Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2014

12:48 Uhr

Bankenverband

VÖB sieht keine Gefahr für Landesbanken bei EZB-Tests

Die EZB nimmt die größten Banken der Eurozone genau unter die Lupe. Manche Beobachter sehen dabei bei einigen deutschen Landesbanken Risiken. Doch die Chefin des Bundesverbandes öffentlicher Banken bleibt gelassen.

Die Bankenkulisse von Frankfurt. Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) sieht dem EZB-Test optimistisch entgegen. dapd

Die Bankenkulisse von Frankfurt. Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) sieht dem EZB-Test optimistisch entgegen.

BerlinDen deutschen Landesbanken droht nach Einschätzung ihres Dachverbandes VÖB keine Gefahr bei den Tests der Europäischen Zentralbank (EZB). „Wir gehen davon aus, dass unsere Institute den Bilanzcheck bestehen werden“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), Liane Buchholz, bei einem Redaktionsbesuch bei der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. „Auch für den anschließenden Stresstest sind wir optimistisch.“ Buchholz widersprach damit Kritikern, die gerade unter den Landesbanken Wackelkandidaten sehen.

„Die öffentlichen Banken und insbesondere die Landesbanken haben im Vorfeld der EZB-Überprüfung erhebliche Anstrengungen unternommen, um ihre Bilanzen zu verkleinern“, erklärte Buchholz. Europaweit hätten die Banken in Europa seit der Finanzkrise ihre Bilanzen um rund zehn Prozent zurückgefahren, die Landesbanken hingegen hätten ihre Risikoposition um fast die Hälfte abgebaut.

14 der 24 von der EZB überprüften deutschen Banken lassen sich vom VÖB vertreten, darunter neben den Landesbanken und staatlichen Förderbanken auch außerordentliche Mitglieder wie die genossenschaftliche DZ Bank, die Hamburger Sparkasse und der Immobilienfinanzierer Aareal Bank. Die EZB übernimmt im November die Oberaufsicht über die größten Banken im Euroraum. Derzeit durchleuchtet sie die Bilanzen der 128 größten Institute, im Sommer folgt ein Krisentest.

Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing erwartet bei den laufenden Überprüfungen der Geldinstitute in Europa „wenig Überraschungen“ für sein Haus. Blessing sagte der Nachrichtenagentur dpa in Berlin, die Tests der Europäischen Zentralbank (EZB) würden sicherstellen, „dass in den 128 untersuchten Banken auch wirklich Äpfel mit Äpfeln verglichen werden“. Auf die Frage, wann ein Kredit „notleidend“ sei, müsse es bei jedem Institut dieselbe Antwort geben. „Nur dann kann man vergleichen. Von dieser Überprüfung erwarte ich für die Commerzbank wenig Überraschungen“, betonte Blessing.

Gerade die nach wie vor umfangreichen Schiffskredite in den Bilanzen von HSH Nordbank und NordLB beunruhigen allerdings Beobachter. Buchholz wies diese Bedenken zurück. Es handele sich um ein bekanntes Thema, dem sich die betroffenen Institute schon lange angenommen hätten. „Mich würde es überraschen, wenn auf die Schiffskredite besonderer Wert in der EZB-Prüfung gelegt würde“, sagte Buchholz.

Angesichts der langen Flaute in der Frachtschifffahrt mussten die Banken zuletzt ihre Vorsorge für ausfallgefährdete Schiffskredite deutlich erhöhen. Das drückt auf die Ergebnisse. Buchholz verteidigte trotzdem die Anlagen in diesem Geschäft: „Wir sind eine Exportnation. Dafür braucht es auch Schiffe, die finanziert werden müssen.“

Eine weitere Bereinigung auf dem Landesbankensektor erwartet die seit Jahresbeginn amtierende Verbandschefin trotz sinkender Erträge und harten Wettbewerbs nicht. „Der Konsolidierungsprozess der Landesbanken ist abgeschlossen. Wir gehen nicht davon aus, dass es mittelfristig weitere Zusammenschlüsse geben wird.“ Nach der Abwicklung der WestLB im Sommer 2012 gibt es derzeit sechs unabhängige Landesbanken in Deutschland.

„Das Drei-Säulen-Modell war immer politisch gewollt“, betonte Bucholz. „Dazu gehören auch öffentliche Banken, die einerseits im Wettbewerb stehen und anderseits politisch gewünschte Projekte finanzieren.“ Zugleich räumte sie ein, die Ertragsmöglichkeiten seien gesunken. „Das liegt auch daran, dass viele Banken nun deutlich weniger Risiken eingehen. Da wirkt auch der Schock des Endes der einst stolzen WestLB nach.“ Einen weiteren Stellenabbau in der Branche wollte Buchholz daher nicht ausschließen.



Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×