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25.09.2011

17:16 Uhr

Banker-Krisentreffen

Schlaflos in Washington

VonPeter Köhler

Miese Stimmung in Washington: Fieberhaft suchen die Banker und Politiker einen Ausweg aus der Finanzkrise. Heute Nachmittag hob Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnend den Finger. Der Wohlstand der Welt stehe auf dem Spiel.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

Washington„Liquidität kommt derzeit nur von oben“ – war der geflügelte Satz der Bankmanager beim Jahrestreffen des Weltbankenverbandes IIF in Washington. Parallel zu Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) suchten die Top-Manager bei strömendem Regen oder bestenfalls bewölktem Himmel bei ihren Speed-Datings in den großen Hotels und im Tagungszentrum nach einer Lösung für die Finanzkrise.

Vor dem Hintergrund schwieriger Refinanzierungsbedingungen an den Kapitalmärkten und den Heranstufungen der Rating-Agenturen war die Stimmung in der amerikanischen Hauptstadt eher gedrückt. „Mr. Market jagt die Politik, aber die findet keine einheitliche Haltung“, sagte ein Investmentbanker. 

Andreas Dombret, Vorstand der Deutschen Bundesbank, warnte: „Sollten sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten fortsetzen, kann ein Übergreifen auf die Realwirtschaft nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, wie die Erfahrungen aus 2008 gezeigt haben. Allerdings ist die Lage in der Realwirtschaft besser als die Stimmung an den Finanzmärkten. Die Bundesbank geht davon aus, dass der konjunkturelle Aufwärtstrend in Deutschland trotz einer zu erwartenden Delle im Winterhalbjahr anhalten wird.“

Der große Durchbruch war auch am Sonntagnachmittag nicht in Sicht, aber Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann rüttelte die Teilnehmer zumindest noch einmal wach und erinnerte daran, dass in den kommenden Tagen nicht weniger als Wachstum und Wohlstand der Weltwirtschaft auf dem Spiel steht.

Was Josef Ackermann zu sagen hatte

Die Rede im Wortlaut

Josef Ackermann hat als Präsident des internationalen Bankenverbandes IIF heute eine wichtige Rede in Washington gehalten. Es folgen die wichtigsten Passagen im Wortlaut des Redetextes..

Bedeutende Schwierigkeiten

Alle führenden entwickelten Volkswirtschaften - die USA, die EU und Japan - sehen sich jeweils bedeutenden  wirtschaftspolitischen Schwierigkeiten ausgesetzt, die die Regierungen auf die Probe gestellt haben und dies weiter tun werden.

Erwartungen an die G20

Der G-20-Gipfel in Cannes im November muss schlagkräftige und konkrete Entscheidungen treffen, um das Vertrauen in die Aussichten auf wirtschaftliche Erholung und Finanzstabilität wiederherzustellen, und er muss gewährleisten, dass alle Maßnahmen einheitlich für die G-20-Länder gelten.  

Zum Euro

Der Euro ist eine wesentliche und stabile Säule des internationalen Währungssystems und hat den Mitgliedern der Eurozone Stabilität und Wachstum beschert. Wegen der zentralen Rolle des Euro im globalen Währungssystem ist es daher umso wichtiger, dass jeglicher Zweifel an der Funktionsfähigkeit seiner institutionellen Fundamente ausgeräumt wird.  

Zu Griechenland

Unter der Führung des IIF hat sich der private Finanzsektor in Brüssel dazu verpflichtet, Griechenland zu unterstützen und wir sind zuversichtlich, dass sich private Investoren und Gläubiger tatkräftig am angebotenen Anleihentausch beteiligen werden und beträchtliche Fortschritte dabei gemacht wurden, Unterstützer zu gewinnen.

Was das private Engagement bringt

Unseres Erachtens wird das freiwillige Engagement des Privatsektors in Griechenland über Schuldtitelabschläge und –rückkäufe zu einer direkten Reduzierung des nominalen Schuldenbestands um 27 Milliarden Euro und zu kumulativen Cash Flow-Einsparungen über 300 Milliarden Euro im Zeitraum bis 2020 führen.

Basel III

Der IIF hat sich konsequent für die Kernelemente der Baseler Reformen ausgesprochen, die zusammen mit anderen Maßnahmen und verbesserten Praktiken  in der Branche die künftige Finanzstabilität erhöhen werden. Der IIF unterstützt die Kernvereinbarungen von Basel III, die vor einem Jahr festgelegt wurden und die als international verbindlicher Standard dienen sollten.  

