Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.04.2006

06:46 Uhr

Bankenvergleich

Jeder Vorstand rechnet, so gut er kann

VonChristian Potthoff

Die Fixierung auf die Eigenkapitalrendite unterscheidet die Banker von anderen Wirtschaftszweigen. Bei Industrie- oder Handelsunternehmen stehen andere Kennziffern im Blick, etwa die Umsatzrenditen und das Ergebnis vor Finanzierungskosten und Steuern (Ebit). Bei Banken ergibt dies wenig Sinn.

HB FRANKFURT. Dass die Eigenkapitalrendite für Banken von Bedeutung ist, weiß die Öffentlichkeit spätestens, seit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Maxime einer Vorsteuerrendite von 25 Prozent zu einem Mantra erhoben hat. Trotz massiver Kritik von Seiten der Politik und der Gewerkschaften ließ er sich nicht vom Kurs abbringen. Bei der Bilanzpressekonferenz Anfang Februar konnte der Schweizer Vollzug melden: Zwar lag die Rendite im vergangenen Jahr letztlich nur bei 24,7 Prozent, aber die Börse hakte die minimale Abweichung als Rundungsdifferenz ab.

Die Fixierung auf die Eigenkapitalrendite unterscheidet die Banker von anderen Wirtschaftszweigen. Bei Industrie- oder Handelsunternehmen stehen andere Kennziffern im Blick, etwa die Umsatzrenditen und das Ergebnis vor Finanzierungskosten und Steuern (Ebit). Bei Banken ergibt dies wenig Sinn, denn anders als in der Industrie sind die Refinanzierungskosten im Kreditgewerbe elementarer Teil des Kerngeschäfts. Zudem ist das Eigenkapital bei Banken durch regulatorische Anforderungen beeinflusst, so dass die Eigenkapitalquoten nicht beliebig reduziert werden können. Damit seien die Renditen aussagekräftiger, sagt Andreas Weese, Bankenanalyst der HVB. „Bei Industrieunternehmen können die Eigenkapitalquoten dagegen sehr stark schwanken – deswegen ist die Aussagekraft der Eigenkapitalrendite begrenzt.“

Ein Blick auf die Renditen der europäischen Großbanken zeigt, dass die deutschen Institute ziemlich am Ende der Skala rangieren. Zwar hat die Branche ihre Krise der Jahre 2002 und 2003 abgehakt, als mit Ausnahme der Deutschen Bank alle Institute in die roten Zahlen rutschten. Aber an die Renditen der Konkurrenten im Ausland kommen die hiesigen Banken immer noch nicht heran. Selbst die Deutsche Bank als heimischer Klassenbester liegt im internationalen Vergleich ganz am Ende - zumindest, wenn man die Rendite nach Steuern betrachtet. Hier kommt die Deutsche Bank nur auf 12,5 Prozent, fast alle Konkurrenten verbuchen dagegen 15 Prozent und mehr. Spitzenreiter UBS glänzt sogar mit fast 40 Prozent.

Ein Teil des Rückstands erklärt sich mit der hohen Steuerlast: Im vergangenen Jahr lag die Steuerquote der Deutschen Bank bei 33 Prozent – anderswo in Europa sind es weniger als 25 Prozent. Jedoch ist der Fikus nur ein Grund für das schwache Abschneiden. Viele ausländische Banken sind schlicht effizienter, wie sich etwa an dem Verhältnis von Erträgen zu Kosten absehen lässt (siehe nebenstehenden Artikel). Dies ist nach Meinung von Analysten ein Grund, dass die Deutsche Bank – wie übrigens auch die Postbank – lieber mit der Vorsteuerrendite argumentiert. International üblich ist die Nachsteuerrendite, einige Banken geben den Vorsteuerwert nicht einmal an. Aus Sicht des Aktionärs ist das auch richtig, denn ihn interessiert, was „unterm Strich“ steht.

Vergleiche sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen

Allerdings sind Vergleiche mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Denn die Institute wenden unterschiedliche Definitionen an: Mal wird das Kapital um einige Posten bereinigt, mal werden Erträge um „Sonderposten“ korrigiert. „Die Frage, wie die Rendite eigentlich berechnet wird, ist auch auf Analystenkonferenzen immer häufiger ein Thema“,sagt Joachim Müller, Analyst von Cheuvreux. Die Deutsche Bank etwa nennt in ihrer Bilanz gleich fünf Eigenkapitalrenditen, die sie im Gegensatz zu vielen Konkurrenten aber wenigstens relativ exakt definiert.

Während Ackermann auch in Zukunft eine Vorsteuerrendite von 25 Prozent anpeilt, orientieren sich Commerzbank und Dresdner am Nachsteuerwert. Die Dresdner Bank strebt für 2008 einen Wert von zwölf Prozent an, Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller will bis 2010 sogar 15 Prozent erreichen – dabei dürften die Verlustvorträge helfen, die das Institut in den letzten Jahren angehäuft hat, und die die Steuerlast lindern. Beide Banken liegen mit ihren Zielen weiter unter dem europäischen Mittel. Doch nach Meinung der Ratingagentur Fitch könnte sich der Rückstand bald verringern: nicht nur, weil die Deutschen Banken aufholen, sondern auch, weil die hohen Renditen in den übrigen Ländern nicht zu halten seien

.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×