerkschaften und Politik nicht lange aufrechterhalten. "Die Steuerzahler erwarten, dass die Staatsgelder zur Rettung von Jobs verwandt werden und nicht zur Rettung von Vorstandschefs", forderte die örtliche Gewerkschaftsvertreterin Leah Fried lautstark und rief erfolgreich die Politik auf den Plan. Der Bundesstaat Illinois drohte der Bank of America (BoA) mit Abbruch der Geschäftsbeziehungen. Die BoA gab Tags darauf den zunächst verweigerten Kredit über 1,35 Mio. Dollar frei.

Weit über 200 Banken in den USA haben seit Oktober Geld aus dem 700 Mrd. Dollar schweren Troubled Asset Relief Programm (Tarp) erhalten. Mit der Annahme der Mittel haben sie sich aber nach Einschätzung von Experten erpressbar gemacht. "Alles, was in Zukunft schief geht, werden sie der Finanzbranche anhängen, auch wenn es mit den Banken nichts zu tun hat", schätzt etwa Eugene Ludwig, Ex-Chef der US-Bankenaufsicht OCC, die Lage ein. Die Banken sollten seiner Meinung nach das Programm so schnell wie möglich wieder verlassen, denn es bedeute mehr Restriktionen und höhere Auflagen.

Neben direkten Eingriffen werden sich auch die Rahmenbedingungen für die Branche nach Einschätzung von Experten grundlegend ändern. "Die Regulierer werden versuchen, die Privatkundendepots von den Risiken zu isolieren", sagte Larry Tabb, Gründer der New Yorker Beratung Tabb. Vor allem integrierte Bankenkonzerne wie Citigroup und BoA mit ihren großen Investment-Banking-Abteilungen müssten sich darauf einstellen, dass die Teile des Geschäftes, die bewusst Risiken eingingen, abgespalten würden. "Die großen Banken werden wieder das traditionelle Geschäft wie vor 20 oder 30 Jahren betreiben", sagte er.

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