Massive Verzerrungen

Es scheint zum Beispiel schon fast sicher, dass Basel 2.5 und Basel 3 in führenden Ländern in einem unterschiedlichen zeitlichen Rahmen eingeführt werden. Das wird zu massiven Verzerrungen führen. Die G-20 sollte den Financial Stability Board und den Basler Ausschuss ersuchen, einzuschreiten und Maßnahmen zu verhindern suchen, die solch schädliche Folgen für die Kohärenz in der Regulierung haben können.  

Unsicherheit herrscht

Finanzdienstleister überall auf der Welt ziehen sich in einem nie zuvor gesehenen Ausmaß zurück... Diese Schritten reflektieren auch, dass ein Rechtssystem nach dem anderen neue aufsichtsrechtliche Maßnahmen aufeinander türmt und dass, genauso wichtig, Unsicherheit über künftige regulatorische Anforderungen herrscht.

Die Warnung verstehen

Der Abbau des Einsatzes von Fremdkapital, den wir im Finanzsektor erlebt haben, hat zu einem realen Rückgang beim Volumen der Kredite beigetragen, die in den vergangenen Jahren an Unternehmen und Haushalte in der EU und den USA herausgelegt wurden. Das hat die wirtschaftliche Erholung untergraben. Es dient als Warnung vor dem, was auf uns zukommt, wenn es nicht zu einer Wiederherstellung des regulatorischen Gleichgewichts kommt.  

7,5 Millionen Arbeitsplätze weniger

Eine jüngste IIF-Studie hat ergeben, dass die Auswirkungen aller aufsichtsrechtlichen Reformen in ihrer Summe dazu führen könnten, dass das BIP in den entwickelten Volkswirtschaften bis 2015 um über drei Prozent niedriger ausfallen könnte, was impliziert, dass auf die Schaffung von rund 7,5 Millionen Arbeitsplätzen verzichtet wird.

Transaktionssteuern

Transaktionssteuern wären ein kostspieliger Fehler, der die Verbraucher und Unternehmen belasten und die Finanzdienstleister schwächen würde.  Und falls sie nicht global angewendet würden - was ein ausgesprochen schlechter Einfall wäre –, würden sie Arbitrage in massivem Umfang mit sich bringen.

Hoffnungen

Finanzstabilität und wirtschaftliche Erholung erfordern Kreditwachstum und die Fähigkeit der Finanzdienstleistungsbranche, Regierungen und Unternehmen angemessen zu finanzieren. Diese Fähigkeit läuft Gefahr, stark beeinträchtigt zu werden. Unsere Hoffnungen konzentrieren sich nun darauf, dass die G-20 vortritt und entschlossen handelt, um sicherzustellen, dass diese Fähigkeit vollständig wiederhergestellt wird.

Es sei daher von „entscheidender Bedeutung, dass alle Regierungen der Eurozone die Übereinkünfte, die am 21. Juli in Brüssel erreicht wurden, jetzt schnell umsetzen“, sagte Ackermann. Dazu gehöre die Verabschiedung der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) über 440 Milliarden Euro und des breiteren Spektrums des EFSF-Mandats. Unter der Führung des IIF habe sich der private Finanzsektor in Brüssel dazu verpflichtet, Griechenland zu unterstützen „und wir sind zuversichtlich, dass sich private Investoren und Gläubiger tatkräftig am angebotenen Anleihentausch beteiligen werden und beträchtliche Fortschritte dabei gemacht wurden, Unterstützer zu gewinnen“, so der Chef des größten deutschen Geldhauses.

Kommentare (28)

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Schweizergarde

25.09.2011, 17:10 Uhr

Nicht der Wohlstand, sondern der Wohlstand der Bankster steht auf dem Spiel.

Anonym

25.09.2011, 17:10 Uhr

Ich finde, die Banken sollten sich etwas zurückhalten und ihre Geschäftsmodelle ändern. Die Deutsche Bank hat immerhin auch im großen Maße von der staatlichen HRE-Rettung profitiert. Die USA werden bei einer erneuten Wirtschaftskrise schwächelnde Banken kein zweites mal retten. Zum Glück habe die europäischen Banken kürzlich den Banken-Stresstest bestanden. Oder liege ich da etwa falsch?

Bankenluege

25.09.2011, 17:14 Uhr

Aktienhändler riskieren mehr als Psychopathen

Warum verspielen einzelne Trader immer wieder Milliarden? Für eine Studie hat die Universität St. Gallen Aktienhändler und Psychopathen verglichen. Selbst die Experten waren vom Ergebnis überrascht. Sie bescheinigen den Börsenprofis einen immensen Hang zur Zerstörung.

Und sowas unterstützen gewählte Politiker ??????????

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