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07.06.2012

15:46 Uhr

Bankenverband

Amtsantritt in Alarmstimmung

Der neue Präsident des Internationalen Bankenverbandes schlägt Alarm. Immense Herausforderungen warten auf die Branche. Bei einem Abwicklungsplan für marode Institute geht der Verband auf die Politik zu.

Der neue Verbandspräsident des IIF Douglas Flint kommt von der HSBC. Reuters

Der neue Verbandspräsident des IIF Douglas Flint kommt von der HSBC.

Bleibt Griechenland im Euro oder kommt der "Grexit", der Austritt aus der Gemeinschaftswährung? Kann Spanien seine maroden Banken aus eigener Kraft retten oder braucht es doch die Hilfe der europäischen Partner? Die Euro-Schuldenkrise kommt mit voller Wucht zurück und dominiert die diesjährige Frühjahrstagung des Internationalen Bankenverbandes IIF.

Die internationalen Großbanken dringen auf eine stärkere Zusammenarbeit der Staaten bei der Abwicklung von Krisenbanken, die das gesamte Finanzsystem ins Wanken bringen könnten. Die Geldhäuser seien bereit, ihr "Testament" zu machen, wünschten sich aber weniger nationale Alleingänge, sagte der neue Präsident des Weltbankenverbandes (IIF), Douglas Flint, am Donnerstag auf der Frühjahrstagung der Lobby-Gruppe in Kopenhagen. Andererseits bremst der IIF bei der von der EU-Kommission angeregten Bankenunion als ein Baustein zur Lösung der Euro-Schuldenkrise.

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So lange jeder darunter etwas anderes verstehe, sei das Projekt nicht realistisch, sagte Flint. Und auch bei den Kapitalauflagen mahnen die Banken zu einer "Pause", wie Flint betonte. Viele Institute seien zur Schrumpfung ihrer Bilanzen gezwungen, das führe zum Rückzug auf den Heimatmarkt und einer Fragmentierung des globalen Finanzsystems.

Flint, im Hauptberuf Chairman bei der britischen Großbank HSBC, nutzte das Frühjahrstreffen, um sich vor den Beratungen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Mexiko am 18. und 19. Juni in Mexiko in Stellung zu bringen. Die globalen Finanzmärkte warteten gespannt darauf, ob es den G20 gelinge, gemeinsame Antworten auf die drängenden Probleme der Staaten und Banken zu finden. "Wir möchten uns an diesem Dialog beteiligen."

"Die Herausforderungen, die vor uns liegen, sind immens", sagte Flint weiter. Die Finanzbranche sei bereit, gemeinsam mit der europäischen Politik an einer Lösung zu arbeiten. Die Überlegungen, auf dem Kontinent über eine Fiskal- und Bankenunion enger zusammenzurücken, seien im Grundsatz richtig. Europa brauche ein stärkeres gemeinsames Regelwerk. Flint hatte am Vorabend die Führung der mächtigen Lobby-Gruppe vom Ex-Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, übernommen.

Der Weltbankenverband (IIF) unterstützt die Bemühungen der Regulierer um einen "Abwicklungsplan" für Großbanken im Krisenfall. Eine der wichtigsten Lektionen aus der Finanzkrise und dem Kollaps von Lehman Brothers sei, dass systemrelevante Geldhäuser zusammenbrechen könnten und es für diesen Fall einen international abgestimmten und schnell greifenden Fahrplan geben müsse, der den Steuerzahler schone. "Wir glauben, dass mit der Entschlossenheit der nationalen Aufseher und der Kooperation der Finanzinstitute ein effektives System geschaffen werden kann", betonte Flint. Entsprechende Vorschläge des Finanzstabilitätsrats (FSB) sollten schnellstmöglich umgesetzt werden. Der IIF vertritt mehr als 450 Finanzinstitute weltweit.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

07.06.2012, 13:32 Uhr

"Eine der wichtigsten Lektionen aus der Finanzkrise und dem Kollaps von Lehman Brothers sei, dass systemrelevante Geldhäuser zusammenbrechen könnten und es für diesen Fall einen international abgestimmten und schnell greifenden Fahrplan geben müsse, der den Steuerzahler schone."

Eine ganz phantastische Idee. Unsere Kanzlerdarstellerin wollte die Banken schon vor 3 Jahre an die Leine legen, passiert ist in der Zeit nichts. Noch immer lässt sie sich von den "Märkten" treiben. In sämtlichen Sendungen zum Thema Euro und Europa spielt der Steuerzahler überhaupt keine Rolle. Alle sagen nur: Wir müssen, wir machen, wir brauchen, wir fordern, aber niemand fragt die Finanzierer, was diese wollen.

Leopold

07.06.2012, 14:22 Uhr

Ein neuer Versuch an deutsche Spargelder zu kommen. Jetzt sozialisiert man europaweit die Bankenrisiken und die Bankensanierung. Damit deutsche Banken für die maroden Banken z.B. in Italien haften. Will man uns unbedingt für dumm verkaufen?

EinBuerger

07.06.2012, 15:13 Uhr

Bisher wollten nur unsere "befreundeten" EU-Staaten uns "ausnehmen wie eine Weihnachtsgans".
Jetzt treten die Banken mit ihren Lobbyisten quasi als eigener Staat auf der frech deutsches Geld fordert - siehe Spanien.
Und eine Mitspracherecht für das Geld scheidet natürlich aus, das verbietet schon der Stolz.


ALLE wissen doch dass die FPIIGS-Staaten und die FPIIGS-Banken NIEMALS ihre Schulden zurückzahlen werden / können / wollen.

Wenn man daher von "Garantien geben" oder "Haftung übernehmen" redet heißt das in Realität "verschenken" - und das nicht nur für Altschulden, sondern auch für alle künftigen Schulden.

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