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10.01.2008

15:33 Uhr

Bankenstreit

Unicredit droht neue Klage

Die nächste Etappe im erbitterten Kampf zwischen der italienischen Bank und ihrer Deutschen Tochter Hypo-Vereinbank ist eingeläutet: Das Münchener Unternehmen will per Klagen das hochprofitable Osteueropageschäft wieder an sich reißen.

Die Mailänder Unicredit-Zentrale. Foto: ap ap

Die Mailänder Unicredit-Zentrale. Foto: ap

FRANKFURT. Der Streit zwischen der italienischen Großbank Unicredit und Minderheitsaktionären der 2005 übernommenen Hypo-Vereinsbank (HVB) eskaliert. Der per Gerichtsbeschluss bestellte Besondere Aktionärsvertreter Thomas Heidel forderte Unicredit gestern ultimativ auf, der HVB die hochprofitable Tochter Bank Austria bis zum 20. Januar 2008 zurückzugeben. Aufsichtsrat und Aktionäre seien vor ihrer Zustimmung zu dem Verkauf der Wiener Bank mit ihrem großen Osteuropaggeschäft 2006 über den wahren Wert getäuscht worden. Komme Unicredit der Aufforderung nicht fristgerecht nach, drohte Rechtsanwalt Heidel eine gerichtliche Durchsetzung an. Ein Sprecher der Unicredit wies Heidels Forderung als inakzeptabel zurück. Die Vorwürfe seien haltlos. Daher wird sich nun vermutlich ein weiteres Gericht mit dem Einstieg der Italiener in den deutschen Bankenmarkt beschäftigen.

Unicredit hatte 2005 die Chance ergriffen, gut 95 Prozent an der damals angeschlagenen Münchener Traditionsbank zu kaufen. Diese hatte Milliarden an Hypothekenkrediten vor allem in Ostdeutschland vergeben und war eine existentielle Krise geraten, als der dortige Immobilienmarkt zusammenbrach.

Nach der Mehrheitsübernahme begannen die Mailänder, die HVB umzubauen. So wurde mit Zustimmung von Aufsichtsrat und 99,45-prozentiger Zustimmung einer Hauptversammlung (HV) im Oktober 2006 die HVB-Tochter Bank Austria mit ihren wachstumsstarken Osteuropa-Ablegern für 12,5 Mrd. Euro an die Unicredit verkauft. Im Gegenzug erhielt die HVB das italienische Investment-Bankinggeschäft der Muttergesellschaft Unicredit.

Diese Kompensation sei zu gering ausgefallen und spiegele den wahren Wert der Wiener Tochter nicht wider, argumentiert Heidel, der 4,5 Prozent der HVB-Aktionäre, darunter vor allem Hedge-Fonds und professionelle Investoren, vertritt. Dies zeigten interne Mails der Bank, in denen die Kompensation als unzureichend kritisiert worden seien. Außerdem habe das Management der Bank ihrem Aufsichtsrat die Studie einer Investmentbank zur Bewertung der Transaktion vorenthalten. Auf Nachfrage wollte sich Heidel nicht festlegen, was der HVB hätte gezahlt werden sollen.

Die HVB wies die Vorwürfe als haltlos zurück. In einer internen Stellungnahme der Bank heißt es, die interne Diskussion über den Verkauf zeige, wie offen und unabhängig mit dem Sachverhalt umgegangen worden sei. Der Aufsichtsrat habe die Studie jederzeit auf Anfrage einsehen können.

Der nächste Schritt in dem Streit zwischen den HVB-Minderheitsaktionären und der Unicredit ist ein Urteil des Münchener Landgerichts über die Rechtmäßigkeit des Verkaufsbeschlusses auf der Hauptversammlung 2006, das für den 31. Januar erwartet wird. ben

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