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27.06.2012

14:26 Uhr

Bankenverbandschef

Dallara warnt vor Eskalation der Euro-Krise

Spitzenbanker Charles Dallara hat vor einer Verschärfung der Euro-Krise gewarnt. Seiner Meinung nach steht nicht nur die Zukunft einer Währung auf dem Spiel, sondern auch die Zukunft Europas.

Charles Dallara warnt vor einer Eskalation der Euro-Krise. dapd

Charles Dallara warnt vor einer Eskalation der Euro-Krise.

HamburgDer scheidende Direktor des internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, hat eindringlich vor den Folgen einer Eskalation der Euro-Schuldenkrise gewarnt. In diesen Tagen stehe nicht nur die Zukunft des Euros auf dem Spiel, sondern auch die Zukunft Europas, sagte der Spitzenbanker der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstagausgabe).

Das EU-Gipfeltreffen am Donnerstag und Freitag in Brüssel sei „vielleicht das wichtigste seit Gründung der EU“, sagte Dallara. „Es geht darum, das Vertrauen von langfristig orientierten Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen zurückzugewinnen - und ich fürchte, dass sie sich nur durch umfassende Lösungen überzeugen lassen werden.“

Als einen möglichen Ausweg aus der Schuldenkrise sprach sich der US-Amerikaner für ein Zusammenwachsen der Eurozone in der Finanzpolitik aus: „Genau das ist das Problem in Europa: Für alle gemeinsam sind die Schulden tragbar, einzelne Staaten sind damit überfordert. Deshalb argumentieren viele von uns, dass eine Vergemeinschaftung der Finanzpolitik sinnvoll ist.“

Nach Einschätzung des Spitzenbankers waren die Auflagen für das überschuldete Griechenland zu hart. „Der Wunsch nach Haushaltsdisziplin war so stark, dass man das Land gezwungen hat, den Gürtel enger und enger zu schnallen. Das ist emotional nachvollziehbar, aber ökonomisch falsch. Wenn man einem Schiff immer mehr Wind aus dem Segel nimmt, bleibt es irgendwann stehen. Wir haben das in Griechenland gesehen, und wir sehen es jetzt in Spanien und Portugal. Die Europäer sollten den betroffenen Ländern etwas mehr Zeit für den Abbau der Defizite geben.“

Eine Streckung der Budgetziele in Griechenland würde nach Ansicht von Dallara 20 Milliarden Euro kosten. „Verglichen mit den Summen, die bereits investiert wurden, ist das nicht viel. Aber das bedeutet nicht, dass es Hilfe ohne Auflagen geben sollte. Im Gegenteil: Bei den Strukturreformen ist mehr Tempo nötig“, sagte er.

Der US-Bankmanager war maßgeblich an den Verhandlungen zum Schuldenschnitt in Griechenland beteiligt. Nach fast 19 Jahren an der Spitze des internationalen Bankenverbandes hatte Dallara seinen Rücktritt angekündigt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Ben-Wa

27.06.2012, 15:09 Uhr

Dieses "europäische Projekt", entworfen von Naivlingen an einem politischen Reissbrett, ist völlig verrottet.

Diese EU, dieses Bürokratenmonster mit angeschlossener Selbstversorgernomenklatura in Brüssel, kann nicht überleben. Ich habe nichts dagegen, wenn dieses Projekt als das entlarvt wird, was es ist: Ein ehrgeiziges Projekt einer kleinen, machthungrigen Pseudoelite, die sich selbst für den Nabel der Welt hält - zumindest Europas. Kohl, Genscher, Schmidt, Juncker und die ganzen Helfershelfer... sie müssen angeklagt werden! Den Schaden, den sie angerichtet haben, geht ins Monströse!

Account gelöscht!

27.06.2012, 18:03 Uhr

Eigentlich erübrigt sich hier ein Kommentar. Es bleibt einem aber schon die Spucke weg angesichts der Hartnäckigkeit, mit der selbst Leute, die es besser wissen sollten, immer wieder Dinge fordern, die nicht machbar sind. „Mehr Zeit“ für die Griechen bedeutet den Stillstand aller angestrebten Veränderungen. Schon jetzt sollen die Renten und die Mindestgehälter wieder rauf und es wurden mehr Beamte eingestellt als verabredet.
Und die Auflagen werden doch sowieso nicht erfüllt.
Es kann doch nicht sein, dass Herr Dallara das nicht sieht.
Veräppeln Sie uns nicht – wir sind das Volk.
WIR entscheiden.

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