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06.08.2015

11:21 Uhr

Banker-Karrieren

Von der Nato zu Goldman Sachs

VonFrank Wiebe

Paulson, Rubin, Draghi: Alle haben sie bei Goldman Sachs gearbeitet. Die Investmentbank ist Kaderschmiede für Politiker. Umgekehrt wechseln Politiker zur Bank. Der jüngste Zugang von der Nato sorgt jetzt für Aufsehen.

Die US-Investmentbank zog gerade einen prominenten Berater an Land. Reuters

Goldman Sachs

Die US-Investmentbank zog gerade einen prominenten Berater an Land.

New YorkImmer wieder Goldman: Die US-Investmentbank liebt es, Verbindungen zu Politikern herzustellen. Diesmal handelt es sich um Fogh Rasmussen, einen ehemaligen dänischen Regierungschef, der zudem bis 2014 als Generalsekretär der Nato gedient hat. Während sonst Politiker in Diensten von Banken oft nur ungenau umrissene Aufgaben haben, wartet auf Rasmussen aber ein sehr konkreter Job: Er soll die Wogen im Streit um einen heiklen Deal mit der dänischen Regierung glätten. Die hatte Goldman für umgerechnet 1,5 Milliarden Dollar 18 Prozent an einem staatlichen Energieversorger überlassen – eine sehr unpopuläre Entscheidung, die sogar zum Zerwürfnis innerhalb der Regierung führte.

Die größten Investmentbanken in Deutschland

Platz 5

Bank of America/Merrill Lynch
Volumen: 43,6 Milliarden Dollar*

*Wert der betreuten M&A-Deals, Stand: 2014

Quelle: Statista

Platz 4

JP Morgan
Volumen: 63,8 Milliarden Dollar

Platz 3

Goldman Sachs
Volumen: 64,8 Milliarden Dollar

Platz 2

Morgan Stanley
Volumen: 70,3 Milliarden Dollar

Platz 1

Deutsche Bank
Volumen: 74,1 Milliarden Dollar

Goldman hat schon häufiger prominente Politiker abgeworben, umgekehrt sind Goldmänner in die Politik gegangen – das ist der berühmte Drehtür-Effekt. Der frühere Konzernchef Hank Paulson etwa war Finanzminister zurzeit der Finanzkrise. Seinem Nachfolger Tim Geithner hat man oft eine Vergangenheit bei Goldman angedichtet, weil er wie ein Banker aussieht – aber er hatte nie etwas mit der Bank zu tun. Der heutige Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat dagegen früher einmal bei Goldman gearbeitet, ebenso Robert Rubin, Finanzminister unter Bill Clinton.

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Auf der anderen Seite ging der bekannte deutsche Notenbanker Otmar Issing nach dem Ausscheiden aus der EZB als Berater zu der Investmentbank. Außerdem hat Goldman 2011 den früheren republikanischen US-Senator Judd Gregg als Berater engagiert, der sich einen Namen als Gegner zu strenger Bankenregulierung gemacht hatte. Möglicherweise noch problematischer sind solche Wechsel auf Arbeitsebene. So bekam im Mai Andrew Donohue von Goldman die Stelle des „Chief of Staff“ bei der SEC, die als Aufsichtsbehörde für Goldman zuständig ist.

Kommentare (8)

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06.08.2015, 11:32 Uhr

Eigentlich sollte der Weg ja umgekehrt sein. Um nicht als arme Kirchenmaus in der Politik zu verhungern, wechselt man(n) in die freie Wirtschaft.

Account gelöscht!

06.08.2015, 12:01 Uhr

Geld regiert die Welt. Wer will da etwas anderes behaupten?

Unter der Berücksichtigung das eine Bank ja in keinster Weise wirklich reale Werte schafft; ist das doch alles "pervers".

Herr Josef Steiner

06.08.2015, 12:05 Uhr

Solange unser Wirtschaftssystem darauf basiert, dass Geld die wichtigste Rolle im Leben spielt, sollte man eigentlich Politik und Finanz strikt voneinander trennen. Da kann nur Schlimmes bei rumkommen...

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